Welt 29.01.2026
17:34 Uhr

„Das ist einfach noch nicht das richtige Leben“ – ein Schlüsselsatz und seine Folgen


Er startete als Manager durch, doch irgendwann wurde ihm die Karriere beinahe zum Verhängnis. Der Unternehmer und Berater Christian Lepsien hat ein Buch über seine Lebensgeschichte geschrieben – und darüber, was ihm in der Krise geholfen hat.

„Das ist einfach noch nicht das richtige Leben“ – ein Schlüsselsatz und seine Folgen

Der Vater von Christian Lepsien hatte sich eigentlich gewünscht, dass sein Sohn Arzt wird und damit eine Familientradition fortsetzt. „Ich konnte aber kein Blut sehen“, erzählt Lepsien Junior. Und so kam er auf die Idee, es doch besser in der Wirtschaft zu versuchen. In Köln jobbte er zunächst bei einer Werbeagentur, studierte nebenher Betriebswirtschaft. 2005 gelang ihm der Sprung in einen Konzern, bei der Bertelsmann-Tochter Arvato in Gütersloh wurde Lepsien Vorstandsassistent. Und die Kariere setzte sich fort. Im Jahr 2007 lernte er den Unternehmer Peter Dussmann in Berlin kennen, der dort das gleichnamige Kulturkaufhaus geschaffen hatte. Der mittlerweile verstorbene Patriarch, der mit Gebäudereinigung und Facility-Management groß geworden war, engagierte Lepsien als Geschäftsführer zunächst für die Vereinigten Arabischen Emirate und dann für ganz Asien, den Mittleren Osten sowie den Kaukasus. Sieben Jahre war er in dieser Position für Dussmann tätig, bis Ende 2013, fünf Jahre lebte er vor Ort in den Emiraten. „Das waren für mich prägende Jahre“, sagt der Endvierziger heute. Die Verantwortung wuchs. Der Druck auch. Als der Körper sich meldete, nahm er einen Termin in der Berliner Charité wahr. Die Diagnose: Überarbeitung. „Da habe ich Angst bekommen, ich war wie mit dem Hammer geplättet“, berichtet der Manager und spätere Unternehmer. Am selben Tag sei er unter die Dusche gegangen und habe büschelweise Haare verloren. „Ich hatte Todesangst. Doch meine Frau nahm mich an die Hand und sagte: Komm Christian, das ist einfach noch nicht das richtige Leben, wir suchen weiter“. Und das sei der Schlüsselsatz für ihn gewesen.  Es ist wichtig, diese Vorgeschichte zu kennen, wenn man den Christian Lepsien von heute richtig kennen möchte. Über eine Coaching-Beraterin kam Lepsien in Kontakt zu einem sehr erfolgreichen Immobilien-Unternehmer. Der 60-Jährige habe gefragt „Warum sind Sie nicht selbst Unternehmer geworden?“, nachdem er seine bisherige Lebensgeschichte mit den Manager-Abhängigkeiten erfahren hatte. „Das Leben gibt dir die Chance, Dinge zu korrigieren, Gott sei Dank“, sagt Lepsien, der mit einer Luxemburgerin verheiratet ist und zwei Kinder hat. „Für mich stand bald fest: Das machst du mit eigenem Geld, Stein auf Stein, das schaffst du alleine, so wie deine Vorbilder.“ Lepsien gründete 2013 seine Firma Artevie, mit der Zentrale in Luxemburg. Wenn man alleine unterwegs sei, rolle einem keiner mehr wie früher den roten Teppich aus. Angefangen hat er mit Personalberatung, rund 15 Mitarbeiter beschäftigt er mittlerweile. Parallel dazu hat Lepsien eine Mittelstandsberatung samt Coaching aufgebaut. Seine Mission: Den Mittelstand zu stärken. Als Ziele definiert er gesundes Wachstum, Kunden- und Mitarbeitergewinnung. Daneben betreibt er einen YouTube-Kanal mit 18.000 Followern, auch in den sozialen Medien ist Lepsien sehr aktiv. Noch vor dem Job sei ihm heute die Familie das Wichtigste, betont der einst rastlose Manager. Natürlich sei er immer noch ehrgeizig, betont Lepsien. Aber auf eine andere, gesündere Weise, wie er findet, weniger fremdbestimmt als früher. All dies hat Lepsien in seinem Buch „Zwischen Umsatz und Umarmung – Wie Unternehmer den Spagat zwischen Erfolg und Familie meistern“ verarbeitet. Er schildert darin seine Lebensgeschichte, vor allem aber seine daraus abgeleiteten Erkenntnisse. In den vergangenen zehn Jahren habe er viele mittelständische Unternehmer persönlich kennengelernt und begleitet. Dabei habe er immer wieder die gleichen Muster erkannt: „Es sind stets dieselben Fragen, Probleme und Denkweisen, die viele als unveränderlich hinnehmen – als sei dies einfach der Preis, den man für Erfolg bezahlen müsse.“ Doch das sei eine Fehlannahme. Zeitdruck, Fachkräftemangel, fehlende Strukturen und Überlastung ähnelten sich in nahezu allen Branchen, unabhängig von Unternehmensgröße oder Markt. „Viele Unternehmer glauben, sie stünden alleine mit diesen Problemen“, sagt Lepsien. „Doch das ist nicht so. Es sind universelle Fragen, die sich systematisieren, erlernen und umsetzen lassen – und zwar von jedem Menschen, der bereit ist, etwas zu verändern.“ Kürzlich hat Lepsien auch die Firma „FACHKRAFT“ gegründet. Und sich den Namen schützen lassen. „Ich hatte das als Gag auf meine Tassen drucken lassen, und es gab viel Nachfragen.“ Da habe er dann geschaut, ob man sich das nicht schützen lassen könne als Wort-Bild-Marke. Und es ging. Lepsien möchte dieses Label zu einem „lebendigen Gütesiegel ausbauen“, wie er sagt. Ziel sei es, „die besten Firmen, vor allem Mittelständler“, damit auszeichnen: „Wir wollen diese Firmen sichtbarer machen, die sich durch Qualität, Herz und Haltung auszeichnen.“ Den Firmenchefs wolle er eines damit zeigen: „Du bist nicht alleine!“