Welt 07.01.2026
17:57 Uhr

„Dann habe ich von 13 bis 14 Uhr Tennis gespielt, weil ich einfach den Kopf freikriegen wollte“


Kai Wegner hat zugegeben, am ersten Tag des Stromausfalls in Berlin Tennis gespielt zu haben. Damit gerät der Regierende Bürgermeister der Hauptstadt weiter unter Druck. Politiker fordern seinen Rücktritt.

„Dann habe ich von 13 bis 14 Uhr Tennis gespielt, weil ich einfach den Kopf freikriegen wollte“

Während zeitweise rund 45.000 Berliner Haushalte ohne Strom auskommen mussten, spielte der Regierende Bürgermeister Kai Wegner am Samstag Tennis. Einen entsprechenden Bericht des rbb (verlinkt auf https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2026/01/berlin-regierender-buergermeister-wegner-stromausfall-tennis.html) bestätigte Wegner am Nachmittag in der WELT TV-Sendung „Burgard.“ Der CDU-Politiker erklärte, er habe ab 8 Uhr morgens Telefonate unter anderem mit der Bundesregierung und der Bundeswehr geführt, um auf die Notlage zu reagieren. „Und ja, dann habe ich von 13 bis 14 Uhr Tennis gespielt, weil ich einfach den Kopf freikriegen wollte“, sagte er. Sein Handy sei auf laut gestellt und er die ganze Zeit erreichbar gewesen. „Ich bin danach sofort zurückgefahren und habe weitergearbeitet.“ Damit widerspricht der Bürgermeister seiner bisherigen Darstellung. Am Sonntag hatte er auf einer Pressekonferenz zum ersten Tag des Stromausfalls erklärt: „Ich habe mich weder gelangweilt noch die Füße hochgelegt, sondern ich war den ganzen Tag am Telefon und habe versucht, zu koordinieren und mich bestmöglich zu informieren.“ Er habe sich „zu Hause in seinem Büro eingeschlossen, im wahrsten Sinne.“ Am Mittwochabend bestätigte eine Senatssprecherin dem „Focus“ (verlinkt auf https://www.focus.de/panorama/welt/50-000-haushalte-in-berlin-ohne-strom_900b0074-1e19-4c72-bc81-fe643b3aa063.html) , dass Wegner mit seiner Lebensgefährtin, der Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch, spielte. In der aktuellen Situation steht Wegner in der Kritik. Die Opposition wirft ihm vor, nicht unmittelbar bei den Betroffenen des Stromausfalls vor Ort gewesen zu sein. Wegner verteidigte sich damit, dass er sich zunächst einen Überblick über die Lage verschaffen wollte und „Wahlkampf-Fotos“ nicht weitergeholfen hätten. Auch für sein Tennisspiel am Samstag erntet der 53-Jährige heftigen Gegenwind. AfD-Chefin Alice Weidel postete auf X ein Bild von Wegner, auf dem dieser beim Tennisspielen zu sehen ist, mit der Zeile: „Am Samstag, in einem Tennis-Club irgendwo in Berlin...“ Die Berliner AfD-Landeschefin und Spitzenkandidatin für die Wahl des Abgeordnetenhauses, Kristin Brinker, forderte bei WELT TV Wegners Rücktritt. „Man kann ja durchaus nachvollziehen, dass man mal irgendwie eine Auszeit braucht, gerade wenn man viel Verantwortung trägt. Aber dass man in so einer Lage die Situation nicht richtig einschätzt und dann auch die gesamte Öffentlichkeit, wirklich die gesamte Öffentlichkeit belügt, das schlägt dem Fass wirklich den Boden aus“, sagte sie. „Und das kann nur eine Konsequenz haben - und die heißt: Rücktritt. Sofort.“ Den Grünen Spitzenkandidat für die Berliner Abgeordnetenhauswahl, Werner Graf, macht Wegners Tennisspiel „fassungslos“. Wegner „füllt nicht die Kriterien aus, die aus meiner Sicht ein Regierender haben sollte“, sagte Graf bei WELT TV. „45.000 Haushalte waren ohne Strom in dieser Eiseskälte. Wir wissen jetzt, dass sogar eine Person gestorben ist.“ Wer in dieser Situation sage, er sperre sich im Büro ein, gehe dann aber Tennis spielen, erfülle die Kriterien nicht, die es als Bürgermeister brauche. Der SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach, der bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus gegen Wegner antreten will, sagte dem Nachrichtenmagazin „Stern“: (verlinkt auf https://www.stern.de/politik/deutschland/kai-wegner-unter-druck--scharfe-kritik-fuer-blackout-management-37019552.html?utm_social_handle_id=18774524&utm_source=twitter&utm_campaign=stern_fanpage&utm_social_post_id=644974499&utm_medium=posting) „Ich weiß nicht, was schlimmer ist: Dass er die Berlinerinnen und Berliner belogen hat, oder dass ihm eine Tennis-Partie wichtiger war, als nach einem terroristischen Anschlag in der schlimmsten Stromkrise seit Jahrzehnten bei den betroffenen Menschen vor Ort zu sein.“ Der stellvertretende Bundesvorsitzende der FDP, Wolfgang Kubicki, schrieb in einem Beitrag auf X: „Ein Regierender Bürgermeister, der in einer Notlage zum „Kopf-frei-kriegen“ Tennis spielt und sich damit rühmt, „erreichbar“ gewesen zu sein und „sofort danach“ weitergearbeitet zu haben, ist nicht mehr haltbar. Kai Wegner muss zurücktreten.“