Vor dem Hamburger Stadtderby hat St.-Pauli-Präsident Oke Göttlich in der „Hamburger Morgenpost“ einen möglichen Boykott der Fußball-WM in den USA ins Gespräch gebracht. Göttlich, seit November 2025 auch DFB‑Vizepräsident, hatte bereits zuvor in einem Social-Media-Beitrag die Frage aufgeworfen, ob europäische Nationalmannschaften an einem Weltturnier teilnehmen sollten, das in einem Land ausgetragen werde, „welches Europa indirekt und gegebenenfalls demnächst direkt angreift“, wie er mit Blick auf die US‑Amerikaner und den Konflikt um Grönland formulierte. Auf die direkte Interviewnachfrage, ob er einen Boykott fordere, sagte Göttlich, der Zeitpunkt sei gekommen, „darüber konkret nachzudenken und zu reden“. Die Bedrohungslage sei seiner Einschätzung nach größer als bei den Olympia‑Boykotts in den 1980er‑Jahren. Auch wenn das Turnier für Profis wie St.-Pauli-Spieler Jackson Irvine, Connor Metcalfe oder Joel Chima Fujita ein Karriereziel sei, überwiege für ihn ein anderer Maßstab: „Das Leben eines Profifußballers ist nicht größer als das Leben von sehr vielen Menschen in verschiedenen Regionen, die derzeit von dem WM‑Gastgeber direkt oder indirekt angegriffen oder bedroht werden.“ Göttlich betonte zugleich, er würde keinem Spieler raten, sich öffentlich zu positionieren; das müsse jeder für sich entscheiden. Grundsätzlich fordert er jedoch eine ernsthafte Debatte innerhalb der UEFA. Enttäuscht zeigt er sich darüber, dass Verbände und auch der DFB im Umgang mit den USA und dem politischen Kurs Donald Trumps „so leise, fast sprachlos“ seien. Vor der WM in Katar sei das anders gewesen. „Wir haben es verlernt, Tabus zu setzen“, sagte er und kritisierte ein „Schwarz-Weiß‑Gehabe“, das politische Haltung vermeide, um Vorwürfen der Doppelmoral zu entgehen. Mit Blick auf mögliche Folgen eines Boykotts räumte Göttlich finanzielle Nachteile für Verbände und Spieler ein. Dennoch müsse man sich der Frage stellen, „wie wir in Zukunft zusammenleben“ wollen. Denkbar sei für ihn etwa ein UEFA‑Wettbewerb während der WM für Teams, die nicht in den USA antreten. Den Vergleich zu Katar und Saudi-Arabien wies er teilweise zurück: Dort herrschten aus westlicher Sicht zwar inhumane Zustände, doch hätten diese Länder „zumindest keine offenen Drohungen und Angriffe gegenüber Europa“ ausgesprochen.