Nach der Ankunft vor der Kanareninsel Teneriffa haben am Sonntag die ersten Menschen das von einem Hantavirus-Ausbruch betroffene Kreuzfahrtschiff „Hondius“ verlassen. Wie das spanische Gesundheitsministerium mitteilte, waren zuerst 14 spanische Passagiere und Besatzungsmitglieder dran. Sie verließen als Erste das Schiff und starteten von der Kanareninsel aus in Richtung der spanischen Hauptstadt Madrid. Dort sollten sie unter Quarantäne gestellt werden, wie die spanischen Behörden mitteilten. Danach folgen diejenigen, die mit einer niederländischen Maschine ausgeflogen werden. Darunter sind auch mehrere Deutsche sowie Menschen aus Belgien und Griechenland, wie die Spanische Gesundheitsministerin Mónica García Gómez mitteilte. Die evakuierten deutschen Passagiere sollen in Quarantäne kommen. Sie werden nach ihrer Ankunft am Sonntagabend in den Niederlanden von Spezialisten in Empfang genommen, wie das Gesundheitsministerium in Potsdam mitteilte. Nach Angaben der spanischen Behörden, der Weltgesundheitsorganisation und der Kreuzfahrtgesellschaft Oceanwide Expeditions zeigt aktuell niemand der mehr als 140 Menschen an Bord der „Hondius“ Symptome einer Infektion. Das Kreuzfahrtschiff erreichte Teneriffa am frühen Sonntagmorgen, nachdem es die Kap Verden am 6. Mai verlassen hatte. Seit dem Ausbruch sind drei Menschen gestorben, und fünf Passagiere, die das Schiff bereits verlassen haben, sind mit dem Hantavirus infiziert – einem Erreger, der lebensbedrohliche Erkrankungen hervorrufen kann. Jeder Passagier und jedes Besatzungsmitglied, das von Bord geht, wird auf Symptome untersucht und erst dann an Land gebracht, wenn Evakuierungsflüge bereitstehen, um die Reisenden an ihre Zielorte zu bringen. Die Evakuierungsflüge sollten bis Montag abgeschlossen sein, teilten spanische Behörden und die WHO mit. Lauterbach: „Eine Pandemie droht nicht“ Der frühere Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) sieht derzeit keine Gefahr einer Pandemie durch das auf einem Kreuzfahrtschiff ausgebrochene Hantavirus. „Die Lage ist für die deutsche Bevölkerung nicht gefährlich“, sagte er der „ Rheinischen Post (verlinkt auf https://rp-online.de/panorama/ausland/hanta-virus-kreuzfahrtschiff-hondius-wird-evakuiert_aid-148104901) “. „Eine Pandemie droht nicht, weil die Übertragbarkeit des Virus dafür nicht ausreicht.“ Lauterbach ergänzte, einzelne Fälle werde es immer geben. „Aber eine schnelle Verbreitung ist derzeit nicht zu befürchten.“ Zuvor hatte sich bereits die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ähnlich geäußert – das Risiko für die Allgemeinbevölkerung sei „absolut gering“. An dem Virus starben bislang drei Menschen, darunter auch eine Deutsche. Das Hantavirus wird in der Regel von Nagetieren auf den Menschen übertragen. Nur bei dem in Südamerika vorkommenden Virustyp ist auch eine Übertragung von Mensch zu Mensch möglich. WHO-Chef versichert: „Kein neues Covid“ Spaniens Gesundheitsministerin Mónica García, Innenminister Fernando Grande-Marlaska und der Chef der Weltgesundheitsorganisation WHO waren eigens auf die Insel gekommen, um die komplizierte Aktion zu überwachen. WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus versicherte, dass es sich beim Hantavirus nicht um einen mit dem Coronavirus vergleichbaren Erreger handele. In einer Botschaft direkt an die Bevölkerung von Teneriffa betonte er: „Das ist nicht ein neues Covid.“ Das Risiko für die Menschen auf der Insel sei gering – zumal auf dem Kreuzfahrtschiff kein neuer Verdachtsfall aufgetreten sei. Auch Papst Leo XIV. meldete sich zu Wort. Er dankte den Bewohnern der Kanarischen Inseln für die Aufnahme der Kreuzfahrt-Passagiere des Schiffs Hondius. Nach dem Hantavirus-Ausbruch an Bord mit drei Toten hatte das Schiff am Sonntagmorgen in Teneriffa angelegt und die Evakuierung der Passagiere begonnen. „Ich möchte mich für die Gastfreundschaft bedanken, die die Menschen auf den Kanarischen Inseln auszeichnet, und dafür, dass sie das Kreuzfahrtschiff Hondius mit den Hantavirus-Patienten aufgenommen haben“, sagte das Kirchenoberhaupt nach seinem Mittagsgebet am Sonntag auf dem Petersplatz. Virusausbruch löst internationale Besorgnis aus Der Ausbruch der südamerikanischen Andes-Variante des Virus auf dem kleinen Kreuzfahrtschiff löste weltweit Besorgnis aus – auch und gerade wegen der Erinnerung an die Corona-Pandemie. Vor allem auf den Kanaren äußerten Menschen Angst wegen einer möglichen Infektion mit dem potenziell tödlichen Virus. Doch der jetzige Fall ist anders gelagert als der Beginn der Corona-Pandemie vor mehr als sechs Jahren. Selbst wenn es zu einer Übertragung des Andesvirus durch evakuierte Schiffspassagiere käme, wäre das Virus laut der EU-Gesundheitsbehörde ECDC nicht leicht weiter übertragbar, „sodass es unwahrscheinlich ist, dass es zu vielen Infektionsfällen oder einem großflächigen Ausbruch in der Bevölkerung käme“. Das Risiko für die Allgemeinbevölkerung in der EU durch eine Ausbreitung des Andesvirus sei „sehr gering“. Im Fall der „Hondius“ spricht die WHO von sechs bestätigten Hantavirus-Fällen und zwei Verdachtsfällen. Drei dieser acht Personen sind gestorben. Bei den Toten handelt es sich um ein älteres Ehepaar aus den Niederlanden und die Frau aus Deutschland. Da bei Zwischenstopps des Schiffes insgesamt mehr als 30 Passagiere und Besatzungsmitglieder ausgestiegen sind, wird nun weltweit nach potenziellen Verdachtsfällen gesucht.