Welt 03.01.2026
09:04 Uhr

Deutschland hilft Opfern von Crans-Montana – Französisches Besitzerpaar wird vernommen


Nach dem verheerenden Brand in einer Bar im Schweizer Skiort Crans-Montana beginnt nun eine europäische Hilfsaktion. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen möglicher Verstöße gegen Brandschutzauflagen, eine Anklage wegen fahrlässiger Tötung ist nicht ausgeschlossen.

Deutschland hilft Opfern von Crans-Montana – Französisches Besitzerpaar wird vernommen

Die Behandlung der zum Großteil schwer verletzten Menschen aus dem Flammendrama in Crans Montana in der Schweiz wird zu einer europäischen Mammutaufgabe. Deutschland ist mit seinen zahlreichen auf Brandfälle spezialisierten Kliniken besonders gefragt. Vier Patienten wurden innerhalb kurzer Zeit nach der Katastrophe in der Silvesternacht aufgenommen und die Versorgung weiterer sieben in die Wege geleitet, wie das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) am Freitagabend mitteilte. Die deutschen Kliniken böten darüber hinaus weitere Transport- und Behandlungsmöglichkeiten an. Fast die Hälfte der 119 Schwerverletzten müssen mangels Kapazität in der Schweiz ins Ausland verlegt werden. Bis Sonntag sollen 50 Menschen verlegt werden, teilt das schweizerische Bundesamt für Bevölkerungsschutz mit. Angeflogen werden unter anderem auch Kliniken in Frankreich, Italien und Belgien. Fünf minderjährige Opfer im Kinderspital behandelt Im Kinderspital Zürich werden fünf minderjährige Brandopfer behandelt, wie Kathrin Neuhaus, Chefärztin des dortigen Brandverletzungszentrums, dem Sender SRF sagt. Teilweise sei mehr als 70 Prozent der Körperoberfläche verbrannt. „Das heißt, sie sind Infektionen ausgesetzt, sie verlieren Wärme und es kommt durch die schwere Brandverletzung zu einer Verbrennungskrankheit, die den ganzen Körper systematisch betrifft, also auch das Herz-Kreislauf-System“, sagt sie. Zudem hätten viele durch das Einatmen von Rauch schwere Schädigungen etwa der Lunge. Vielen der jungen Patienten stehe eine zweistellige Zahl von Eingriffen bevor. Sie müssen dann mehrmals die Woche in den Operationssaal. „Im Moment planen wir, mit jedem Patienten jeden zweiten Tag in den OP zu gehen“, sagte sie. Bei der Katastrophe war eine Bar im Skiort Crans-Montana am frühen Neujahrsmorgen in Brand geraten, und viele junge Menschen konnten sich nicht mehr oder nur schwer verletzt nach draußen retten. Insgesamt kamen 40 Menschen ums Leben, 119 erlitten überwiegend schwere Brandverletzungen. Die Behandlung kann sich je nach Schweregrad über Monate hinziehen. Unter den Verletzten waren vor allem Schweizer, Franzosen und Italiener – Deutsche nach ersten Angaben nicht. Über die Identität der 40 Toten machten die Behörden noch keine Angaben. Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen aufgenommen. Das französische Paar, das die Bar betreibt, wurde als Zeugen verhört. „Wir können weder schlafen noch essen, es geht uns allen sehr schlecht“, sagt der Wirt nach einem Bericht des Nachrichtenportals „20 Minuten“ (verlinkt auf https://www.20min.ch/story/crans-montana-wirt-bricht-sein-schweigen-werden-bei-untersuchung-mithelfen-103479242) in einem Gespräch. Sie kooperierten mit den Behörden. „Wir werden alles tun, um mitzuhelfen, die Ursachen zu klären“, zitiert das Nachrichtenportal den Wirt. „Wir tun alles in unserer Macht Stehende. Auch unsere Anwälte sind involviert.“ Seine Frau war nach Medienberichten in der Nacht in der Bar und wurde leicht verletzt. Die Staatsanwaltschaft prüft unter anderem Umbauarbeiten, verwendete Materialien, Betriebsgenehmigungen, Sicherheitsmaßnahmen, B randschutznormen und Flucht- und Evakuierungswege (verlinkt auf https://www.welt.de/vermischtes/article6957d39824b6e14cd223680b/crans-montana-als-die-decke-brannte-feierten-einige-gaeste-noch-weiter-bar-besitzer-aeussert-sich-in-interview.html) , wie Oberstaatsanwältin Beatrice Pilloud sagte. Geprüft werde auch, ob Anwesende, die noch leben, strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden können. Auf Fotos und Videos waren feiernde Menschen mit Feuerwerk in Champagnerflaschen zu sehen, das nach ersten Ermittlungen Schaumstoff an der Decke in Brand gesteckt haben dürfte. In Betracht kämen etwa fahrlässige Brandstiftung oder fahrlässige Tötung, sagte Pilloud. Bislang gebe es aber keine strafrechtlich relevanten Anhaltspunkte, betonte sie.