Welt 06.02.2026
10:40 Uhr

Epstein wollte Kölner Privatbank kaufen – Er hielt deutsche Behörden offenbar für nachlässiger


Der verurteilte Sexualstraftäter Epstein wollte einem Bericht zufolge eine deutsche Privatbank kaufen. Er wollte damit seine Finanzaktivitäten von den US-Behörden abschirmen. Doch das war offenbar nicht der einzige Grund.

Epstein wollte Kölner Privatbank kaufen – Er hielt deutsche Behörden offenbar für nachlässiger

Der verurteilte Sexualstraftäter Jeffrey Epstein soll im Jahr 2009 versucht haben, die traditionsreiche Kölner Privatbank Sal. Oppenheim zu übernehmen. Hintergrund seien die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Bank nach riskanten Geschäften gewesen. Epstein habe darin offenbar eine Möglichkeit gesehen, seine Finanzaktivitäten außerhalb des Zugriffs von US-Behörden zu verlagern. Das berichtet die „Süddeutschen Zeitung“ (SZ) (verlinkt auf https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/epstein-uebernahme-privatbank-oppenheim-li.3381433) aus gemeinsamen Recherchen mit WDR und NDR (verlinkt auf https://www.tagesschau.de/investigativ/ndr-wdr/epstein-sal-oppenheim-100.html) , bei denen Dokumente der vom US-Justizministerium veröffentlichten „Epstein Files“ ausgewertet wurden. Demnach sei es Epstein bei der Übernahme nicht nur um ein finanzielles Investment gegangen. In internen Nachrichten soll er davon gesprochen haben, andere Kunden gegenüber US-Behörden abzuschirmen – vergleichbar mit einer „Chinese Wall“. Er habe die deutschen Behörden offenbar für nachlässiger gehalten. Sein Interesse könnte jedoch auch damit zusammengehangen haben, dass Prostitution in Deutschland – anders als in den USA – grundsätzlich legal sei, heißt es in dem SZ-Bericht. Mehrere Frauen hatten bereits der Deutschen Bank vorgeworfen, von Epstein als Kunden finanziell profitiert zu haben, berichtet auch die „Bild“-Zeitung (verlinkt auf https://www.bild.de/politik/ausland-und-internationales/der-epstein-sumpf-der-deutschen-bank-straftaeter-hatte-mehr-als-40-aktive-konten-698436152dfdd2aa245261e2) . Durch die Geschäftsbeziehungen, über die auch größere Mengen Bargeld abgewickelt worden seien, habe Epstein den Eindruck von Legitimität erhalten, was den Missbrauch junger Frauen begünstigt habe. Epstein soll allein bei der Deutschen Bank 40 Konten unterhalten haben. Nach Darstellung des SZ-Berichts versuchte Epstein über Kontakte bei J.P. Morgan, darunter den damaligen Asset-Management-Chef Jes Staley, Gespräche mit den Eigentümerfamilien von Sal. Oppenheim anzubahnen. In E-Mails äußerte er sich jedoch abfällig über die Bankfamilien als „diese Idioten“ und beklagte, diese hätten sich durch eine Vertraulichkeitsvereinbarung mit der Deutschen Bank gebunden. Zudem habe Epstein geplant, sich rund 500 Millionen Dollar zur Finanzierung des Vorhabens zu leihen. In internen Nachrichten habe er wiederholt bereits von „my bank“ gesprochen, obwohl der Deal noch gar nicht abgeschlossen war. J.P. Morgan wollte sich laut „Süddeutsche Zeitung“ zu den geschilderten Details offiziell nicht äußern. Aus Konzernkreisen heiße es dem Bericht zufolge jedoch, dass die damaligen Führungskräfte nicht im Auftrag der Bankleitung gehandelt hätten. Epstein habe zudem versucht, seine Rolle als möglicher Käufer zu verschleiern und dabei auf die Reputation von J.P. Morgan zu setzen, weil seine eigene nach der Verurteilung als Sexualstraftäter in den USA gelitten hatte. Außerdem sei geplant gewesen, prominente Berater einzubinden, darunter den früheren britischen Premierminister Tony Blair. Interne Kommunikation aus dem Umfeld von Sal. Oppenheim zeige jedoch erhebliche Skepsis gegenüber dem Vorstoß; die Chancen für Gespräche seien mit „unter 20 Prozent“ eingeschätzt worden. Das Vorhaben scheiterte schließlich. Im Oktober 2009 übernahm die Deutsche Bank Sal. Oppenheim für 1,3 Milliarden Euro nach mehr als 220 Jahren Unabhängigkeit. Das betreute Vermögen der Oppenheim-Gruppe gibt die Deutsche Bank zum Jahresende 2009 mit 137 Mrd. Euro an (verlinkt auf https://www.welt.de/welt_print/wirtschaft/article102573055/sal-oppenheim-verliert-nach-221-jahren-seine-unabhaengigkeit.html) . Die Deutsche Bank und J.P. Morgan gaben laut SZ-Bericht auf Anfrage keinen Kommentar ab. Christopher von Oppenheim, damals persönlich haftender Gesellschafter von Sal. Oppenheim, ließ über einen Sprecher mitteilen, ihm seien frühere Kaufabsichten Epsteins nicht bekannt. Anfragen an einen früheren Anwalt des damaligen Gesellschafters Matthias von Krockow sowie an die Anwälte von Jes Staley blieben unbeantwortet. Tony Blair erklärte, er habe weder von der Bank gehört noch Gespräche darüber geführt.