Die EU-Kommission und die Bundesregierung haben einen Durchbruch zum Bau neuer Gaskraftwerke in Deutschland erzielt. Es gebe eine Grundsatzeinigung mit der Europäischen Kommission über Eckpunkte der Kraftwerksstrategie, teilte das Bundeswirtschaftsministerium in Berlin mit. Die neuen Kraftwerke sollen die Versorgungssicherheit in Deutschland gewährleisten. Bundeswirtschafts- und Energieministerin Katherina Reiche (CDU) sagte: „Die Verständigung zur Kraftwerksstrategie ist ein entscheidender Schritt für die Versorgungssicherheit in Deutschland.“ Mit kurzfristigen Ausschreibungen über zwölf Gigawatt neuer, zusätzlicher steuerbarer Leistung werde auch für die Zukunft die Grundlage für eine gesicherte Stromversorgung in Deutschland geschaffen und damit für die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie. Die Entscheidung kam nicht unerwartet. Merz sagte bereits zuvor bei einem Wirtschaftsempfang in Halle: „Wir haben gerade heute Morgen in Berlin die Nachricht erhalten, dass im großen Umfang die EU-Kommission die Kraftwerkstrategie, die Strompreiskompensation und den Industriestrompreis genehmigen wird.“ Auch die Kombination mehrerer Möglichkeiten werde von der EU-Kommission genehmigt werden. Das müsse genehmigt werden, weil die Bundesregierung in großem Umfang Beihilfen leisten wolle für die Industriestrompreissenkung und die Strompreiskompensation. Neue Gaskraftwerke als Backup Neue Gaskraftwerke sollen künftig als Backups einspringen, wenn der Strombedarf durch erneuerbare Energien nicht zu decken ist - in „Dunkelflauten“, wenn keine Sonne scheint und kein Wind weht. Aus der Kohleverstromung will Deutschland schrittweise bis zum Jahr 2038 aussteigen, damit geht viel sogenannte gesicherte Leistung verloren. Geplant ist eine milliardenschwere staatliche Förderung für den Bau der neuen Gaskraftwerke. Bisher zögern Unternehmen mit Investitionen. Die EU-Kommission musste zustimmen. Merz sagte, der Unterschied zur Kraftwerkstrategie der Vorgängerregierung sei der, dass nun Gaskraftwerke gebaut werden könnten, ohne dass sie vom ersten Tag an wasserstofffähig sein müssten. „Wir haben den Wasserstoff nicht, den wir dafür eigentlich bräuchten.“ Deswegen sei nun die Verabredung mit der EU-Kommission, dass diese Kraftwerke zwar nachgerüstet werden könnten, aber dass sie, solange nicht genug Wasserstoff vorhanden sei, auch mit Gas betrieben werden könnten. Merz spricht von „schwerem strategischen Fehler“ Die Regierung will energieintensive Unternehmen mit einem staatlich subventionierten, günstigeren Industriestrompreis entlasten. Unternehmen sollen die Jahre 2026 bis 2028 abrechnen lassen können, die Auszahlung soll im jeweils folgenden Jahr folgen. Geplant ist zudem eine Ausweitung der sogenannten Strompreiskompensation. Dabei werden Firmen indirekt von Kosten des CO2-Emissionshandels entlastet. Die Wirtschaft hatte auf eine Kombination aus beiden Instrumenten gedrängt. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hatte bereits gesagt, beide Instrumente sollten für viele Unternehmen kombinierbar sein. Dies sei eine echte Entlastung für energieintensive Unternehmen in Deutschland. Der Kanzler bezeichnete es als schweren strategischen Fehler, aus der Kernenergie auszusteigen. „Wenn man es schon macht, hätte man wenigstens vor drei Jahren die letzten verbleibenden Kernkraftwerke in Deutschland am Netz lassen müssen.“ Die letzten drei deutschen Atomkraftwerke gingen im April 2023 außer Betrieb. Deutschland habe die teuerste Energiewende auf der ganzen Welt, sagte Merz. Die Bundesregierung wolle dies korrigieren, es gebe aber zu wenig Energieerzeugungskapazität. Wirtschaftsministerin Reiche hat angekündigt, die Kosten der Energiewende senken zu wollen.