Welt 28.01.2026
12:17 Uhr

CDU fordert Rückkehr der „Brötchentaste“


Kurz parken, ohne gleich 3,50 Euro zu zahlen: Die CDU will in Hamburg eine digitale „Brötchentaste 2.0“ einführen – auch auf E‑Stellflächen und ungenutzten Sharing‑Parkplätzen. Heute berät die Bürgerschaft über den Vorstoß.

CDU fordert Rückkehr der „Brötchentaste“

Wer schon einmal nur kurz etwas erledigen wollte – ein Rezept abholen, ein Paket wegbringen, ein Brötchen kaufen –, kennt das Dilemma: Ein freier Parkplatz ist schnell gefunden, doch der Parkschein kostet fast mehr als der kleine Einkauf. Auch in Hamburg sind für wenige Minuten Abstellzeit schnell 3,50 Euro fällig. Genau dort setzt ein politischer Vorstoß an, mit dem sich die Hamburgische Bürgerschaft heute befasst: die Einführung einer „Brötchentaste 2.0“. Die CDU möchte das Kurzzeitparken in Geschäftsstraßen wieder einfacher und vor allem kostenfrei machen – digital erfasst, zeitlich begrenzt und klar kontrollierbar. Anfang der 2000er Jahre hatte es das Konzept, das in vielen Städten üblich ist, auch in Hamburg kurzzeitig gegeben. Über die Gründe, warum die Brötchentaste abgeschafft wurde, wird bis heute gestritten. Die Grünen argumentierten damals mit der geringen Nutzung des Angebots. Die CDU wirft dem damaligen Koalitionspartner bis heute vor, es sei darum gegangen, kurze Erledigungen mit dem Auto unattraktiv zu machen. Nun nehmen die Christdemokraten einen neuen Anlauf: Autofahrer sollen für kurze Wege in Apotheken, Arztpraxen oder kleine Geschäfte ihr Fahrzeug ohne Gebühr abstellen dürfen. Die technische Grundlage wäre eine kennzeichenbasierte Registrierung am Automaten oder über eine App. Der im Parlament eingebrachte Antrag sieht eine kostenfreie Parkdauer von bis zu 20 Minuten vor. Der verkehrspolitische Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion, Philipp Heißner sieht in der Brötchentaste nicht nur einen Vorteil für Autofahrer, sondern auch für Einzelhändler, Apotheker oder kleine Handwerksgeschäfte, die für ihre Kunden besser erreichbar sind. Doch auch die Anwohner würden profitieren, weil die Taste einen Anreiz gegen Dauerparker an zentralen Orten setzt. Wer nicht zahlen will, beeilt sich, den Parkplatz in 20 Minuten wieder freigegeben zu haben. Moderne digitale Verfahren sollen nach seiner Darstellung helfen, Missbrauch zu reduzieren und das Parken übersichtlicher zu machen. Parkflächen sollen flexibler nutzbar sein Teil des Konzepts ist zudem, sogenannte Switch‑Flächen zeitweise für Kurzparker zu öffnen – also Stellplätze, die heute Carsharing‑ oder Bikesharing-Anbietern vorbehalten sind. „Deshalb fordern wir, dass auch Switch-Flächen, für die in den letzten Jahren hunderte Parkplätze abgeschafft wurden, für Kurzparker geöffnet werden“, sagt Heißner. Die Idee: Die Flächen sollen möglichst flexibel nutzbar sein, wenn gerade keine Sharing‑Fahrzeuge dort stehen. Ein weiterer Punkt betrifft die zahlreichen E‑Parkplätze in innerstädtischen Lagen. Viele davon sind ausschließlich Elektrofahrzeugen vorbehalten und nach Beobachtung der CDU in bestimmten Bereichen häufig ungenutzt. Heißner fordert daher Änderungen: „Starre E‑Parkplatz‑Regelungen müssen ebenfalls aufgebrochen werden, denn stundenlang leer stehende Parkplätze etwa vor Arztpraxen oder Apotheken machen wenig Sinn. Kurzparken sollte dort unabhängig vom Antrieb möglich sein, während E‑Autos beim Laden weiter privilegiert bleiben.“ Kammern und Bezirke sollen mitentscheiden In die Entscheidung, wo eine solche Lösung sinnvoll wäre, sollen die Bezirke eingebunden werden – ebenso Handelskammer, Handwerkskammer und lokale Initiativen. Sie sollen mitentscheiden können, welche Geschäftsstraßen für das kostenlose Kurzzeitparken infrage kommen und welche Zeitfenster passen. Der Antrag steht auf Tagesordnungspunkt 45 der heutigen Bürgerschaftssitzung. Eine Abstimmung darüber wird damit voraussichtlich am frühen Abend geben. Eine direkte Zustimmung der Regierungsfraktionen von SPD und Grünen gilt als ausgeschlossen, möglicherweise kann die CDU jedoch auf eine inhaltliche Auseinandersetzung im zuständigen Verkehrsausschuss drängen.