Im Vergewaltigungsprozess gegen Marius Borg Høiby hat der zweite Verhandlungstag mit Aussagen eines mutmaßlichen Opfers begonnen. Später äußerte sich der Angeklagte, Sohn von Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit, erstmals selbst. Marius Borg Høiby soll die Frau während einer Party in der Residenz von Norwegens Kronprinzenpaar – Schloss Skaugum – sexuell berührt haben und mit dem Finger in sie eingedrungen sein, während sie schlief. Der 29-Jährige ist deshalb nach norwegischem Recht wegen Vergewaltigung angeklagt – in diesem und drei weiteren Fällen. Außerdem soll er die Frau dabei gefilmt haben. Sie hatte laut der norwegischen Nachrichtenagentur NTB bereits am Dienstag ausgesagt, Høiby und sie hätten zunächst auf einer Toilette sehr kurz Sex gehabt. Danach könne sie sich an nichts mehr erinnern. Der Angeklagte, der Jeans und ein zerknittertes Hemd unter einem Pullover trug, nahm sich zu Beginn seiner Anklage zunächst ein Stück Snus aus dem Mund – ein in Skandinavien verbreiteter Oraltabak. Dann sagte Høiby im Gerichtssaal: „Es fällt mir unglaublich schwer, vor so vielen Menschen zu sprechen“, sagte Høiby laut der Zeitung „VG“ (verlinkt auf https://www.vg.no/nyheter/i/wr8zVA/hoeiby-forklarer-seg-vanvittig-vanskelig) kurz nachdem er in den Zeugenstand getreten war. Bei den folgenden Worten brach die Stimme des 29-Jährigen, der Gerichtszeichner (Kameras sind nicht im Saal erlaubt) dokumentierte zudem, dass Høiby zu weinen begann und zum Taschentuch griff. Seit seinem dritten Lebensjahr (damals war seine vormals alleinerziehende Mutter bereits mit Kronprinz Haakon liiert, der nicht Marius‘ leiblicher Vater ist) werde er von der Presse verfolgt, so der junge Mann. Wörtlich sagte er in Richtung der Pressevertreter: „Ich wurde von ihnen schikaniert und gequält. Dass sie nun in diesem Gerichtssaal sitzen müssen, finde ich absolut furchtbar“. Høiby fügt dann noch hinzu, dass er glaube, die Medien würden „alles verdrehen, als wäre es etwas, was es nicht ist“. „Ich bin hauptsächlich als der Sohn meiner Mutter bekannt, sonst für nichts“, sagte er. „Deshalb hatte ich ein extrem hohes Bedürfnis nach Anerkennung. Mein ganzes Leben lang. Und das hat sich in viel Sex, viel Drogen und viel Alkohol niedergeschlagen.“ Inhaltlich beharrte der 29-Jährige auf seiner Unschuld und machte dabei auch Erinnerungslücken geltend. Er erinnere sich nicht daran, die besagte Frau sexuell berührt und gefilmt zu haben, während sie schlief, so Høiby. Er könne sich nur an – mehrfach vollzogenen – einvernehmlichen Sex erinnern. „Vielleicht habe ich etwas eingeflößt bekommen“, fragte sich das Opfer Die norwegische Zeitung „Verdens Gang“ veröffentlichte derweil Details aus der Befragung der jungen Frau. Als „Verrat und Schock“ habe es das mutmaßliche Opfer von Høiby laut der Zeitung empfunden, dass der Angeklagte sie missbraucht und dabei gefilmt haben soll. „Ich habe es erst gar nicht geglaubt“, sagte sie am Mittwoch aus. „Ich konnte nicht verstehen, dass Marius mir so etwas antun konnte.“ Gleichzeitig stellte die Frau auch Fragen zu der besagten Party in der Residenz. Sie habe, so die Betroffene, einen solchen „Blackout“ noch nie erlebt. „Vielleicht habe ich etwas eingeflößt bekommen, das ich nicht selbst zu mir genommen habe“, zitierte die Zeitung die Frau. Die betreffenden Fotos und Videos wurden den Medien nicht gezeigt, die Identität der Frau darf nicht enthüllt werden. Mit Blick auf die Aufnahmen sagte sie vor Gericht: „Sehen Sie mein Gesicht: Es ist doch klar, dass ich völlig bewusstlos bin. Es sieht sogar so aus, als würde ich nicht atmen.“ Unter dem Eindruck mehrerer Eklats hat die norwegische Kronprinzessin Mette-Marit derweil eine geplante private Reise ins Ausland verschoben. Das bestätigte eine Sprecherin des Königshauses der Deutschen Presse-Agentur – begründete die Entscheidung auf Anfrage aber nicht. Die Familie von Norwegens Kronprinz Haakon, 52, belasten aktuell mehrere Skandale: Neben dem Vergewaltigungs-Prozess gegen Mette-Marits ältesten Sohn taucht der Name der Kronprinzessin auch Hunderte Male in den Akten zu Jeffrey Epstein auf. Sie soll über Jahre privaten Mail-Kontakt mit dem Sexualstraftäter gehabt haben. Den Medienberichten zufolge hatte Mette-Marit vorgehabt, zum Auftakt des Prozesses zu verreisen. Auch Haakon will nicht zur Verhandlung gegen seinen Ziehsohn kommen.