Die Werft Blohm+Voss hat am Dienstag das neue Baggerschiff „Osteriff“ an die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes übergeben. Das Besondere an dem rund 133 Meter langen Laderaumsaugbagger ist weniger dessen technische Leistungsfähigkeit als vielmehr die Bauzeit von acht Jahren. Die „Osteriff“ ist das letzte Schiff, das bei der einst ältesten deutschen Werft Pella Sietas auf Kiel gelegt worden war. Im Jahr 2021 meldete Pella Sietas Insolvenz an, nach 386 Jahren Unternehmensgeschichte. In ihren letzten Jahren gehörte die Werft zur russischen Pella-Gruppe mit Sitz in St. Petersburg. Dem Insolvenzverwalter von Pella Sietas gelang es, die „Osteriff“ in Abstimmung mit dem Bund seit dem Jahr 2022 bei Blohm+Voss fertigstellen zu lassen. Die Gesamtkosten für das Schiff liegen nach Angaben des Bundes der Steuerzahler bei 142 Millionen Euro. Der im Jahr 2016 ursprünglich beauftragte Baupreis betrug 95 Millionen Euro. Der Saugbagger war damals eines der teuersten Schiffe in der Geschichte von Pella Sietas, mit der aktuellen Endsumme wäre er das weitaus teuerste überhaupt. Schon vor dessen Insolvenz hatte sich die Ablieferung der „Osteriff“ um mehr als zwei Jahre verzögert, weil das Schiff wegen der Verschlickung des Hafenbeckens von Pella Sietas an der Este nicht von seinem Bauponton abgesenkt werden konnte. „Wir freuen uns sehr, unserem Kunden heute termingerecht ein Schiff zu übergeben, das die höchsten technischen Standards für effiziente und ressourcenschonende Saugbaggerarbeiten erfüllt“, sagte Nils Moser, Geschäftsführer von Blohm+Voss. „Alle Herausforderungen, die mit der Übernahme eines so technisch anspruchsvollen Projektes einhergehen, haben wir als Team erfolgreich gemeistert. Ich bin dankbar und stolz für die herausragenden Leistungen aller Mitarbeitenden. Unser Dank gilt vor allem der guten und konstruktiven Zusammenarbeit mit dem Eignervertreter und der Fachstelle Maschinenwesen Nord beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Nord-Ostsee-Kanal.“ Blohm+Voss gehört noch bis Anfang 2026 zum Unternehmen Naval Vessels Lürssen, das dann – mitsamt der Hamburger Werft – vom Rüstungskonzern Rheinmetall übernommen werden soll. In den vergangenen Jahren war die „Osteriff“ während des Innenausbaus umgeben von Fregatten und Korvetten. Zivile Schiffe baut Blohm+Voss seit vielen Jahren nicht mehr. Der neue Bagger hat ein Ladevolumen von 7500 Kubikmetern. Das Schiff wird künftig zur Schlickbeseitigung speziell auf Elbe, Jade und Weser eingesetzt. Die Wasserstraßenverwaltung braucht die Verstärkung dringend. Mit den Küstenländern ringt der Bund permanent um ein besseres Sedimentmanagement, vor allem auch bei der Entlastung der Unterelbe vom Schlick. Zum Teil wird das Baggergut aus dem Hamburger Hafen und aus der Unterelbe an der Elbinsel Neßsand und auch bei Brokdorf abgelagert, von wo aus der Schlick mit der Flut aber schnell in den Fluss und in den Hafen zurückgetrieben wird. Der größte Teil des Sediments wird aus der Elbe unter hohem Zeit- und Kostenaufwand vor Helgoland abgelagert, teilweise auch am Lüchtergrund bei der zu Hamburg gehörenden Nordseeinsel Neuwerk. Der Bund und die Küstenländer arbeiten seit Jahren an einem Konzept zur Verbringung von Sediment an eine Ablagerungsstelle weiter entfernt vor der Nordseeküste in der ausschließlichen deutschen Wirtschaftszone (AWZ). Wann dieses Konzept realisiert werden kann, ist aber unklar. Olaf Preuß ist Wirtschaftsreporter von WELT und WELT AM SONNTAG für Hamburg und Norddeutschland. Er berichtet seit mehr als drei Jahrzehnten über die maritime Wirtschaft, über Schifffahrt, Werften und Häfen.