Welt 17.12.2025
08:43 Uhr

„Er hat die Persönlichkeit eines Alkoholikers“ – Trump gibt Stabschefin nach brisanter Aussage recht


In einem Beitrag der „Vanity Fair“ gibt Donald Trumps Stabschefin Susie Wiles offenbar Interna über den US-Präsidenten, J.D. Vance und Elon Musk preis. Die Interviewte will es nun nicht so gemeint haben – auch der Präsident selbst schaltet sich ein.

„Er hat die Persönlichkeit eines Alkoholikers“ – Trump gibt Stabschefin nach brisanter Aussage recht

Monatelange Vorbereitungen, aufwendige Photoshootings mit prominenten Regierungmitgliedern wie J. D. Vance oder Marco Rubio und allein elf Interviews, die „Vanity Fair“ nur mit Susie Wiles, der Stabschefin des Weißen Hauses geführt haben will: Ein aktuelles Hintergrundstück des US-Magazins (hier Teil 1) (verlinkt auf https://www.vanityfair.com/news/story/trump-susie-wiles-interview-exclusive-part-1?srsltid=AfmBOoru6MlmaLeojZp6YqEVcXxcLrw-HeX4re-EBXPlc6KJfJNjHGah) sorgt in Washington für Wirbel. Denn nicht nur die Fotos in extremer Nahaufnahme sind teils wenig schmeichelhaft – US-Klatschmedien spekulieren aktuell beispielsweise, ob an den Lippen von Regierungssprecherin Karoline Leavitt ( in Teil 2 des Artikels zu sehen (verlinkt auf https://www.vanityfair.com/news/story/trump-susie-wiles-interview-exclusive-part-2) ) womöglich noch die Spuren einer kosmetischen Aufspritzung zu sehen sind –, auch der Inhalt sorgt für Wirbel. Insbesondere die Aussagen von Stabschefin Susie Wiles werden dabei als wenig schmeichelhaft bewertet: Die 68-Jährige hatte Justizministerin Pam Bondi als überfordert und Elon Musk als „bekennenden Ketamin-Konsumenten“ bezeichnet. Den meisten Wind macht aktuell jedoch eine Aussage über Präsident Donald Trump, in der Wiles mit den Worten zitiert wird, Trump habe die „Persönlichkeit eines Alkoholikers“. Wiles sieht „verleumderischen Angriff“ - und wird von Trump gelobt Wiles selbst warf dem Magazin „Vanity Fair“ unterdessen vor, ihre Aussagen aus dem Kontext gerissen zu haben. „Wesentliche Zusammenhänge“ seien in dem am Dienstag veröffentlichten Artikel ignoriert worden, während viele Einzelheiten ausgelassen worden seien, schrieb Wiles auf X. Sie gehe davon aus, dass „ein überwiegend chaotisches und negatives Bild“ von Präsident Trump und dessen Team gezeigt werden sollte. Der Text sei ein „unaufrichtig verfasster, verleumderischer Angriff auf mich und den besten Präsidenten, das beste Team des Weißen Hauses und das beste Kabinett der Geschichte“. Auch Trump selbst meldete sich mittlerweile in der „New York Post“ (verlinkt auf https://nypost.com/2025/12/16/us-news/trump-stands-by-chief-of-staff-susie-wiles-after-bombshell-vanity-fair-interviews-admits-he-has-alcoholics-personality/) zu Wort und gab seiner Stabschefin Rückendeckung. Er sei nicht verletzt durch die Einschätzung, so Trump einem Telefonat mit Reportern des Blattes, im Gegenteil: „Sehen Sie, ich trinke keinen Alkohol. Das weiß ja jeder – aber ich habe oft gesagt, dass ich, wenn ich es täte, mit großer Wahrscheinlichkeit Alkoholiker werden würde. Das habe ich schon oft über mich selbst gesagt. Ich bin sehr besitzergreifend“, sagte Trump, der nach eigenen Angaben seit Jahrzehnten komplett abstinent lebt, bedingt durch den alkoholbedingten Tod seines älteren Bruders Fred (42) im Jahr 1981. Direkt angesprochen auf die Artikelreihe in der „Vanity Fair“ erklärte Trump, dass er das Magazin nicht lese und auch den besagten Text nicht kenne. Wiles aber „hat fantastische Arbeit geleistet“. „Soweit ich gehört habe, waren die Fakten falsch, und der Interviewer war völlig fehlgeleitet“, führt der Präsident dann weiter aus. Auf die erneute Frage hin, ob er noch Vertrauen in Wiles habe, sagte der Präsident: „Oh, sie ist fantastisch.“ Warum Susie Wiles tatsächlich Erfahrung mit Suchtkranken hat Die „Vanity Fair“ hatte am Dienstagmorgen (Ortszeit) eben jenen ersten Artikel aus einer unfangreichen Porträtreihe über die aktuelle Regierungsmannschaft veröffentlicht, in dem Wiles teils harsch über ihren Chef urteilt. Darin zu finden ist auch die erwähnte Einschätzung, Trump habe die „Persönlichkeit eines Alkoholikers“. Allerdings zitiert das Magazin an dieser Stelle kein ganzes Zitat aus dem Gespräch mit Wiles, sondern nur das besagte Fragment. In vielen der Medienberichte fehlt dann auch die Beurteilung, die die 68-Jährige daraus über den Charakter US-Präsidenten ableitet: „Er handelt in der Überzeugung, dass es nichts gibt, was er nicht schaffen kann. Nichts, absolut nichts.“ Grundlage des Artikels sind der „Vanity Fair“ zufolge insgesamt mehrere Gespräche mit Wiles, das Magazin behauptet auch, über Tonbandaufnahmen zu verfügen – ein Detail, das Wiles selbst wiederum bestreitet. Dass Aufnahmen gemacht wurden, sei ihr nicht bekannt gewesen. Der Persönlichkeitsvergleich mit Alkoholkranken ist in mehrfacher Hinsicht interessant: Susie Wiles ist selbst Tochter eines Alkoholikers, und zwar des in den USA sehr bekannten (und mittlerweile verstorbenen) Sportmoderators Pat Summerall, der seinen jahrzehntelangen – und letzlich erfolgreichen Kampf – mit dem Alkohol auch öffentlich verarbeitete. Susie Wiles selbst führte ihre Stärke und ihre Fähigkeit, mit dominanten Persönlichkeiten wie der von Trump umzugehen, in mehreren anderen Interviews denn auch direkt auf ihre schwierige Kindheit mit ihrem alkoholkranken Vater zurück. Sie sei nun mal eine „Expertin für dominante Persönlichkeiten“, was sie befähige, auch mit den exzessiven Ausbrüchen sogenannter „hochfunktionaler“ Alkoholikern umzugehen und schwierige Beziehungen zu meistern. Entsprechende Aussagen von Wiles waren bereits in mehreren Porträts über die einflussreiche Politmanagerin zu lesen. Auch die Aussage über Donald Trump dürfte in diesem Kontext zu sehen sein, für US-Politinsider ist sie eigentlich wenig überraschend. Vance? „Verschwörungstheoretiker“ Musk? „Ketamin-Konsument“ Auch über andere wichtige Menschen aus Trumps Umfeld sprach Wiles angeblich mit der „Vanity Fair“. Vize-Präsident J.D. Vance etwa sei seit einem Jahrzehnt „ein Verschwörungstheoretiker“. Elon Musk sei ein „bekennender Ketamin-Konsument“, während Justizministerin Pam Bondi bei der Bearbeitung der Epstein-Akten „völlig versagt“ habe. Karoline Leavitt, Pressesprecherin des Weißen Hauses, nahm Wiles nach dem Bericht in der „Vanity Fair“ ebenfalls in Schutz. Die Stabschefin habe Trump dabei geholfen, „die erfolgreichsten ersten elf Monate im Amt eines Präsidenten in der amerikanischen Geschichte zu erzielen“, schrieb sie auf X. „Präsident Trump hat keine wichtigere oder loyalere Beraterin als Susie. Die gesamte Regierung ist ihr für ihre besonnene Führung dankbar und steht geschlossen hinter ihr.“ Als Stabschefin ist Wiles eine der einflussreichsten Persönlichkeiten in Trumps Zirkel. Die 68-Jährige gilt als enge Vertraute des US-Präsidenten und hat ihn über Jahre hinweg auf verschiedenen Positionen begleitet.