Das US-Militär hat einen unter russischer Flagge fahrenden Öltanker beschlagnahmt. Der Zugriff im Nordatlantik sei wegen „Verstößen gegen US-Sanktionen“ erfolgt, teilte das Europa-Kommando der US-Streitkräfte (Eucom) (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/ausland/article6941670111416590a630cfbc/washington-post-pentagon-will-europa-kommando-herabstufen-groesste-neuordnung-seit-jahrzehnten.html) am Mittwoch mit. Zuvor hatte die Nachrichtenagentur AP gemeldet, US-Streitkräfte hätten das Schiff vor Island geentert. Es handelt sich demnach um den Frachter „Bella-1“, der als sanktioniertes Schiff „die Sicherheit und Stabilität der westlichen Hemisphäre bedrohe“, so Eucom weiter. Mit der westlichen Hemisphäre ist meist der Doppelkontinent Amerika samt umliegender Inseln gemeint. Der Einsatz war demnach mit dem Justizministerium und dem für die Küstenwache zuständigen Heimatschutzministerium abgestimmt. Die Militärs hätten anschließend die Kontrolle über den Tanker an die Strafverfolgungsbehörden übergeben, hieß es weiter. Name und offenbar auch Registrierung wurden geändert Vorausgegangen war der Operation eine rund zweiwöchige Verfolgungsjagd im Atlantik. US-Präsident Donald Trump hatte im Dezember eine Blockade gegen sanktionierte Öltanker auf dem Weg von und nach Venezuela angekündigt. Der nun festgesetzte Tanker sei einer Teilblockade rund um Venezuela entkommen, berichteten US-Medien. Das Frachtschiff wurde daraufhin von der US-Küstenwache verfolgt. US-Medienberichten zufolge hatte es auf dem Weg nach Venezuela (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/ausland/article695da68a4d1d5f581eeadd85/trump-sichert-sich-zugriff-auf-venezuelas-oel-china-reagiert-mit-scharfer-kritik.html) den Kurs geändert, offenbar, um einer Durchsuchung zu entgehen. Zudem soll der Frachter auch seinen Namen in „The Marinera“ geändert haben. Die US-Streitkräfte nannten diesen Namen allerdings nicht. Nach der Kursänderung – und verfolgt durch die US-Küstenwache – soll die Besatzung auch die russische Flagge auf die Seite des Schiffs gemalt und die Registrierung geändert haben. Offenbar hat Großbritannien die USA bei der Beschlagnahmung des Öltankers unterstützt. Die britischen Streitkräfte hätten nach einer Anfrage aus Washington geplante operative Unterstützung geleistet, teilte das Verteidigungsministerium in London mit. Diese habe die Bereitstellung von Stützpunkten für US-Militärgüter sowie Luftüberwachung umfasst. Russische Militärschiffe, darunter ein U-Boot, befänden sich in der Nähe des Schiffs, hieß es in Medienberichten übereinstimmend. Moskau hat die Festsetzung des Öltankers durch die US-Armee scharf kritisiert. „Kein Staat hat das Recht, Gewalt gegen Schiffe anzuwenden, die ordnungsgemäß unter der Gerichtsbarkeit anderer Staaten registriert sind\", erklärte das russische Verkehrsministerium. Das Schiff habe am 24. Dezember eine einstweilige Genehmigung erhalten, unter dem Namen „Marinera\" unter russischer Flagge zu fahren. Auch mehrere russische Staatsbürger seien Teil der Schiffsbesatzung, meldete die russische Nachrichtenagentur Tass basierend auf Angaben aus dem Außenministerium in Moskau: „Wir fordern die USA auf, eine menschenwürdige Behandlung zu gewährleisten, ihre Rechte und Interessen strikt zu respektieren und ihre rasche Rückkehr in ihre Heimat nicht zu behindern.“ Laut dem Ministerium in Moskau brach der Kontakt zum Tanker ab, nachdem die US-Marine das Boot „auf offener See, außerhalb der Hoheitsgewässer eines Staates\" geentert habe. Russland wird von den westlichen Alliierten seit Langem beschuldigt, alte Tanker zu nutzen, um Sanktionen zu umgehen. Nach dem Einsatz vom Mittwoch gab die US-Heimatschutzministerin Kristi Noem bekannt, dass US-Streitkräfte auch den Tanker „Sophia“ in der Karibik unter ihre Kontrolle gebracht haben. Noem erklärte in einem Social-Media-Beitrag (verlinkt auf https://x.com/Sec_Noem/status/2008907194691915945) , beide Schiffe seien „zuletzt entweder in Venezuela vor Anker gelegen oder auf dem Weg dorthin“. Dem „Wall Street Journal“ zufolge wollte der Tanker „Bella 1“ / „The Marinera“ ursprünglich in Venezuela anlegen und soll derzeit ohne Fracht unterwegs sein. Das Schiff wurde bereits 2024 von den USA mit Sanktionen belegt, weil es angeblich Fracht für ein Unternehmen schmuggelte, das mit der libanesischen Hisbollah-Miliz in Verbindung stehen soll.