Welt 16.02.2026
08:31 Uhr

„Denken, dass ein Wunder passiert“ – Abgesetzter deutscher Kapitän kritisiert eigenes Team


Das auf dem Papier vielleicht beste deutsche Eishockeyteam bei einem Olympia-Turnier findet bislang nicht zusammen. Trotz sieben NHL-Spielern verliert das Team auch deutlich gegen die USA. Ex-Spielführer Moritz Müller wählt nach der verkorksten Vorrunde deutliche Worte.

„Denken, dass ein Wunder passiert“ – Abgesetzter deutscher Kapitän kritisiert eigenes Team

D er vor Olympia als Kapitän des Nationalteams abgesetzte Eishockey-Profi Moritz Müller hat das deutsche Team nach der Vorrunde deutlich kritisiert. Nach Meinung des 39 Jahre alten Verteidigers der Kölner Haie kann die bei den Winterspielen (verlinkt auf https://www.welt.de/sport/olympia/) mit sieben NHL-Spielern angetretene Mannschaft als Team den Silbermedaillen-Gewinnern (verlinkt auf https://www.welt.de/sport/olympia/article69834e3cd23aaa4b0d2d7d6c/olympia-medaillenspiegel-wo-steht-deutschland-der-medaillenspiegel-der-winterspiele-im-ueberblick.html) von 2018 und den Vize-Weltmeistern von 2023 noch nicht das Wasser reichen. „Im Vorfeld ist viel darüber gesprochen worden, wie gut diese Mannschaft ist. Die besten Mannschaften, die ich bei Deutschland erlebt habe – das war 2018 und 2023. Da muss diese Mannschaft erst noch hinkommen“, sagte Müller nach dem 1:5 im letzten Vorrundenspiel am Sonntag gegen Weltmeister USA. (verlinkt auf https://www.welt.de/sport/olympia/article69836b668e80b703b0c2971f/liveticker-olympia-immer-nur-die-brautjungfer-us-eishockey-spieler-verhoehnt-draisaitl.html) Der langjährige DEB-Kapitän gehört in Mailand nicht mehr zum Kreis der drei Mannschaftsführer. Diese Rollen hatten Bundestrainer Harold Kreis und DEB-Sportdirektor Christian Künast an NHL-Weltstar Leon Draisaitl sowie seine Assistenten Tim Stützle und Moritz Seider vergeben, die ebenfalls Topstars in der nordamerikanischen Profiliga NHL sind. Draisaitl hatte keinen einzigen Schuss auf das Tor der USA abgegeben „Wir haben ganz tolle Eishockeyspieler, (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/eishockey/) die mit zu den besten auf der Welt gehören. Aber wir können nicht denken, dass jedes Mal, wenn jemand von denen auf dem Eis ist, dass wir denen jedes Mal die Scheibe geben und dann ein Wunder passiert“, schimpfte Müller. Der von den USA per Manndeckung aus dem Spiel genommene Leistungsträger Draisaitl hatte am Sonntag keinen einzigen Schuss auf das gegnerische Tor abgegeben. Obwohl das aktuelle Team auf dem Papier als das beste gilt, (verlinkt auf https://www.welt.de/sport/olympia/article6988b9e52dc88ba237f45a5b/eishockey-das-perfekte-paket-draisaitls-traum-im-besten-turnier-der-geschichte.html) das jemals für Deutschland bei einem Turnier dabei war, gelang in der Vorrunde nur gegen Dänemark ein Sieg (3:1). Gegen Außenseiter Lettland (3:4) und die USA setzte es Pleiten. Nur dank Schützenhilfe der Konkurrenz wurde Deutschland Gruppenzweiter und bekam anstatt eines starken Gegners in der Viertelfinal-Qualifikation mit Frankreich einen mutmaßlich leichter zu schlagenden Kontrahenten vorgesetzt. „Man kann auch die Amerikaner schlagen. Aber man muss demütig genug sein, dass wir gegen jeden Gegner hier verlieren können. Das muss in unseren Kopf rein“, sagte Müller, der gegen die USA deutlich mehr Eiszeit im Vergleich zu den ersten beiden Spielen bekommen hatte und zusammen mit Top-Torschütze Stützle bester deutscher Spieler war.