Welt 29.11.2025
15:08 Uhr

Deutsche Biathletinnen erleben zum Auftakt in die Olympiasaison ein Debakel


Der Auftakt in den olympischen Winter geht für die deutschen Biathletinnen gehörig schief. Die Staffel liegt am Ende drei Minuten hinter den Siegerinnen – und auch hinter absoluten No Names. Die Überfliegerin des Vorjahres zeigt ungeahnte Schwächen.

Deutsche Biathletinnen erleben zum Auftakt in die Olympiasaison ein Debakel

Drei Strafrunden von Selina Grotian und Franziska Preuß (verlinkt auf https://www.welt.de/sport/wintersport/article69242f0a91f9f84f4b4d6441/biathlon-franziska-preuss-frueher-habe-ich-das-alles-zu-nah-an-mich-herangelassen.html) haben der deutschen Frauenstaffel den Auftakt in den olympischen Biathlon-Winter (verlinkt auf https://www.welt.de/sport/olympia/article69006d384876ac87d158c3de/olympia-2026-zeitplan-tickets-disziplinen-alles-zu-den-winterspielen-in-mailand-cortina.html) kräftig verdorben. Das Quartett mit Vanessa Voigt, Janina Hettich-Walz, Grotian und Preuß erlebte zum Weltcupstart in Östersund mit großem Rückstand auf Platz elf ein Debakel. Beim Sieg von Weltmeister Frankreich vor Italien und Tschechien waren drei Extrarunden und insgesamt zehn Nachlader zu viel, um in die Nähe des Podests zu kommen. Nach 4 x 6 Kilometern lagen die WM-Fünften 3:16,2 Minuten hinter den starken Französinnen und kamen auch hinter Biathlon-No-Names wie Bulgarien und der Slowakei ins Ziel. Für Startläuferin Voigt war es die Rückkehr in den Weltcup, nachdem die Thüringerin die vergangene Saison vorzeitig abgebrochen hatte. Der Körper der 28-Jährigen hatte gestreikt und eine längere Pause gebraucht. Bei ihrem Comeback traf Voigt alle zehn Scheiben, konnte läuferisch aber nicht ganz mit der Spitze mithalten und übergab als Siebte auf Hettich-Walz. Für die 29-Jährige war es nach ihrer Babypause ebenfalls ein Neustart. Im letzten Winter hatte Hettich-Walz nach der Geburt von Tochter Karlotta komplett gefehlt, sich nun aber schnell wieder zurück ins Team gekämpft. Die Einzel-Vizeweltmeisterin von 2024 brauchte drei Nachladepatronen und schob sich auf den vierten Platz nach vorn. Nachlader reichen Grotian und Preuß nicht Grotian zeigte bei ihrem Liegendschießen anschließend Nerven und traf nur drei ihrer acht Schüsse. Durch gleich zwei Strafrunden rutsche Deutschland aus den Top Ten. „Nach den zwei Fehlern war ich einfach unsicher, das hätte nicht passieren dürfen. Ich war auch brutal aufgeregt vor dem Rennen, das hatte ich schon lange nicht mehr. Mir tut es leid für die anderen“, sagte Grotian in der ARD. Nach einem fehlerfreien Stehendschießen konnte sich die 21-Jährige nicht mehr entscheidend nach vorn arbeiten und übergab als Zehnte auf Preuß. Auch die Gesamtweltcupsiegerin der Vorsaison kam auch nicht fehlerlos durch und musste nach dem Stehendschießen überraschend eine Extrarunde laufen. Den Auftakttriumph sicherte sich Frankreich selbst ohne Julia Simon mühelos. Die 29-Jährige ist nach ihrer Verurteilung wegen Diebstahls und Kreditkartenbetrugs in Schweden noch gesperrt, wird aber schon beim zweiten Weltcup in Österreich wieder dabei sein. Eine härtere Strafe droht Simon nicht mehr, die Biathlon Integrity Unit vom Weltverband IBU lässt den Fall ruhen. Bei den Olympischen Winterspielen in Italien kann sie dabei sein. Die deutsche Männerstaffel ist mit einem vierten Platz gestartet. Justus Strelow, Danilo Riethmüller, Philipp Nawrath und Philipp Horn leisteten sich insgesamt neun Nachlader und hatten im Ziel 55,7 Sekunden Rückstand auf den siegreichen Weltmeister Norwegen. Platz zwei erkämpfte sich Frankreich vor Gastgeber Schweden. Dem Quartett des Deutschen Skiverbands fehlten nach 4 x 7,5 Kilometern 31,0 Sekunden zum ersten Podestplatz der Saison. Der teilweise starke Wind sorgte für einige Probleme am Schießstand. Strelow brauchte fast zwei Minuten für sein Stehendschießen, weil er es ganz genau machen wollte. Zwar vermied der Sachse eine Strafrunde, fiel aber schnell weit zurück und übergab nur als 15. auf Riethmüller. Der Harzer brachte sein Team nach nur einem Nachlader auf Platz acht nach vorn. Nawrath war dann ohne Extrapatrone noch stärker - und stürmte vor dem letzten Wechsel sogar auf Rang drei. Diesen konnte der Thüringer Horn aber nicht halten.