Welt 06.01.2026
07:47 Uhr

Das Aus für die HHLA an der Börse kommt in Sicht


Die Stadt Hamburg und der Maritimkonzern MSC wollen die verbliebenen Minderheitsaktionäre aus dem Unternehmen herauskaufen. Das wird auch das Ende für die Börsennotierung des Unternehmens nach sich ziehen.

Das Aus für die HHLA an der Börse kommt in Sicht

Deutschlands wichtigster Hafenkonzern, die Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA), wird wohl schon bald nicht mehr an der Börse notiert sein. „Die Port of Hamburg Beteiligungsgesellschaft SE (PoH) hat dem Vorstand der HHLA heute mitgeteilt, dass sie die Übertragung der A-Aktien der Minderheitsaktionäre der HHLA auf die PoH gegen Gewährung einer angemessenen Barabfindung (sog. Squeeze-out) anstrebt“, teilte die HHLA am späten Montagabend mit. In dieser Holding bündeln die Stadt Hamburg und der weltgrößte Maritimkonzern MSC mit Sitz in Genf ihre Anteile am Hafenlogistik-Geschäft der HHLA. Port of Hamburg hält mittlerweile einen Anteil von mehr als 95 Prozent der bislang noch börsennotierten HHLA-Aktien und ist damit zum Herauskaufen der Minderheitsaktionäre berechtigt. Die Höhe der Barabfindung wird nun durch Port of Hamburg auf Basis einer Unternehmensbewertung festgelegt. „Die Angemessenheit der Barabfindung wird zudem durch einen gerichtlich bestellten Prüfer geprüft“, teilt die HHLA mit. „Der aktienrechtliche Squeeze-out wird mit zustimmendem Hauptversammlungsbeschluss und Eintragung im Handelsregister wirksam.“ MSC war 2024 bei der HHLA eingestiegen, der rot-grüne Hamburger Senat hatte die Beteiligung organisiert. Vorausgegangen waren seit der Ankündigung des Geschäfts im September 2023 massive Proteste der Opposition in der Hamburgischen Bürgerschaft vor allem von CDU und Linkspartei. Gegen eine Beteiligung der führenden Reederei MSC an der HHLA waren auch die Hafenarbeiter und die Gewerkschaft Verdi angegangen. Ein Squeeze Out und ein sogenanntes De-Listing der HHLA von der Börse war von der Holding Port of Hamburg als realistisches Szenario bereits angekündigt worden. Die Stadt Hamburg hält 51 Prozent der Anteile an der Holding, MSC 49 Prozent. Die HHLA-Aktie schloss am Montag mit 21,30 Euro. Beim Börsengang des Unternehmens Ende 2007 kostete die Aktie 53 Euro, der Kurs stieg kurzzeitig auf 68 Euro und fiel dann dauerhaft weit unter diesen Wert. Der damalige Hamburger Senat – die CDU regierte seinerzeit mit absoluter Mehrheit – hatte 2007 rund ein Drittel der Anteile an der Hafenlogistik-Sparte der HHLA privatisiert, die Stadt hielt auch weiterhin die Mehrheit. Das Immobilienvermögen der HHLA in der Speicherstadt und am Fischereihafen in Altona war von der Privatisierung nicht betroffen, auch MSC ist daran heutzutage nicht beteiligt. Ein Ende der Börsennotierung würde der HHLA zunächst die Kosten und den Zeitaufwand ersparen, um die jährliche Hauptversammlung zu organisieren. Es könnte längerfristig aber auch ein Schritt hin zu einer Umfirmierung des Unternehmens von einer Aktiengesellschaft in eine GmbH sein. Das würde den Einfluss der Eigner weiter deutlich erhöhen. In den ersten neun Monaten des zurückliegenden Jahres hatte die HHLA einen Umsatz von 1,33 Milliarden Euro und einen operativen Gewinn (Ebit) von 117 Millionen Euro erwirtschaftet. Die HHLA betreibt drei der vier Hamburger Containerterminals, zudem den Mehrzweckterminal O‘Swaldkai, und sie hält einen Minderheitsanteil am größten deutschen Kohle- und Erzterminal Hansaport. Das wichtigste Tochterunternehmen der HHLA ist der europäische Güterbahnbetreiber Metrans mit Sitz in Prag. Die HHLA betreibt zudem Terminals im estnischen Muuga, im ukrainischen Odessa und im italienischen Triest. Für das Unternehmen, das seit Oktober von Jeroen Eijsink geführt wird, arbeiten insgesamt rund 7000 Menschen, davon etwa die Hälfte in Hamburg. Olaf Preuß ist Wirtschaftsreporter von WELT und WELT AM SONNTAG für Hamburg und Norddeutschland. Er berichtet seit mehr als drei Jahrzehnten über die maritime Wirtschaft, über Schifffahrt, Häfen und Werften.