Mit Verzögerungen bei der Gepäckabfertigung schuf Hamburg Airport in den vergangenen Jahren immer wieder Verdruss bei Passagieren. Teils waren dafür externe Faktoren verantwortlich, speziell bei der Ankunft von Flügen in der Zeit rund um die Pandemie. Teils gab es aber auch Probleme mit der komplexen Gepäckförderanlage am Hamburger Flughafen, die in einzelnen Elementen inzwischen rund 20 Jahre alt ist. Am Freitag wurde im Beisein von Wirtschaftssenatorin Melanie Leonhard (SPD) und Flughafenchef Christian Kunsch der erste Spatenstich für die Runderneuerung der Gepäckförderung unter dem Terminal 1 gesetzt. Neu gebaut wird dafür vor allem eine Sortierhalle zwischen Terminal 1 und Terminal Tango, die im Mai 2027 in Betrieb genommen werden soll. Hamburg Airport investiert insgesamt mehr als 90 Millionen Euro in die komplette Erneuerung der Gepäckförderung bis 2029. „Die Gepäckförderanlage ist ein unverzichtbarer Kernbereich unseres Flughafens“, sagte Kunsch. „Wir investieren in die Zukunftsfähigkeit der Anlage und damit auch in die Zuverlässigkeit unseres Flughafens – damit alle Passagiere ab Hamburg Airport entspannt und komfortabel reisen können.“ Wirtschaftssenatorin Leonhard ergänzte: „Für eine verlässliche Infrastruktur sind Investitionen unabdingbar. Das gilt natürlich auch für den Hamburger Flughafen, der als ältester internationaler Verkehrsflughafen Deutschlands seine Anlagen Schritt für Schritt erneuert“, sagte sie. „Zudem modernisieren wir damit Abläufe am Hamburg Airport und machen Norddeutschlands Flughafen auch künftig für Hamburg, die Metropolregion und das ganze Umland leistungsfähig und verlässlich.“ Hamburg ist Mehrheitseigner des Hamburg Airport. 49 Prozent der Anteile hält die GmbH Hamburg Airport Partners, die der kanadischen Infrastrukturgesellschaft AviAlliance gehört. Die Gepäckförderanlage am Terminal 1 soll bei laufendem Betrieb in verschiedenen Teilprojekten erneuert werden. In der bevorstehenden Sommer-Reisesaison werden die Arbeiten allerdings ruhen. Begonnen haben bereits die Tiefbauarbeiten für die neue Sortierhalle, die eine Fläche von 2800 Quadratmetern haben soll. Sie wird mit energieeffizienter Technik und einer Fotovoltaikanlage ausgestattet. Die Gepäckförderanlage unter dem Terminal 1, die von November 2026 bis Mai 2029 durch moderne und stärker automatisierte Systeme ersetzt wird, ist 3,5 Kilometer lang. Die Gepäckanlage unter dem Terminal 2 war bereits vor fünf Jahren grunderneuert worden. Während des benachbarten Neubaus und der Sanierungsarbeiten wird sie das Terminal 1 entlasten. Auch die neue Sortierhalle dient vor allem dazu. Hamburg Airport fertigt täglich etwa 30.000 Koffer ab. Unternehmenssprecherin Katja Bromm sagte WELT, mit der neuen Gepäckförderanlage unter dem Terminal 1 gehe es nicht darum, die maximale Durchlaufkapazität am Flughafen zu erhöhen. Dafür sei ausreichend Reserve vorhanden. Ziel sei vor allem die Optimierung der Durchläufe für das Gepäck und mehr Transparenz bei dessen Verfolgung. „Das Verhalten vieler Passagiere hat sich in den vergangenen Jahren verändert“, sagte Bromm, „verstärkt nutzen sie die Möglichkeit, Koffer und Taschen mithilfe unserer neuen Gepäckautomaten zum Beispiel schon am Abend vor einem Flug aufzugeben.“ Kreuzfahrtpassagiere wiederum seien oft daran interessiert, ihr Gepäck vor oder nach einer Kreuzfahrt bereits am Flughafen aufzugeben und anschließend noch die Stadt zu erkunden. Dafür schaffe Hamburg Airport neue Speicherplätze für die Gepäckförderung. Olaf Preuß ist Wirtschaftsreporter von WELT und WELT AM SONNTAG für Hamburg und Norddeutschland. Er berichtet unter anderem auch über die Luftfahrt und den Flugzeugbau.