Welt 17.12.2025
15:13 Uhr

Echte Einblicke statt Hochglanz – Neue Kampagne der Hamburger Polizei


Trotz hoher Bewerberzahlen bleibt der Wettbewerb um geeignete Kräfte groß – die neue Kampagne soll realistische Einblicke in Ausbildung und Beruf geben.

Echte Einblicke statt Hochglanz – Neue Kampagne der Hamburger Polizei

Die Polizei Hamburg hat ihre Personalwerbung neu aufgestellt. Unter dem Titel „Mein Hamburg. Meine Polizei. Mein Beruf.“ präsentierte Polizeipräsident Falk Schnabel am Mittwoch an der Akademie der Polizei in Hamburg-Winterhude eine neue Nachwuchskampagne. Sie richtet sich vor allem an junge Menschen und soll realistische Einblicke in den Polizeiberuf geben – in einem Bewerbermarkt, der trotz vergleichsweise stabiler Zahlen zunehmend umkämpft ist. Für Schnabel hat der Termin eine besondere Bedeutung. „Der ist ziemlich wichtig für mich“, sagte der Polizeipräsident bei der Vorstellung. „Ich freue mich auch total, dass es eine Kampagne geworden ist, die echt gelungen ist.“ Entwicklung aus den eigenen Reihen Ein zentrales Merkmal der neuen Kampagne ist ihre Entstehung: Sie wurde vollständig inhouse entwickelt. Weder externe Werbeagenturen noch Schauspieler oder Fotomodelle kamen zum Einsatz. Stattdessen standen Mitarbeitende der Polizei Hamburg selbst vor der Kamera. „Das Besondere daran ist, es war nicht eine teure Werbeagentur. Es waren auch nicht die alten Führungskräfte aus der Polizeiführung, die sich Gedanken gemacht haben, wie wir junge Leute erreichen“, sagte Schnabel. Entwickelt worden sei die Kampagne vielmehr von der Akademie der Polizei. „Das waren die jungen Leute, die noch selbst ganz genau wissen, was sie bewogen hat, zur Polizei zu gehen.“ Gerade diese Perspektive halte er für entscheidend. Die jungen Kolleginnen und Kollegen könnten am glaubwürdigsten vermitteln, „was den Polizeiberuf bei uns in Hamburg so attraktiv macht“. Neuer Auftritt nach drei Jahren Die Kampagne folgt auf die seit mehreren Jahren genutzte Linie „Blau ist bunt“, die weiterhin sichtbar bleibt. Schnabel betonte, dass diese Kampagne erfolgreich gewesen sei. „Ich finde die toll. Die ist überall im Bewusstsein der Menschen drin. Man sieht sie an jedem Streifenwagen“, sagte er. Gleichzeitig sei nun der richtige Zeitpunkt für eine Ergänzung gekommen. „Ich glaube, nach drei Jahren war es auch mal Zeit, etwas Neues zu machen. Wir als Polizei sind hochmodern. Wir entwickeln uns jeden Tag weiter.“ Mit der neuen Kampagne wolle man dieses Selbstverständnis zeitgemäß nach außen tragen. Echte Kolleginnen und Kollegen im Mittelpunkt Inhaltlich setzt „Mein Hamburg. Meine Polizei. Mein Beruf.“ auf fünf Motive, die unterschiedliche Bereiche der Polizeiarbeit abbilden – vom Streifendienst über die Wasserschutzpolizei bis zur Kriminalpolizei. Alle Motive verweisen per QR-Code auf multimediale Inhalte wie Reportagen, Podcasts oder Videos auf der Karriere-Homepage der Polizei. „Die Protagonisten sind echte Kolleginnen und Kollegen, die aus ihrem Dienstalltag berichten“, sagte Schnabel. Dabei werde bewusst auf Beschönigungen verzichtet. „Sehr authentisch, nichts beschönigend, aber auch sehr deutlich zeigen: Das kann man bei uns alles machen.“ Gezeigt würden nicht nur berufliche Funktionen, sondern auch persönliche Seiten. „Die Kollegen werden auch als Mensch dargestellt, mit ihren privaten Hobbys zum Beispiel“, so Schnabel. Dadurch werde sichtbar, „welche Menschen bei uns arbeiten“. Bewerberzahlen hoch – Herausforderungen bleiben Nach aktuellen Zahlen verfügt die Polizei Hamburg weiterhin über eine vergleichsweise gute Bewerberlage. Teilweise kommen zehn Bewerbungen auf eine ausgeschriebene Stelle. Im Oktober 2025 gingen allein für den gehobenen Dienst mehr als 1.100 Bewerbungen ein. „Wir haben teilweise zehnmal mehr Bewerbungen“, sagte Schnabel. „Das ist im Vergleich zu anderen Polizeien ein sehr guter Wert.“ Gleichzeitig zeigen die Daten, dass nicht alle eingestellten Nachwuchskräfte ihre Ausbildung oder ihr Studium beenden. Kündigungen, Entlassungen und Neigungswechsel kommen insbesondere in den ersten Ausbildungsphasen vor. Die Durchfallquoten bei Prüfungen sind hingegen niedrig und zuletzt weiter gesunken. Ein weiterer Schwerpunkt der Kampagne liegt auf der Darstellung der Polizei als moderner Ausbildungs- und Studienbetrieb. „Das ist noch nicht so richtig überall im Bewusstsein, dass der Polizeiberuf nicht nur eine Ausbildung, sondern vor allen Dingen auch ein akademischer Beruf ist“, sagte Schnabel. Gerade Abiturientinnen und Abiturienten wolle man stärker ansprechen. „Wer überlegt, ob er an eine Universität geht oder eine akademische Ausbildung mit intensivem Praxisbezug machen möchte, der ist bei der Polizei genau richtig.“ Fokus auf soziale Medien Verbreitet wird die Kampagne vor allem über digitale Kanäle. „Wir werden alle Kanäle, insbesondere die sozialen Medien, intensiv bespielen“, kündigte Schnabel an. Dort erreiche man junge Menschen am besten. Die Kampagne sei zudem offen angelegt und solle kontinuierlich erweitert werden – mit neuen Inhalten und weiteren Protagonisten. Ziel sei es, ein realistisches Bild der Polizei Hamburg zu vermitteln. „Ich glaube, wir können sehr genau zeigen, was die Polizei Hamburg ausmacht, was wir für ein Team sind und welche Möglichkeiten jeder hat, sich bei uns zu entwickeln“, sagte Schnabel.