Hamburg trauert um Martin Willich. Der ehemalige Bürgerschaftspräsident, Medienmanager und Verfassungsrichter ist am Montag im Alter von 80 Jahren gestorben. Die Bürgerschaft gedachte ihm am Mittwoch mit einer Schweigeminute, ab Freitag liegt im Rathaus ein Kondolenzbuch aus. Willich galt als politischer Senkrechtstarter. 1965 trat er in die CDU ein, wurde zunächst Mitglied der Bezirksversammlung Wandsbek und zog 1974 in die Bürgerschaft ein. Bereits mit 29 Jahren war er Abgeordneter, absolvierte nebenbei das zweite Staatsexamen, promovierte und gründete eine Familie. 1982 wählte ihn das Parlament – damals als bundesweit jüngster Parlamentspräsident – an die Spitze. In seiner Antrittsrede warb er für Respekt und Sachlichkeit: „Wenn wir unserer gemeinsamen Verantwortung gerecht werden wollen, müssen wir alle – auch und gerade – voneinander lernen.“ Vier Jahre später übernahm er das Amt erneut. „Der geborene Erfurter hat hier im Norden in der ihm so eigenen kreativen und humorvollen Art stets für seine wichtigsten Werte eingestanden: Freiheit und Unabhängigkeit“, würdigte Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit. „Martin Willich war ein liberaler Konservativer, mit eigenem Kopf, unabhängig, nicht zwingend immer der Mehrheitsmeinung seiner Partei, er war bodenständig, humorvoll, nahbar – eben ein Demokrat durch und durch.“ Bis 1995 blieb Willich Mitglied der Bürgerschaft, später wurde er mit über 95 Prozent der Stimmen zum Richter am Hamburgischen Verfassungsgericht gewählt. „Mir ist Martin Willich als wichtiger Fels in der Brandung der Demokratie auch in dieser Funktion in bester Erinnerung“, so Veit. Auch die CDU Hamburg würdigte Willichs Lebenswerk. „Mit ihm verlieren wir einen klugen, verlässlichen und zutiefst engagierten Christdemokraten, der über Jahrzehnte hinweg die politische Kultur Hamburgs geprägt hat“, sagte Fraktions- und Landesparteichef Dennis Thering. Willich habe juristische Präzision mit menschlicher Wärme und politischem Gespür verbunden – „viele von uns haben ihm fachlich wie persönlich viel zu verdanken.“ Neben der Politik prägte Willich die Medienlandschaft der Hansestadt. Mehr als 30 Jahre stand er an der Spitze von Studio Hamburg. Unter seiner Leitung entstanden Erfolgsformate wie „Tatort“, „Großstadtrevier“ und „Anne Will“. Auch in schwierigen Zeiten, so hieß es am Mittwoch, bewies er strategischen Weitblick und führte das Unternehmen zurück in die Erfolgsspur. Willich engagierte sich zudem als Vizepräsident der Handelskammer, Mitglied der Freien Akademie der Künste, Kirchenvorsteher und Förderer kultureller Institutionen. Vom politischen Gegner anerkannt, war er jahrelanges Mitglied der „Freitagsgesellschaft“ um Altkanzler Helmut Schmidt. Martin Willich hinterlässt seine Ehefrau und zwei Töchter. Hamburg verliere mit ihm einen Mann, der Politik, Medien und Kultur über Jahrzehnte geprägt hat. „Wir, die Abgeordneten der Hamburgischen Bürgerschaft, werden sein Andenken in Ehren halten“, sagte Carola Veit.