Es ist ein Thema, dass Annalena Baerbock nahe geht: Am Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen teilte die Präsidentin der UN-Vollversammlung persönliche Erfahrungen mit Belästigungen und Übergriffen. In einer Rede machte Baerbock auf Gewalt gegen Frauen auf der ganzen Welt aufmerksam. Dabei sprach sie auch über eigene negative Erfahrungen, die sie mit Männern gemacht habe. Die Rede teilte sie auch auf ihrem Instagram-Kanal. „Das erste Mal passierte es mir als Mädchen auf dem Weg zur Schule in einem Bus“, erzählte die 44-Jährige. „Dann auf einer Party als Studentin und auch als hochrangige Politikerin im Internet.“ Als sie in Deutschland für das Amt der Bundeskanzlerin kandidierte, sei sie mit einem gefälschten Bild konfrontiert worden, (verlinkt auf https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/id_100461158/russland-verbreitet-fake-news-ueber-annalena-baerbock-zu-escort-kontakten.html) das im Internet kursierte und vorgab, sie hätte ihr Geld als Prostituierte verdient. „Dieses Bild ist immer noch in den sozialen Medien zu finden und wurde sogar in offiziellen Fernsehsendungen in verschiedenen Ländern aufgegriffen“, klagte Baerbock. Statistisch würden in jeder Sekunde weltweit acht Frauen Opfer von körperlicher Gewalt. Baerbock forderte nach dem Teilen ihrer persönlichen Negativ-Erfahrungen einen anderen Umgang mit dem Thema – und zitierte Missbrauchsopfer Gisèle Pelicot mit deren Worten, die um die Welt gingen: „Die Scham muss die Seiten wechseln.“ Pelicots Ehemann Dominique hatte sie über Jahre hinweg immer wieder mit Medikamenten betäubt und vergewaltigt (verlinkt auf https://www.welt.de/vermischtes/article68e7d396a17cb4f03352b464/urteil-in-frankreich-strafe-verschaerft-zehn-jahre-haft-fuer-vergewaltiger-von-gisele-pelicot.html) sowie von zahlreichen Männern vergewaltigen lassen, die er in Internetforen kontaktiert hatte. Die 72-jährige Pelicot, die auf einen öffentlichen Prozess bestand, war durch ihren Mut weltweit zu einer Ikone des Kampfes gegen sexualisierte Gewalt geworden. Der Prozess endete mit Haftstrafen für alle Angeklagten. Der Hauptangeklagte, ihr früherer Ehemann Dominique Pelicot, bekam die Höchststrafe von 20 Jahren. Ohne Pelicots Namen in ihrer Rede direkt zu erwähnen, fuhr Baerbock fort: „Die Scham muss auf die Täter fallen. Und die Scham muss auf diejenigen fallen, die glauben, dass Gewalt normal ist, dass dies einfach passiert, dass es akzeptabel ist.“ Doch Ignoranz sei keine Entschuldigung. „Wir müssen diese Erzählung umkehren.“ In ihrem Beitrag in den sozialen Medien verwies Baerbock später auf die 72-jährige Französin. Mit ihrer Rede gab Baerbock den Startschuss für eine 16-tägige Kampagne der Vereinten Nationen, die auf das Thema Gewalt gegen Frauen und Mädchen aufmerksam machen soll.