Die Hamburgische Bürgerschaft hat den Weg für den Bau der neuen Oper auf dem Baakenhöft in der Hafencity freigemacht. Das Parlament stimmte am Mittwoch mehrheitlich für den Antrag des Senats, der die Finanzierung und die Überlassung des Grundstücks regelt. SPD, Grüne, CDU und AfD votierten dafür, die Linke lehnte ab. Damit ist klar: Die Stadt hält an dem spektakulären Neubau fest, der durch Milliardär Klaus-Michael Kühne und seine Stiftung möglich gemacht wird. Geplant ist ein gläsernes Opernhaus mit einer öffentlich zugänglichen Dachlandschaft, die sich wie eine Spirale aus begrünten Terrassen über dem Gebäude erhebt. Der Entwurf stammt vom dänischen Architekturbüro Bjarke Ingels Group, das sich in einem internationalen Wettbewerb gegen vier Konkurrenten durchsetzte. Die Dachgärten sollen für alle Hamburger offenstehen und Ausblicke auf Hafen und Stadt bieten – ein Konzept, das die Jury als „gelungene Symbiose aus Opernhaus und Wahrzeichen“ lobte. In der Debatte am Mittwoch warb Kultursenator Carsten Brosda für das Projekt: „Wir haben die Chance auf ein Haus, das internationalen Maßstäben gerecht wird – mit besseren Arbeitsbedingungen und mehr Raum für Education-Programme.“ Der Siegerentwurf sei „ein Stück herausragender Architektur, prägend und zugleich offen und grün“. Das Projekt gebe Hamburg, so Brosda, „die Möglichkeit, auf den Beginn einer Zukunft zu schauen – ein Kulturort in einem Park am Fluss, mehr als ein Opernhaus, ein Haus für alle“. Eine Chance, die man ausschlagen dürfe Auch die Grünen stellten die städtebauliche Bedeutung heraus. René Gögge sprach von einer „Vernunftentscheidung – kulturell, wirtschaftlich und städtebaulich“. Dennis Paustian-Döscher ergänzte: „Es geht nicht um persönliche Vorlieben, sondern darum, eine vielfältige Kulturlandschaft zu sichern.“ Die CDU sieht im Projekt eine kommende neue Attraktion für die Stadt. Anke Frieling sagte: „Der Entwurf gefällt, er bietet einen Ort, an dem man zusammenkommen kann, auch wenn man nicht in die Oper gehen will.“ Die AfD stimmte ebenfalls zu. Eugen Seiler nannte die Beteiligung der Kühne-Stiftung „einen Glücksfall“ und sprach von einer „kulturellen Chance, die man nicht ausschlagen darf“. Finanziert wird das Projekt vor allem durch die Stiftung von Hamburg-Mäzen Klaus-Michael Kühne, die bis zu 330 Millionen Euro bereitstellen will. Die Stadt übernimmt rund 147,5 Millionen Euro für standortspezifische Kosten wie die Gründung im Boden und Flutschutz. Hinzu kommen Ausgaben für die Herrichtung des Geländes und die Sanierung des alten Opernhauses an der Dammtorstraße. Alle weiteren Risiken trägt laut Darstellung des Senats die Stiftung. Der Baubeginn ist frühestens für 2030 vorgesehen, die Fertigstellung könnte 2034 erfolgen. Bis dahin bleibt die alte Staatsoper in Betrieb; das denkmalgeschützte Gebäude nahe dem Stephansplatz soll später als Kulturort erhalten bleiben. Kritik kam von der Linken, die eine öffentliche Debatte vermisst und eine Sanierung der alten Oper gleichberechtigt geprüft sehen wollten. Der Fachsprecher der Linken für Stadtentwicklung und Erinnerungskultur Marco Hosemann sprach von „einem Verfahren, das das Vertrauen in die Demokratie beschädigt“ und warf dem Senat vor, „in Hinterzimmern mit Klaus-Michael Kühne entschieden“ zu haben. Co-Fraktionschefin Heike Sudmann nannte die Entscheidung „ein Armutszeugnis für die Demokratie“ und kritisierte, dass „keine einzige öffentliche Anhörung stattgefunden hat“. Vor der Abstimmung übergab die „Initiative zu den Opernplänen“ dem Senat 10.000 Unterschriften gegen das Projekt. Das Bündnis, dem unter anderem der Arbeitskreis Hamburg Postkolonial, das Netzwerk Hafencity und die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes angehören, kritisiert zudem ökologische Aspekte wie den hohen CO₂-Ausstoß eines Neubaus. Die Kritik richtet sich auch gegen eine NS-Vergangenheit des Unternehmens Kühne + Nagel. Die Initiative fordert eine unabhängige historische Aufarbeitung und warnt vor einem „Schlussstrich“ durch die Annahme des Geldes. Parallel dazu wird der Standort selbst als problematisch gesehen: Am Baakenhafen wurden 1904 deutsche Kolonialtruppen eingeschifft, die den Völkermord an den Herero und Nama verübten. Die beiden Bevölkerungsgruppen lebten im Gebiet des heutigen Namibia, das damals als Deutsch-Südwestafrika kolonialisiert war. Initiativen fordern, dass dieser historische Kontext angemessen berücksichtigt wird. Dass die Grünen in Person von René Gögge am Mittwoch versprachen, dass die Geschichte des Ortes am Baakenhafen deutlich gemacht werden wird, reichte den Kritikern nicht.