Welt 26.02.2026
16:54 Uhr

Der geopferte Spatenknecht – Hamburgs Wallanlagen im Dunkel der Mythen


Das Dungeon führt in die Tunnel des 17. Jahrhunderts – hielt der Wall wirklich nur, wenn ein Leben darin war? Aktuell bekommt der Publikumsmagnet einen neuen Leiter.

Der geopferte Spatenknecht – Hamburgs Wallanlagen im Dunkel der Mythen

Hamburgs Wallanlagen waren das gewaltigste Infrastrukturprojekt der frühen Neuzeit an der Elbe. Im 17. Jahrhundert sicherten Bastionen, Gräben und Wälle die Hansestadt gegen Angriffe – und ermöglichten stabile Rahmenbedingungen für Handel und Wohlstand. Das Hamburg Dungeon greift diese Epoche jetzt in der Frühjahrsshow „Der geopferte Spatenknecht“ auf und führt Besucher vom 2. März bis 3. Mai 2026 in die Tunnel unter den historischen Befestigungen. Schauplatz ist das Jahr 1623: knarzende Stützbalken, bröselnde Erde, seltsame Geräusche – und die Frage, welchen Preis der Großbau der modernsten Festungsanlage seiner Zeit verlangte. Historisch beginnt der Ausbau der Wallanlagen 1616, als unter Leitung des niederländischen Festungsbaumeisters Johan van Valckenburgh ein ringförmiges Verteidigungssystem entsteht. Der Dreißigjährige Krieg rückt näher, Hamburg investiert beträchtliche Mittel: Arbeitsdienste werden angeordnet, Sonderabgaben erhoben, zeitweise fließt mehr als ein Viertel der städtischen Einnahmen in den Wall. Mit der Anstrengung wachsen Mythen. In Nord- und Mitteleuropa kursieren zu jener Zeit Legenden vom „Bauopfer“ – der Vorstellung, ein Bauwerk halte nur, wenn ein Leben darin sei. Belege für Menschenopfer in Hamburg gibt es nicht; die Gerüchte prägten dennoch die Vorstellungskraft der Zeitgenossen. Sichtbar geblieben ist der Wallverlauf bis heute: Planten un Blomen, der Alte Botanische Garten und die Glacischaussee markieren ehemalige Befestigungsflächen, Straßennamen wie Neuer Wall, Glockengießerwall und Holstenwall erinnern daran. Die Sondershow übersetzt diesen historischen Rahmen in ein szenisches Erlebnis: Gäste werden als angeworbene Arbeiter in eine Rekrutierungsszene versetzt, erleben Rückschläge durch einstürzende Tunnel und das rätselhafte Verschwinden des Jungen Joris – den andere als geopfert glauben. Professionelle Darstellerinnen und Darsteller, Licht- und Toneffekte und gezielte Schreckmomente verdichten die Legendenwelt. Keine Legende hingegen: Organisatorisch gab es einen Wechsel an der Spitze der Attraktion. Daniel Zschoke hat im Februar die Leitung übernommen; seine Vorgängerin Miriam Wolframm verantwortet nun das LEGO Discovery Centre Hamburg.