Welt 30.01.2026
12:05 Uhr

„Erwartungsgemäß“ mehr Arbeitslose – das steckt hinter dem Anstieg der Zahlen


Die Arbeitslosigkeit in Hamburg steigt zum Jahresbeginn deutlich an – trotz Rekordbeschäftigung am Arbeitsort. Ein Grund: Viele Beschäftigte pendeln ein, während die Zahl der arbeitslosen Hamburger weiter wächst.

„Erwartungsgemäß“ mehr Arbeitslose – das steckt hinter dem Anstieg der Zahlen

Hamburg startet mit einem deutlichen Anstieg der Erwerbslosigkeit ins neue Jahr. Im Januar waren 97.264 Menschen ohne Job – 4683 mehr als im Dezember, die Arbeitslosenquote stieg auf 8,6 Prozent. Damit erreicht die Stadt den höchsten Januarwert seit 2006. Besonders stark fiel der Zuwachs bei Jugendlichen unter 25 Jahren aus (+17,3 Prozent), aber auch Akademikerinnen und Akademiker (+9,9 Prozent) sowie Langzeitarbeitslose (+9,4 Prozent) verzeichneten überdurchschnittliche Anstiege. Sönke Fock, Chef der Hamburger Arbeitsagentur, ordnet die Entwicklung in einen größeren Zusammenhang ein. Bereits seit Jahren stehe der Arbeitsmarkt „unter dem Einfluss eines anhaltend schwierigen wirtschaftlichen Umfelds“. Die Stadt habe es zugleich mit „schwacher Konjunktur, gedämpftem privaten Konsum, hohen Energiepreisen und Transformationsprozessen in den Unternehmen“ zu tun. Diese Gemengelage habe wesentlich dazu beigetragen, dass die Zahl der Arbeitslosen 2025 gegenüber dem Vorjahr nochmals gestiegen sei. Dass der Januar ein Monat mit Sprüngen nach oben ist, überrascht Fock nicht. Der Jahresanfang sei „erwartungsgemäß“ von höheren Zugängen geprägt, weil „befristete Arbeitsverträge oder projektbezogene Jobs häufiger zum Jahresende“ ausliefen. Das spiegelt sich in den Zahlen: 8851 Menschen meldeten sich im Januar aus Erwerbstätigkeit arbeitslos – 681 mehr als vor einem Jahr. Doch nicht alle Zahlen im neuen Arbeitsmarktbericht deuten auf eine schlechte Lage hin. So fanden im Januar 4944 Arbeitslose eine Beschäftigung, was ein Plus von 14 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert bedeutete. Positiv ist auch, dass in Hamburg so viele Menschen beschäftigt sind wie nie zuvor: Im November arbeiteten in der Hansestadt 1.097.400 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte – ein neuer Rekordwert. Doch wie erklärt sich das Phänomen, dass Arbeitslosen- und Beschäftigten-Zahlen steigen? Hamburg ziehe seit Jahren zusätzlich Arbeitskräfte aus der gesamten Metropolregion sowie aus dem In- und Ausland an, erklärt Fock. Diese Einpendler zählen dann zur Zahl der Beschäftigten am Arbeitsort – aber führen nicht zu einer geringeren Arbeitslosenquote in der Hansestadt selbst. Fock führt weiter aus, dass auch das Bevölkerungswachstum der Stadt und der hohe Anteil an Ungelern­ten dazu beitragen, dass die Arbeitslosigkeit trotz Rekordbeschäftigung nicht sinkt. Unternehmen suchten verstärkt Fachkräfte, „die der Hamburger Arbeitsmarkt aber nicht immer bedienen kann“. Wer in Hamburg wohnt, aber keine passende Qualifikation besitzt, konkurriert damit nicht nur mit Gleichqualifizierten aus der Stadt, sondern zusätzlich mit gut qualifizierten Bewerbern von außerhalb, die für offene Stellen nach Hamburg pendeln.