Welt 03.01.2026
09:04 Uhr

Erste vier Opfer identifiziert – Französisches Besitzerpaar wird vernommen


Nach dem verheerenden Brand in einer Bar im Schweizer Skiort Crans-Montana wurden vier Opfer identifiziert. Die Staatsanwaltschaft ermittelt derweil wegen möglicher Verstöße gegen Brandschutzauflagen, eine Anklage wegen fahrlässiger Tötung ist nicht ausgeschlossen.

Erste vier Opfer identifiziert – Französisches Besitzerpaar wird vernommen

Zwei Tage nach der Brandkatastrophe im Schweizer Skiort Crans-Montana sind die ersten vier Todesopfer identifiziert worden. Es handele sich um die sterblichen Überreste von zwei weiblichen und zwei männlichen Opfern im Alter zwischen 16 und 21 Jahren aus der Schweiz, teilte die Polizei des Kantons Wallis am Samstag mit. Die Leichen seien an die Familien übergeben worden. Die Arbeiten zur Identifizierung der übrigen Todesopfer und Verletzten dauern an. Die Behandlung der zum Großteil schwer verletzten Menschen wird zu einer europäischen Mammutaufgabe. Deutschland ist mit seinen zahlreichen auf Brandfälle spezialisierten Kliniken besonders gefragt. Vier Patienten wurden innerhalb kurzer Zeit nach der Katastrophe in der Silvesternacht aufgenommen und die Versorgung weiterer sieben in die Wege geleitet, wie das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) am Freitagabend mitteilte. Die deutschen Kliniken böten darüber hinaus weitere Transport- und Behandlungsmöglichkeiten an. Fast die Hälfte der 119 Schwerverletzten müssen mangels Kapazität in der Schweiz ins Ausland verlegt werden. Bis Sonntag sollen 50 Menschen verlegt werden, teilt das schweizerische Bundesamt für Bevölkerungsschutz mit. Angeflogen werden unter anderem auch Kliniken in Frankreich, Italien und Belgien. Fünf minderjährige Opfer im Kinderspital behandelt Im Kinderspital Zürich werden fünf minderjährige Brandopfer behandelt, wie Kathrin Neuhaus, Chefärztin des dortigen Brandverletzungszentrums, dem Sender SRF sagt. Teilweise sei mehr als 70 Prozent der Körperoberfläche verbrannt. „Das heißt, sie sind Infektionen ausgesetzt, sie verlieren Wärme und es kommt durch die schwere Brandverletzung zu einer Verbrennungskrankheit, die den ganzen Körper systematisch betrifft, also auch das Herz-Kreislauf-System“, sagt sie. Zudem hätten viele durch das Einatmen von Rauch schwere Schädigungen etwa der Lunge. Vielen der jungen Patienten stehe eine zweistellige Zahl von Eingriffen bevor. Sie müssen dann mehrmals die Woche in den Operationssaal. „Im Moment planen wir, mit jedem Patienten jeden zweiten Tag in den OP zu gehen“, sagte sie. Bei der Katastrophe war eine Bar im Skiort Crans-Montana am frühen Neujahrsmorgen in Brand geraten, und viele junge Menschen konnten sich nicht mehr oder nur schwer verletzt nach draußen retten. Insgesamt kamen 40 Menschen ums Leben, 119 erlitten überwiegend schwere Brandverletzungen. Die Behandlung kann sich je nach Schweregrad über Monate hinziehen. Unter den Verletzten waren vor allem Schweizer, Franzosen und Italiener – Deutsche nach ersten Angaben nicht. Über die Identität der 40 Toten machten die Behörden noch keine Angaben. Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen aufgenommen. Das französische Paar, das die Bar betreibt, wurde als Zeugen verhört. „Wir können weder schlafen noch essen, es geht uns allen sehr schlecht“, sagt der Wirt nach einem Bericht des Nachrichtenportals „20 Minuten“ (verlinkt auf https://www.20min.ch/story/crans-montana-wirt-bricht-sein-schweigen-werden-bei-untersuchung-mithelfen-103479242) in einem Gespräch. Sie kooperierten mit den Behörden. „Wir werden alles tun, um mitzuhelfen, die Ursachen zu klären“, zitiert das Nachrichtenportal den Wirt. „Wir tun alles in unserer Macht Stehende. Auch unsere Anwälte sind involviert.“ Seine Frau war nach Medienberichten in der Nacht in der Bar und wurde leicht verletzt. Die Staatsanwaltschaft prüft unter anderem Umbauarbeiten, verwendete Materialien, Betriebsgenehmigungen, Sicherheitsmaßnahmen, B randschutznormen und Flucht- und Evakuierungswege (verlinkt auf https://www.welt.de/vermischtes/article6957d39824b6e14cd223680b/crans-montana-als-die-decke-brannte-feierten-einige-gaeste-noch-weiter-bar-besitzer-aeussert-sich-in-interview.html) , wie Oberstaatsanwältin Beatrice Pilloud sagte. Geprüft werde auch, ob Anwesende, die noch leben, strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden können. Auf Fotos und Videos waren feiernde Menschen mit Feuerwerk in Champagnerflaschen zu sehen, das nach ersten Ermittlungen Schaumstoff an der Decke in Brand gesteckt haben dürfte. In Betracht kämen etwa fahrlässige Brandstiftung oder fahrlässige Tötung, sagte Pilloud. Bislang gebe es aber keine strafrechtlich relevanten Anhaltspunkte, betonte sie. Kritik an Fluchtwegsituation Von vielen Seiten kommt Kritik an der baulichen Situation auf. „Die Fluchtwegsituation vom Gebäude war sicher nicht ideal, weil Leute von Untergeschoss – glaube ich – nur eine Ausgangsmöglichkeit hatten“, sagt Dumeng Wehrli, Präsident der Interessengemeinschaft der Brandschutzingenieure Schweiz, dem Sender SRF. Allein anhand der Zahl der Opfer ist klar, dass sich in den beiden Räumen der Bar mehr als 150 Menschen aufgehalten haben. Ein einziger Notausgang reiche nach den Vorschriften nur in einem Raum mit bis zu 50 Personen, sagt Wehrli. Bei mehr als 50 seien zwei Notausgänge vorgeschrieben. Ab 200 Personen müsse es mehrere und breitere Fluchtwege und Ausgänge geben. Er äußert sich auch zu den funkensprühenden Partyfontänen, die auf Videos und Bildern zu sehen sind und welche die Ermittler für den Auslöser des Feuers halten. „Pyrotechnische Gegenstände haben aus meiner Sicht im Inneren von Gebäuden nichts zu suchen“, sagt er. Problematisch könne auch das verbaute Material sein. Auf Videos ist zu sehen, wie Schaumstoff an der Decke – vermutlich zur besseren Akustik angebracht – in Brand geriet. „Alles, was ich fest anbringe, muss als Baustoff zugelassen sein“, sagt Wehrli. Dafür gebe es klare Vorschriften, dass dies nicht leicht entflammbar sein darf. Der Experte betont, dass er selbst nicht vor Ort war und nicht konkret beurteilen könne, welches Material in der Bar verwendet worden war.