Die Glamourrocker „Kiss“ statten Washington einen Besuch ab. Sie werden von Donald Trump am Sonntag im Kennedy Center als Amerikas Top-Rockband geehrt. Gene Simmons (der mit der Zunge, die angeblich bis zum Boden reicht) nutzte die Gelegenheit zu einem Rundgang durchs Weiße Haus, was nicht ohne Folgen blieb. Simmons (76) übernahm im Presseraum sofort das Rednerpult. Das konnte er gefahrenfrei tun, Trump war zu der Zeit bei der Auslosung zur Fußball-WM am anderen Ende der Stadt. Simmons wird am Dienstag vor dem Senat sprechen und sich für mehr Solidarität in der Musikbranche einsetzen. So übte er gleich mal seine Rede vor einer Schar Journalisten, in der er Radiokonzerne dazu verpflichtet sehen möchte, Künstler für ihre Musik zu entlohnen. Immerhin würden die Radiostationen Milliarden durch Werbung einnehmen, was nur möglich sei, weil sie die Musik von Künstler spielen. Simmons wies darauf hin, dass Amerika „die Wiege der Musik der Welt“ sei. „Sollten die Künstler, die wir alle bewundern nicht auch ein wenig davon abbekommen, was die Radiostationen so durch sie einnehmen? Wäre das nicht in Ordnung?“, fragte Simmons in die Runde. „Das ist genau unser überparteilicher Gesetzentwurf, der verabschiedet werden soll, weil der Präsident sehr künstlerfreundlich ist.“ Anfang des Jahres hatte Trump seinen Freund und Unterstützer Kid Rock im Oval Office und unterzeichnete in dessen Beisein eine Verordnung gegen Ticketwucher. Simmons hatte seine Ehefrau Shannon Tweed und seinen Sohn Nick im Weißen Haus dabei. Er beantwortete viele Fragen von Journalisten, als ihm sein Sohn irgendwann zurief: „Je länger du da oben am Rednerpult stehst, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass du am Sonntag noch gecancelt wirst.“ Als ihn ein Journalist auf das Thema Meinungsfreiheit ansprach, pfiff seine Frau von ihrem Sitzplatz im Besprechungsraum aus einmal kurz laut und rief: „Simmons, deine Zeit ist um. Wir müssen los.“ Schnell fragte ihn ein anderer Reporter noch, was er für den Rest des Tages vorhabe – und ob er sich mit Trump treffen würde. Da antwortete der Kiss-Rocker: „Den Rest des Tages werden wir zu Abend essen“, drehte sich zu seiner Frau und fragte: „Darf ich das sagen?“ „Nein“, antwortete Tweed, und im Saal brach Gelächter aus. Simmons bestätigte daraufhin, dass er sich mit Trump treffen werde, wie es für Preisträger des Kennedy Centers üblich sei. „Ich respektiere das Präsidentenamt“, sagte er. In dem Moment ging seine Frau nach vorn und holte ihren Mann von der Bühne. „Es war wunderbar, mit mir zu sprechen“, witzelte Simmons noch rasch, als er von seiner Shannon regelrecht davongezogen wurde. Das Verhältnis von Simmons zu Donald Trump gilt nicht als das allerbeste. Simmons war 2022 einmal als Kandidat in Trumps Show „The Apprentice“ und sagte danach dem „Spin-Magazin\", der Präsident habe im Land eine Art Hyperpolarisierung ausgelöst: „Ich kannte ihn, bevor er in die Politik ging. Sehen Sie sich an, was dieser Mann diesem Land angetan hat, wie sehr er es polarisiert hat. Er hat alle Kakerlaken an die Spitze gebracht. Früher war es peinlich, öffentlich rassistisch zu sein und Verschwörungstheorien zu verbreiten. Jetzt ist das alles gesellschaftsfähig, weil er es zugelassen hat.“ „Trump ist nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht“ Und weiter: „Als einfacher Bürger oder Unternehmer hat man eine andere Verantwortung. Man macht keine Politik, es geht nie um Leben und Tod. Wenn man aber eine solche Machtposition einnimmt, hat das Auswirkungen auf das Leben aller Menschen. Ich glaube nicht, dass Donald Trump Republikaner oder Demokrat ist. Er ist nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht, egal, wie er ihn erreicht. Und bei den letzten Wahlen sind über 70 Millionen Menschen darauf hereingefallen.“ Umso erstaunlicher, dass Trump ihn nun für die Kennedy Center Honors nominierte. „Kiss“ sind die erfolgreichste Rockband der US-Geschichte. Sie haben über 100 Millionen Alben verkauft und nach den Beatles und Rolling Stones die meisten Goldenen Schallplatten erhalten. Gerade verkauften sie ihre Verlagsrechte für 300 Millionen Dollar an das schwedische Unternehmen Pophouse, das Abba-Mitbegründer Björn Ulvaeus gehört.