Welt 27.01.2026
11:03 Uhr

„Der Antisemitismus ist Brückenideologie für Rechtsextremisten, Linksextremisten und Islamisten“


Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland ruft zum Protest gegen Antisemitismus auf. Die Kräfte, „die uns als jüdische Gemeinschaft aus dem öffentlichen Leben verdrängen“ wollen, seien beträchtlich. In Kiel kam es derweil zum Angriff auf ein Mahnmal.

„Der Antisemitismus ist Brückenideologie für Rechtsextremisten, Linksextremisten und Islamisten“

Zum internationalen Holocaust (verlinkt auf https://www.welt.de/geschichte/article6970ac52707d4aa20757bb30/ki-faelschungen-zum-holocaust-wie-kuenstliche-bilder-die-geschichte-verzerren.html) -Gedenktag rufen Vertreter der jüdischen Gemeinschaft zum Eintreten für Demokratie und zum Protest gegen Antisemitismus auf. Es sei höchste Zeit, dass aufrechte Demokraten aufstehen und Zivilcourage beweisen, schreibt der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, in einem Beitrag für das Portal „t-online“ (verlinkt auf https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/innenpolitik/id_101099936/josef-schuster-lage-der-juden-spiegelt-lage-unserer-demokratie-.html) . Das Internationale Auschwitz Komitee sieht das Gedenken an den Völkermord der Nationalsozialisten von den aktuellen politischen Entwicklungen überschattet. Dessen Vizepräsident Christoph Heubner erklärte, die Überlebenden des Holocaust in aller Welt fragten sich, ob sich die Demokratien und ihre Bürgerinnen und Bürger der Gefahren hinreichend bewusst seien, die von hasserfüllter Rhetorik rechtsextremer und populistischer Politiker und Parteien ausgehe. Schuster schrieb weiter, schon jetzt seien die Kräfte beträchtlich, „die uns als jüdische Gemeinschaft aus dem öffentlichen Leben verdrängen und der Sichtbarkeit, welche die Überlebenden des NS-Terrors erstritten hatten, berauben wollen“. „Diese Kräfte werden weiter erstarken, wenn wir es als Gesellschaft nicht schaffen, die bedrohlichen Entwicklungen zu stoppen“, warnte er. Er warnte ferner vor den Folgen der gesellschaftlichen Polarisierung für die Erinnerungskultur in Deutschland. „Der Antisemitismus hat eine unselige Eigenschaft: Er ist Brückenideologie für Rechtsextremisten, Linksextremisten und Islamisten gleichermaßen.“ Attacke auf Mahnmal in Kiel In Kiel haben sich Unbekannte am Mahnmal der Synagoge vergriffen. Das berichtet „Bild“ (verlinkt auf https://www.bild.de/politik/inland/antisemitischer-angriff-in-kiel-mahnmal-geschaendet-6977b810155edd1a90c92eac) . Demnach seien in der Nacht zu Sonntag Gegenstände, die Menschen dort abgelegt hatten, zerstört und auf den Gehweg geworfen – darunter ein Davidstern, Kerzen und ein Bild. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (52, CDU) zeigte sich bestürzt: „Der Angriff ist ein unerträglicher Akt antisemitischer Verachtung und ein Angriff auf das Gedenken an die Verbrechen des Nationalsozialismus.“ Wer einen solchen Ort der Erinnerung schände, verletze die historische Verantwortung und die Grundwerte des Landes. Der internationale Holocaust-Gedenktag wird jährlich am 27. Januar begangen. Er erinnert an die sechs Millionen von den Nationalsozialisten ermordeten Juden und die weiteren Opfer der NS-Herrschaft. Der Tag geht auf die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am 27. Januar 1945 zurück.