Welt 14.01.2026
06:31 Uhr

„Entscheiden uns für Dänemark“, verkündet Grönlands Regierungschef vor dem Treffen mit J.D. Vance


Vor einem hochkarätig besetzten Gipfel zu Grönlands Zukunft macht der Regierungschef der Insel klar: Wenn sie sich zwischen den USA und Dänemark entscheiden müssten, sei die Antwort eindeutig. Der US-Senat will in dieser Lage bald über ein gegen Trump gerichtes Anti-Annexions-Gesetz debattieren.

„Entscheiden uns für Dänemark“, verkündet Grönlands Regierungschef vor dem Treffen mit J.D. Vance

Grönlands Regierungschef hat einen Beitritt zu den USA kategorisch ausgeschlossen und erklärt, dass das arktische Gebiet eine Union mit Dänemark bevorzuge, was darauf hindeutet, dass die Insel ihre Unabhängigkeitspläne vorerst zurückstellt. „Wir stehen derzeit vor einer geopolitischen Krise, und wenn wir uns hier und jetzt zwischen den Vereinigten Staaten und Dänemark entscheiden müssen, dann entscheiden wir uns für Dänemark“, sagte Ministerpräsident Jens-Frederik Nielsen am Dienstag auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem dänischen Ministerpräsidenten in Kopenhagen. „Wir entscheiden uns für das Grönland (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/deutschland/article6965aeb3d57b0276d945b39c/groenland-reservistenverband-will-deutsche-soldaten-auf-der-artiks-insel-stationieren.html) , das wir heute kennen und das Teil des Königreichs Dänemark ist“, sagte er. Nielsens Äußerungen fallen vor einem hochbrisanten Treffen der Außenminister Dänemarks und Grönlands mit US-Außenminister Marco Rubio und US-Vizepräsident J.D. Vance am Mittwoch in Washington. Das erklärte Ziel der Gespräche ist es, die erneuten Drohungen der Regierung gegenüber Grönland zu entschärfen und die angespannten Beziehungen um die strategisch wichtige Insel wieder zu verbessern. Das Treffen soll um 16.30 Uhr deutscher Zeit beginnen. Die Lage sei „sehr ernst“, sagte Nielsen und bezeichnete die aktuellen Drohungen der Trump-Regierung, die Insel zu annektieren, als völlig unangemessen. Während die Unabhängigkeit von Dänemark in dem Land mit 57.000 Einwohnern seit langem diskutiert wird, zeigen Meinungsumfragen, dass die Grönländer die Idee eines Beitritts zu den USA mit überwältigender Mehrheit ablehnen. Diese Besorgnis spiegelte sich auch in den Wahlen im März letzten Jahres wider, als drei von vier grönländischen Wählern Parteien unterstützten, die nur einen langsamen Weg in Richtung Unabhängigkeit befürworteten. Auf die Frage bei der Pressekonferenz, ob von grönländischer Seite nicht mehr von Unabhängigkeit gesprochen werden sollte, antwortete Nielsen: „Jetzt ist es an der Zeit, zusammenzuhalten. Grönland ist Teil des Königreichs Dänemark und steht geschlossen hinter dem Schutz der Grundprinzipien.“ Vertreter beider US-Parteien stellen sich gegen Annexionspläne Derweil regt sich auch im US-Widerstand gegen etwaige Annexionspläne Donald Trumps. Ein Gesetzentwurf im US-Senat will dem US-Präsidenten und seiner Regierung verbieten, das Gebiet eines Nato-Staats ohne die Zustimmung des betroffenen Bündnispartners zu annektieren, zu besetzen oder anderweitig zu kontrollieren. Das Gesetz wurde angesichts des US-Anspruchs auf die zu Dänemark gehörende Arktisinsel Grönland von der republikanischen Senatorin Lisa Murkowski (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/ausland/article242306155/USA-Trump-Kritikerin-Lisa-Murkowski-als-Senatorin-bestaetigt.html) und der Demokratin Jeanne Shaheen eingebracht. Zum Stand des frühen Mittwochmorgens ist unklar, ob der Entwurf eine realistische Chance hat, von einer Mehrheit des Senats und anschließend auch im Repräsentantenhaus verabschiedet zu werden. Mit Blick auf Trumps Ansinnen, sich Grönland einzuverleiben, erklärten die Senatorinnen: „Solch ein Vorgehen würde dem Nordatlantikvertrag widersprechen, den Zusammenhalt der Nato schwächen und die bestehenden Bemühungen des Bündnisses untergraben, der Bedrohung durch Gegner wie Russland und China entgegenzutreten.“ Weiter erklärten die Senatorinnen: „Die Nato bleibt das erfolgreichste Verteidigungsbündnis in der Geschichte – und dessen Glaubwürdigkeit beruht auf dem gemeinsamen Verständnis, dass die Souveränität der Mitgliedsstaaten gegenseitig respektiert und verteidigt wird.“ Die Republikanerin Murkowski, die für den US-Bundesstaat Alaska (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/ausland/plus68a6efbb93468d1ba10d0386/ukraine-krieg-upgrade-fuer-die-front-diese-waffe-soll-die-wende-bringen.html) im Senat sitzt, ist dafür bekannt, dass sie zu den wenigen Parteifreunden Trumps gehört, die nicht vor eine Konfrontation mit dem Präsidenten zurückschrecken. Das Gesetz würde es der Regierung verbieten, Mittel des Verteidigungsministeriums oder des Außenministeriums für ein Vorgehen gegen das Staatsgebiet von Nato-Partnern zu nutzen. Der US-Präsident hat in der Außenpolitik sehr großen Handlungsspielraum, die Hoheit über Haushaltsmittel liegt allerdings bei den beiden Kammern des US-Kongresses. Auch im Repräsentantenhaus gibt es aufgrund von Trumps Bemühungen, Grönland den USA einzuverleiben, bereits einen aktuellen überparteilichen Gesetzentwurf gleicher Stoßrichtung. Auch dessen Erfolgschancen waren zunächst unklar. Der Vorstoß wurde von mehr als 20 Abgeordneten unterstützt. Trump begründet den US-Anspruch auf die strategisch bedeutende Insel, die zwischen den USA, Russland und Europa liegt und weit in den Polarkreis hineinragt, meist mit Gründen der nationalen Sicherheit. Er spricht bisweilen aber auch vom Rohstoffreichtum der Arktisinsel.