Welt 05.12.2025
15:34 Uhr

Das italienische Horror-Szenario vor Augen


Die Fußball-Bundesliga ist auf Geld aus der Auslandsvermarktung angewiesen. Bei den neuen weltweiten TV-Verträgen ist Eile geboten, zu groß ist die Angst vor einem erneuten WM-Versagen der deutschen Nationalmannschaft. Denn gerade die USA könnten zum Problem werden.

Das italienische Horror-Szenario vor Augen

Beim Verkauf der Champions League haben zwei US-Bieter groß zugeschlagen: Paramount+ und Amazon sicherten sich die TV-Rechte ab 2027/28 für vier Jahre. Jetzt hofft die DFL, dass amerikanische Medienunternehmen auch bei der schwächelnden Bundesliga-Auslandsvermarktung das Portemonnaie öffnen. Im Sommer 2026 laufen die TV-Verträge (verlinkt auf https://www.welt.de/sport/fussball/article69172a4dc7cd0ff6c6201cfb/tv-rechte-dreikampf-um-die-deutsche-nationalmannschaft.html) in den wichtigen Märkten USA, Mexiko und Südamerika aus. Nach Informationen von „Sport Bild“ aus dem DFL-Präsidium, sollen die neuen Verträge noch vor der WM in den USA, Kanada und Mexiko in trockene Tücher gebracht werden. Was sinnvoll ist, denn: Ein erneutes frühes Aus der DFB-Elf wie schon 2018 und 2022 (jeweils in der Vorrunde) würde sich zusätzlich negativ auf das Interesse und die Gebote auswirken für eine Bundesliga mit zahlreichen international unattraktiven Klubs und ohne Weltstars bis auf Harry Kane vom FC Bayern. Wie ist der aktuelle Stand der Verhandlungen? ESPN, das die Bundesliga-Rechte in den USA für sechs Jahre erworben hat und im Schnitt 34 Millionen Euro zahlt, ist an einer Verlängerung interessiert. Aber: Der Sender fährt einen harten Sparkurs, wollte ursprünglich nach 35 Jahren aus der Major League Baseball (MLB) aussteigen, für die zuletzt 524 Millionen Euro pro Saison gezahlt wurden. Vorige Woche wurde doch verlängert – für 260 Millionen Euro weniger. Die Formel 1 gibt ESPN nach der Saison 2025 auf. Großes Zuschauer-Interesse in Brasilien Die DFL-Verantwortlichen haben das Horror-Szenario der italienischen Serie A vor Augen, die in den USA von 65 auf nur noch 15 Millionen Euro eingebrochen ist. Immerhin: Neben ESPN zeigen u. a. CBS, NBC, DAZN, Fubo TV, Fox Deportes und Telemundo Interesse. Um einen Abschluss zwischen 30 und 50 Millionen Euro zu erzielen, holte sich die DFL „Relevent Sports“ an Bord. Die New Yorker Vermarktungsagentur hat nun erstmals für die Uefa die Champions-League-Rechte verkauft (verlinkt auf https://www.welt.de/sport/fussball/champions-league/article691f5415b524e0ce7f1c321a/fernsehrechte-tv-beben-um-die-champions-league-es-aendert-sich-alles.html) , dazu die Europa- und Conference League an DAZN. Die TV-Einnahmen der DFL aus Mexiko (Sky), Brasilien (sieben Medienpartner, im Schnitt rund fünf Millionen Zuschauer pro Bundesliga-Spieltag) und Rest-Südamerika (ESPN) liegen aktuell bei etwa 14 Millionen Euro. Insgesamt kassiert die DFL diese Saison knapp 220 Millionen Euro brutto aus dem Ausland.