Angesichts der wachsender Besorgnis, die USA könnten Grönland annektieren, hat Bundesaußenminister Johann Wadephul an die Geschlossenheit des Nato-Bündnisses appelliert. „Noch nie war es so wichtig, in die transatlantische Partnerschaft zu investieren“, erklärt der CDU-Politiker vor seiner Abreise in die USA. Deutschland verdanke der demokratischen Tradition der USA und ihrem Einsatz für Frieden und Sicherheit viel – gerade jetzt gehe es darum, gemeinsam handlungsfähig zu bleiben. In Washington wird Wadephul seinen US-Kollegen Marco Rubio treffen. Mit ihm wolle er über die strategische Lage im Nordatlantik sprechen, kündigte der Bundesaußenminister an. „Existenzielle Fragen können wir nur gemeinsam im Bündnis wirksam beantworten“, heißt es im Statement. Deshalb stimme man sich „eng ab in der Nato“ und sorge gemeinsam für Sicherheit „auf beiden Seiten des Atlantiks“, wie Wadephul betonte. Seit der Amtsübernahme Donald Trumps wächst die Besorgnis der Nato-Partner, die USA könnten aus dem Bündnis aussteigen. Zuletzt hatte der US-Präsident mehrfach mit der gewaltsamen Einnahme Grönlands gedroht, obwohl es zu Bündnispartner Dänemark gehört. Dabei verwies Trump auf die große strategische Bedeutung der Insel und eine zuletzt große Präsenz von russischen und chinesischen Schiffen in der Region. Für Beunruhigung sorgen Trumps Äußerungen vor allem, weil er militärischen und wirtschaftlichen Zwang nicht ausschloss, um Kontrolle über Grönland erlangen. Ein besonderer Schwerpunkt der Reise werde deshalb auf der Arktis liegen, teilte Wadephul nun mit. Die sicherheitspolitische Bedeutung der Region nehme zu – auch wegen „alter und neuer Rivalitäten in der Region durch Russland und China“. Diese Fragen müssten innerhalb der Nato gemeinsam beraten werden. Dabei dürften weder Bündnisinteressen noch die Perspektive der Menschen vor Ort ausgeblendet werden. „Das gilt natürlich auch für Grönland und seine Menschen“, betont Wadephul ausdrücklich. Zugleich räumt der Außenminister Spannungen innerhalb des Bündnisses ein. „Natürlich gibt es auch zwischen engen Partnern immer wieder unterschiedliche Sichtweisen.“ Diese dürften jedoch nicht dazu führen, „dass wir das große Ganze aus dem Blick verlieren“. Differenzen müssten im Dialog bearbeitet werden, um der „gemeinsamen Verantwortung für Frieden und Sicherheit“ gerecht zu werden. Deutschland bekennt sich dabei klar zur Nato und zu einer stärkeren Lastenteilung. Man habe sich verpflichtet, „kollektiv das 5-Prozent-Ziel in der Nato zu erfüllen“. Deutschland gehe hier „entschlossen voran“. Neben Gesprächen in Washington sind auch Treffen mit Partnern im Nordatlantikraum geplant. Den Abschluss der Reise bildet ein Austausch mit UN-Generalsekretär António Guterres in New York. Verlässlichkeit sei dabei der Schlüssel: „Denn Verlässlichkeit ist die Grundlage für Sicherheit, für Handel und für Investitionen – in Europa ebenso wie in Amerika.“