Welt 11.02.2026
11:19 Uhr

Das müssen Sie zur Landtagswahl in Rheinland-Pfalz wissen


Erstmals seit 35 Jahren könnte die SPD in Rheinland-Pfalz am 22. März abgewählt werden. Doch die Stimmung im Land ist volatil: Viele Wähler sind noch unentschlossen.

Das müssen Sie zur Landtagswahl in Rheinland-Pfalz wissen

Rheinland-Pfalz bereitet sich auf die Landtagswahl am 22. März 2026 vor. Die Wahl zum 19. Landtag des Bundeslandes steht im Zeichen teils deutlicher politischer Verschiebungen, unklarer Mehrheiten und einer noch hohen Zahl unentschlossener Wählerinnen und Wähler – laut aktuellen Umfragen zwischen 20 und 25 Prozent – was einen offenen Wahlkampf signalisiert. Diese Koalitionen sind in Rheinland-Pfalz denkbar In Rheinland-Pfalz könnten die Wähler erstmals seit 35 Jahren die SPD abwählen. Ministerpräsident Alexander Schweitzer übernahm das Amt 2024 von der zurückgetretenen Malu Dreyer und stellt sich somit zum ersten Mal dem Wählervotum. Obwohl er bekräftigt, dass er mit seinen aktuellen Regierungspartnern weitermachen möchte, droht seiner Ampelregierung aus SPD, Grünen und FDP ebenso ein Scheitern wie dem Experiment auf Bundesebene. Die CDU liegt in aktuellen Umfragen vorn, gefolgt von SPD und AfD. Deren Landeschef Jan Bollinger wurde als Spitzenkandidat bestätigt und positioniert sich selbstbewusst im Wahlkampf. Die Grünen kreisen um die zehn Prozent, die Linke wäre knapp im Landtag, die FDP scheitert derzeit an der Fünf-Prozent-Hürde. Bereits 2011 flog sie aus dem Landtag. Da alle Parteien eine Koalition mit der AfD ausschließen, lässt die Koalitionsbildung aktuellen Umfragen folgend nicht viele Optionen. Rheinland-Pfalz könnte am Ende dem Beispiel Bund folgen: Nach dem Aus der Ampel bleibt für CDU-Spitzenkandidat Gordon Schnieder am Ende nur Schwarz-Rot. Wahlforscher warnen allerdings, dass Umfragen in Landeswahlen oft noch stärker abweichen können als prognostiziert, und raten zur Vorsicht bei zu frühen Interpretationen. Und tatsächlich war das Umfrageloch der SPD vor vergangenen Landtagswahlen genauso tief und stets schafften die Sozialdemokraten auf den letzten Metern die Wende – bei den vergangenen beiden Wahlen mit Malu Dreyer an der Spitze gegen die Unions-Spitzenkandidaten Julia Klöckner und Christian Baldauf. Nun wird Dreyers Nachfolger Alexander Schweitzer zeigen müssen, ob er Endspurt kann. Es deutet also viel auf eine künftige Koalition aus CDU und SPD hin, mit wem als Sieger und wem als Juniorpartner auch immer. Damit dürfte das Duell zwischen Schweitzer und seinem Unions-Herausforderer Gordon Schnieder, dem Bruder von Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder, in den Fokus rücken. Schweitzer liege nach den vorliegenden Daten zur Popularität derzeit deutlich vor Schnieder, so der Trierer Politikwissenschaftler Uwe Jun. „Schweitzer profitiert auch davon, dass es seinem Hauptkonkurrenten noch nicht gelungen ist, einen hohen Bekanntheitsgrad zu erreichen.“ Der Amtsinhaber sei aktuell „sehr präsent“. Um welche Themen geht es im Wahlkampf? Die Themen Wirtschaft und Arbeitsmarkt spielen eine große Rolle. Der Regierungschef lässt kaum einen Termin aus, um Industrie und Unternehmen seine Unterstützung zuzusichern. Schweitzer, der sich für eine Fortsetzung der Ampelregierung ausspricht, muss jedoch auch das Landesklimaschutzgesetz verteidigen, ein Herzensprojekt des grünen Koalitionspartners, gegen das die Wirtschaft in Rheinland-Pfalz kollektiv Sturm läuft. Auch die Bildung treibt die Menschen in Rheinland-Pfalz um. Vor allem die CDU wittert bei diesem Thema Morgenluft. Partei- und Fraktionschef Schnieder attackiert die Landesregierung in praktisch jeder Plenarsitzung, spricht von einem Scheitern des Bildungssystems wegen überlasteter Lehrkräfte, Fällen von Gewalt an Schulen sowie strukturellen Defiziten. Eine wichtige Rolle in der politischen Auseinandersetzung spielen darüber hinaus Weichenstellungen für Verkehr und Mobilität sowie das Thema Migration. Die AfD mit bundesweit großem Rückenwind bei der Zustimmung der Bevölkerung setzt gezielt auf diese Karte. So funktioniert das Wahlsystem Rheinland-Pfalz nutzt bei Landtagswahlen ein personalisiertes Verhältniswahlrecht: Jede Wählerin und jeder Wähler hat zwei Stimmen: Mit der Erststimme (Wahlkreisstimme) wählen sie die Direktkandidaten im Wahlkreis, mit der Zweitstimme (Landesstimme) die Parteiliste für die Sitzverteilung im Landtag. Der Landtag besteht aus 101 Abgeordneten, vorbehaltlich möglicher Überhang- und Ausgleichsmandate. Mit der Erststimme werden 52 Sitze im Plenum vergeben, mit der Landesstimme die verbleibenden 49. Rund 45.000 Wahlhelferinnen und Wahlhelfer werden im Einsatz sein. Wahlberechtigt sind 2,95 Millionen Menschen zwischen Westerwald und Südwestpfalz. Darunter sind laut Landeswahlleiter auch ungefähr 35.400 potenzielle Erstwählerinnen und Erstwähler, also junge Leute, die nach der Bundestagswahl in diesem Jahr ihr 18. Lebensjahr vollendet haben. Der Versand von Unterlagen für die in vergangenen Jahren immer beliebter gewordene Briefwahl ist frühestens ab dem 20. Januar möglich. So sehen die Umfragen aus Die Ergebnisse der letzten Landtagswahl 2021 im Überblick SPD: 35,7 Prozent CDU: 27,7 Prozent Grüne: 9,3 Prozent AfD: 8,3 Prozent FDP: 5,5 Prozent Freie Wähler: 5,4 Prozent Linke: 2,5 Prozent Sonstige: 5,7 Prozent