Ihr Mut, in einem öffentlichen Prozess gegen ihren Mann und weitere Täter auszusagen, machte Gisèle Pelicot weltweit bekannt und zu einer Ikone der Frauenbewegung. Auf Einladung des Buchhändlers Thalia kommt die Französin am 24. Februar (19.30 Uhr) zu einem Gespräch nach Hamburg. In der Laeiszhalle stellt die 73-Jährige erstmals in Deutschland ihre Memoiren „Eine Hymne an das Leben“ vor, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Zudem lese die Schauspielerin Maria Furtwängler (bekannt aus dem „Tatort“) Textpassagen aus dem Buch. Im Jahr 2024 inspirierte und bewegte Gisèle Pelicot im „Prozess von Avignon“ (verlinkt auf https://www.welt.de/kultur/article256277678/der-prozess-pelicot-sieben-unerlaessliche-stunden-an-der-grenze-des-ertraeglichen.html) Millionen von Menschen, als sie sich entschloss, auf das Recht auf Anonymität zu verzichten. Den Rechtsstreit gegen ihren Ex-Ehemann und 50 weitere Männer, die der sexuellen Übergriffe gegen sie beschuldigt wurden, wollte sie nicht unter Ausschluss der Öffentlichkeit führen. Sie setzte damit ein Zeichen gegen sexualisierte Gewalt. Pelicots (verlinkt auf https://www.welt.de/debatte/kommentare/article254687348/Frankreich-Der-grosse-Sieg-von-Gisele-Pelicot.html) Appell „Die Scham muss die Seite wechseln“ habe eine außergewöhnliche Resonanz ausgelöst und Menschen auf der ganzen Welt bewegt, hieß es weiter. Fast ein Jahrzehnt lang hatte Dominique Pelicot seine Ehefrau Gisèle immer und immer wieder unter Drogen gesetzt, vergewaltigt und sie in diesem Zustand anderen Männern zum Missbrauch angeboten. Bis zur Aufdeckung seiner Taten führte das „Monster von Mazan“, wie ihn die französische Presse nennt, ein unauffälliges Leben, war beinahe 50 Jahre mit seiner Frau Gisèle verheiratet, Vater und Großvater. Als die Ermittler Gisèle Pelicot über die Verbrechen informierten, brach für sie eine Welt zusammen. Im Dezember 2024 schließlich wurden Dominique Pelicot und die 50 Mitangeklagten zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt, im Oktober 2025 endete der letzte und einzige Berufungsprozess (verlinkt auf https://www.welt.de/vermischtes/article68e6a382daea3e0002fb3a53/pelicot-prozess-sieht-es-so-aus-wenn-eine-frau-lust-empfindet-fragt-der-richter-den-angeklagten.html) . Zeitgleich mit der französischen Originalausgabe erscheinen Gisèle Pelicots Memoiren „Eine Hymne an das Leben“ am 17. Februar auf Deutsch. Bei der Deutschlandpremiere des Werkes in Hamburg werde die Französin mit zwei „F.A.Z.“-Journalistinnen darüber sprechen, wie sie anderen Menschen Mut machen und neue Kraft schenken wolle. Die Veranstaltung findet im Rahmen der gemeinsamen Reihe „Zukunft gestalten“ von Thalia und der „F.A.Z.“ überwiegend in deutscher Sprache statt, Gisèle Pelicot werde simultan übersetzt. Tickets sind ab 35 Euro über die Laeiszhalle erhältlich. Das Format „Zukunft gestalten“ soll laut Thalia Raum für Diskurse und Debatten zu den großen Themen bieten, die Deutschland bewegten.