Soul-Sänger Xavier Naidoo hat kurz nach seinem Comeback auf einer Demonstration in Berlin vor dem Bundeskanzleramt mit bizarren Aussagen irritiert. „Wir reden von Menschenfressern“, sagte der 54-Jährige am Rande der Veranstaltung „Sexuelle Gewalt an Kindern stoppen“ und nahm dabei offenbar Bezug zu den Epstein-Akten. „Wir reden nicht von normalem Sex-Trafficking und jungen Frauen und so. Nee, die fressen unsere Babys.“ Der Musiker beantwortete bei der kleinen Demonstration am Dienstag Fragen von Teilnehmern und Reportern. Dabei sagte er auch Sätze, wie: „Ich kann nicht mit Kinderfressern zusammenleben“ oder „Ich bin mir sicher, wir haben alle schon Menschenfleisch gegessen, ja. Ja. Unwissentlich haben wir bestimmt alle schon einen Mensch gefressen.“ Das entsprechende Video (verlinkt auf https://x.com/Der_Aufrichtige/status/2023799830473224702?ref_src=twsrc%5Etfw%7Ctwcamp%5Etweetembed%7Ctwterm%5E2023799830473224702%7Ctwgr%5E04dbe621819ec6906cfbe62e70dbde6438ffef31%7Ctwcon%5Es1_&ref_url=https%3A%2F%2Fwww.t-online.de%2Funterhaltung%2Fstars%2Fid_101134028%2Fxavier-naidoo-demo-organisatoren-aeussern-sich-nach-kinderfresser-aussagen.html) ist in den sozialen Medien zu sehen. Begleitet wurde die Veranstaltung vor dem Kanzleramt von Medien und Streamern aus dem rechtsextremen und verschwörungsideologischen Spektrum. Die Veranstalter der Demonstration distanzieren sich in einer Stellungnahme auf Instagram von Naidoos Auftritt. Der Sänger und andere Akteure hätten „den Platz für ihre eigenen Zwecke“ instrumentalisiert. Der baden-württembergische Antisemitismusbeauftragte (verlinkt auf https://www.welt.de/regionales/baden-wuerttemberg/article254439738/Blume-Bedrohungen-gegen-Juedinnen-und-Juden-im-neuen-Gewand.html) Michael Blume bewertet Naidoos Wortwahl als radikalisierend. „In der Vergangenheit hat Xavier Naidoo mit sehr deutlichen Anspielungen wie ‚Tothschild‘ die Spur zum Antisemitismus gelegt und dies leider nicht glaubwürdig aufgearbeitet“, sagte Blume. „Ein großer Teil seiner Anhängerschaft wird daher auch die Begriffe ‚Kinderfresser‘ und ‚Menschenfresser‘ als antijüdische Verschwörungsmythen aufnehmen.“ Dies sei sehr gefährlich. Naidoo fällt seit Langem mit Äußerungen im Zusammenhang mit Verschwörungserzählungen auf, die auch antisemitische Chiffren enthielten. Für Aufsehen sorgte etwa schon vor Jahren ein Video, in dem er Thesen der US-amerikanischen QAnon-Verschwörungsideologie verbreitete, wonach angeblich Kindern in satanischen Ritualen Blut abgezapft werde. Zudem vertrat er in der Vergangenheit die Ansicht, dass die Erde nicht rund sei. Im April 2022 überraschte der Musiker aus Mannheim mit einem Video, in dem er sich entschuldigte und von extremen Positionen distanzierte. Er sei von Verschwörungserzählungen „geblendet“ gewesen, erklärte er damals. Naidoo zog sich von den großen Bühnen zurück. Erst im Dezember feierte er sein Comeback. Das Auftaktkonzert (verlinkt auf https://www.welt.de/newsticker/dpa_nt/infoline_nt/boulevard_nt/article6941bfce11416590a630d64f/umstritten-aber-zurueck-xavier-naidoo-startet-seine-tour.html) seiner Tour in Köln war nach Angaben der Veranstalter mit 16.000 Tickets ausverkauft. Ende Januar veröffentlichte er eine Single, die erste seit 2019. Zwei Verfahren laufen gegen Naidoo noch Am Landgericht Mannheim sind weiterhin zwei Verfahren wegen Volksverhetzung (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/deutschland/article252004278/Xavier-Naidoo-wegen-Volksverhetzung-angeklagt.html) gegen Naidoo anhängig. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft geht es dabei um Inhalte mit den Holocaust leugnendem und antisemitischem Charakter, die über einen Telegram-Kanal verbreitet wurden. Ob ein Hauptverfahren eröffnet wird, ist noch offen, wie das Gericht bestätigte. Naidoos Anwälte bestreiten die Vorwürfe und beteuern die Unschuld des Musikers. Der bis in höchste Kreise von Politik und Wirtschaft vernetzte US-Investor Epstein soll mehr als tausend Minderjährige und junge Frauen missbraucht und teils an Prominente weitergereicht haben. Er war erstmals 2008 wegen Anstiftung einer Minderjährigen zur Prostitution verurteilt worden. 2019 wurde er wegen des Verdachts auf sexuellen Missbrauch von Minderjährigen erneut festgenommen. Im August 2019 wurde er erhängt in seiner New Yorker Gefängniszelle gefunden.