Ein 76-jähriger Mann ist in Großbritannien in einer Burka vor Gericht erschienen. Er wehrt sich gegen den Vorwurf, er habe diese muslimische Gesichtsbedeckung bei einer Demonstration genutzt, um seine Identität zu verbergen. Das berichtet der „Telegraph“ (verlinkt auf https://www.telegraph.co.uk/news/2026/10/14/pensioner-arrested-burka-court-hampshire-southampton/) (gehört wie WELT zu Axel Springer). Timothy Miller aus Southampton war bei einer Demonstration gegen die britische Asylpolitik am 12. September in Portsmouth festgenommen worden. Vor dem Amtsgericht in Portsmouth wies er den Vorwurf der Identitätsverschleierung zurück und berief sich auf religiöse Gründe – zugleich warnte er, Großbritannien bewege sich auf eine „islamische Gesellschaft“ zu. Als Miller den Zeugenstand betrat, forderte Bezirksrichter Stephen Apted ihn zunächst auf: „Können Sie bitte Ihre Gesichtsbedeckung abnehmen, damit wir Sie identifizieren können?“ Miller hob daraufhin den Schleier der Burka an und bestätigte seinen Namen, sein Geburtsdatum und seine Adresse. Auf die Frage, wie er sich zu dem Vorwurf bekenne, die Burka genutzt zu haben, um seine Identität in einem ausgewiesenen Bereich zu verbergen, antwortete Miller: „Da ich auf jeder Polizeikamera zu sehen bin, bin ich nicht schuldig.“ Seine Verteidigung begründete der 76-Jährige mit einer aus seiner Sicht geltenden religiösen Ausnahme. „Die Sache ist ganz einfach: Wir sollten alle unter einem Gesetz leben, worüber sich meiner Meinung nach alle einig sind.“ Er habe eine „Ausnahmegenehmigung“ für die Ausübung der „islamischen“ Religion, „auf die ich Anspruch habe; daher handelte es sich um eine Ausnahmegenehmigung, auf die ich die Polizei hingewiesen habe“. Als der Richter wissen wollte, ob Miller den Islam als Religion ausübe, sagte dieser: „Ich beschäftige mich mit dem Islam, da er mir in der heutigen Zeit als die Religion erscheint, von der man am meisten profitieren kann.“ Er habe die Burka zudem getragen, um „ein tieferes Verständnis“ von „dieser Seite des Schleiers“ zu erlangen: „Das ist Teil meiner Neugier, von einer Religion zur anderen zu wechseln.“ Miller berichtete vor Gericht, er habe in Marokko gelebt und sei nach Bahrain und Dubai gereist. „Was ich hier beobachte, ist die allgemeine Entwicklung – rechtlich und in jeder Hinsicht –, dass wir uns auf eine islamische Gesellschaft zubewegen; daher ist es für mich vorteilhafter, ein umfassendes Verständnis und einen tiefen Glauben zu entwickeln – genau das tue ich.“ Zugleich erklärte er: „Ich glaube, wir begeben uns auf einen sehr gefährlichen Weg, wenn wir Menschen zu ihrer Religion befragen; ich denke, derzeit stehen Juden unter demselben Druck.“ Seine Festnahme bezeichnete Miller als rechtswidrig, „denn ich habe mich an alle Vorschriften gehalten, ich war auf jeder einzelnen Kamera zu sehen, einschließlich der Drohnen über mir, ich habe mich den Kameras gestellt“. Er fügte hinzu: „Ich wurde kein einziges Mal aufgefordert, meine Gesichtsbedeckung abzunehmen.“ Miller war bei der Anhörung nicht anwaltlich vertreten. Nach eigenen Angaben hat er jedoch über Crowdfunding Geld gesammelt, um Rechtsbeistände zu bezahlen. Der Richter erklärte, er müsse einen Bericht vorlegen, der dessen These bestätigt, dass „ein Mann, der erwägt, zum Islam zu konvertieren, in der Öffentlichkeit eine Burka tragen darf, um die Religion besser zu verstehen und eine fundierte Entscheidung über die Ausübung dieser Religion treffen zu können“. Der Fall wurde auf eine Verhandlung am 16. Februar vor demselben Gericht vertagt. Miller wurde bis dahin gegen eine Kaution auf freien Fuß gesetzt. Dieser Text erschien zuerst beim „Telegraph“ (verlinkt auf https://www.telegraph.co.uk/news/2026/10/14/pensioner-arrested-burka-court-hampshire-southampton) . Übersetzt und redaktionell bearbeitet von Jette Moche. Das Axel Springer Global Reporters Network ist eine markenübergreifende Initiative, die Scoops, investigative Recherchen, Interviews, Meinungsstücke und Analysen globaler Relevanz veröffentlicht. Journalisten aller Axel-Springer-Marken – darunter „Politico“, „The Telegraph“, „Business Insider“, WELT, „Bild“, „Onet“ und „Fakt“ – kooperieren bei großen Geschichten für ein internationales Publikum. Die Berichterstattung erstreckt sich über alle Plattformen von Axel Springer: Online, Print, TV und Audio. Zusammen erreichen diese Veröffentlichungen Hunderte Millionen Menschen weltweit.