Jahre, in denen drei Päpste herrschten, gibt es einige. Das bislang letzte war 1978 mit Paul VI. (reg. 1963–1978), Johannes Paul I. und Johannes Paul II. (reg. 1978–2005). Die letzten Tage der Amtszeit von Gregor X. im Januar 1276 aber eröffneten das bisher einzige Jahr in der Kirchengeschichte, in dem es vier Päpste gab. Ins Amt gekommen war Gregor X. durch die längste Papstwahl der Kirchengeschichte (verlinkt auf https://www.welt.de/geschichte/article114529000/Papstwahl-Das-laengste-Konklave-dauerte-fast-drei-Jahre.html) – sie dauerte fast drei Jahre. Vom November 1268 bis zum 1. September 1271 hatten sich die 18 in Viterbo nördlich von Rom versammelten Kardinäle gestritten, ob ein Franzose oder ein Italiener auf den Stuhl Petri steigen sollte. Schließlich einigte man sich auf den Kompromisskandidaten Tedaldo Visconti (geb. 1210), der sich Gregor X. nannte. Unter den 13 Päpsten, die zwischen 1252 und 1296 den Stuhl Petri bestiegen, gilt er als der fähigste. Das zeigt auch die Maßnahme, mit der auf dem Konzil von Lyon 1274 das Wahlverfahren reformiert wurde: Ein neuer Papst sei zehn Tage nach dem Tod seines Vorgängers in einem Konklave der Kardinäle (lat. „cum clave“ = mit dem Schlüssel) zu bestimmen. Das Kollegium sollte von der Außenwelt abgeschlossen und mit gekürzten Essensrationen zu einer Entscheidung motiviert werden. Unter Gregors Pontifikat gelang es auch, das seit 1054 währende Schisma mit der (verlinkt auf https://www.welt.de/geschichte/kopf-des-tages/article239938465/Grosses-Schisma-1054-Arroganter-Kardinal-spaltet-die-Kirche-fuer-immer.html) orthodoxen Kirche für kurze Zeit zu überwinden und mit Rudolf I. den ersten Habsburger als König des Heiligen Römischen Reiches durchzusetzen. Das Zustandekommen eines neuen Kreuzzuges zur Befreiung des Heiligen Landes scheiterte jedoch am Desinteresse der weltlichen Herrscher, wie auch die vor allem politisch begründete Kirchenunion bereits 1282 wieder aufgekündigt wurde. Als Gregor X. am 10. Januar 1276 in Arezzo starb – er wurde im dortigen Dom begraben –, brachen die Machtkämpfe im Kardinalskollegium sofort wieder auf. Zwar wurde das Konklave nach den neuen Regeln zehn Tage später eröffnet. Aber der Mann, der nur einen Tag später als Innozenz V. inthronisiert wurde, erwies sich schnell als Marionette der französischen Partei. Pierre de Tarentaise (geb. 1225) aus Savoyen war der erste Dominikaner auf dem Stuhl Petri und als Professor an der Pariser Sorbonne und früherer Mitarbeiter der berühmten Theologen Albertus Magnus und Thomas von Aquin ein ausgewiesener Theologe, dem aber die Mittel fehlten, sich dem Einfluss der Kapetinger zu entziehen. So geriet er ins Fahrwasser von Philipp III. von Frankreich und seines Onkels Karl I. von Sizilien (verlinkt auf https://www.welt.de/geschichte/article189378999/Karl-von-Anjou-Mit-Manfreds-Tod-zerbricht-das-Stauferreich.html) . Dessen aggressive Politik gegenüber Byzanz war jedoch kaum geeignet, die von der orthodoxen Bevölkerung Ostroms abgelehnte Kirchenunion mit Leben zu erfüllen. Nach nur fünf Monaten und einem Tag im Amt erlag Innozenz V. am 22. Juni 1276 in Rom der Malaria. Zum dritten Papst des Jahres wählten elf Kardinäle den päpstlichen Diplomaten Ottobono Fieschi dei Conti di Lavagna (geb. um 1215) aus Genua, der sich den Namen Hadrian V. gab. Um ihn durchzusetzen, hatte Karl von Anjou in seiner Funktion als römischer Senator alle Register gezogen. So wurden seine Parteigänger im Konklave mit ausgesuchten Speisen bewirtet, während den widerspenstigen Italienern nur Wasser und Brot (verlinkt auf http://www.vaticanhistory.de/kon/html/hadrian%20v_.html) zugeteilt wurde. Dennoch dauerte es elf Tage, bis die Wahl das gewünschte Ergebnis erbrachte. Obwohl Hadrian als päpstlicher Legat sein politisches Talent in der Kirchenreform in England unter Beweis gestellt hatte, entfaltete das keine Wirkung. Denn bereits nach 38 Tagen (immerhin fünf Tage länger als Johannes Paul I. im Jahr 1978) starb Hadrian am 18. August in Viterbo, ohne je die Priester- und Bischofsweihe empfangen zu haben. Seine einzige nachgewiesene Regierungsmaßnahme war es, die Konklaveordnung Gregors X. aufzuheben. Hadrian wurde in Viterbo bestattet. Sein Nachfolger wurde eine Ausnahmeerscheinung, in doppelter Hinsicht. Pedro Juliao (geb. um 1205), der am 8. September gewählt wurde und sich Johannes XXI. nannte, war zum einen Mediziner, zum anderen bis heute der einzige Portugiese auf dem Papstthron. Bevor er in der Kurie Karriere machte, hatte er einige Jahre in einem Armenquartier von Siena gelebt, was ihn zu seinem bekanntesten Werk inspirierte: den „Thesaurus pauperum“ (Schatzkammer der Armen), eine Rezeptsammlung für weniger Privilegierte. Als Leibarzt seiner Vorgänger Gregor und Hadrian brachte er es zum Erzbischof des nordportugiesischen Erzbistums Braga. In den acht Monaten und zwölf Tagen seines Pontifikats schob er Studienreformen an Universitäten an und verfasste medizinisch-naturwissenschaftliche Texte. Um sich als Förderer der Wissenschaft zu präsentieren, erweiterte er den Papstpalast in Viterbo um eine Bibliothek. Allerdings fehlte dabei wohl die technische Expertise. Der Bau brach zusammen und verschüttete den Heiligen Vater. Sechs Tage später, am 14. Mai 1277, erlag er seinen Verletzungen und wurde wie sein Vorgänger in Viterbo beigesetzt. Bereits bei der Wahl von Johannes hatte der römische Adlige Giovanni Gaetano Orsini (1210/20–1280) die Strippen gezogen. Im neuen Konklave, das fast ein halbes Jahr dauerte, konnte er schließlich die Mehrheit seiner Kardinalskollegen für sich gewinnen und am 25. November 1277 als Nikolaus III. den Thron besteigen. In seinem Pontifikat, das immerhin zwei Jahre und neun Monate dauerte, unterstützte er den Aufstand gegen Karl von Sizilien (verlinkt auf https://www.welt.de/geschichte/kalenderblatt/article163269377/So-starben-die-Franzosen-auf-Sizilien.html) . Mit anderen Projekten bot er zahlreichen Nachfolgern ein Beispiel: Um den Glanz seiner Herrschaft zu dokumentieren, stieß er zahlreiche Bauprojekte im Vatikan und Roms Kirchen an und präsentierte sich als Kunstmäzen. Zum anderen sorgte er dafür, dass Familienmitglieder mit kirchlichen Ämtern und Pfründen alimentiert wurden. Damit wurde Nikolaus zum Wegbereiter des Nepotismus, der in der Renaissance üppige Blüten treiben sollte (verlinkt auf https://www.welt.de/geschichte/article152099477/Luxus-Sex-Orgien-die-Paepste-in-der-Kloake-Avignon.html) . Dafür hat ihm der Dichter Dante Alighieri (1265–1321) in seiner „Göttlichen Komödie“ (verlinkt auf https://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article135079949/Goettliche-Komoedie-Die-beruehmteste-Hoellentour-der-Welt-in-Bildern.html) ein boshaftes Denkmal gesetzt: Bei seiner Wanderung durch die Hölle begegnet der Erzähler in der dritten Kluft einem „Mordsgeselln, der köpflings steckt im Sand und Aufschub heischt der Todesstunde“. Seine Füße stecken „im Flammenbad“. Kopfüber aber wurden seinerzeit gedungene Meuchelmörder lebendig begraben, was als drastischer Kommentar zur Simonie, dem Ämterschacher in der Kurie, verstanden werden kann. Schon in seiner Geschichts-Promotion beschäftigte sich Berthold Seewald (verlinkt auf https://www.welt.de/autor/berthold-seewald/) mit Brückenschlägen zwischen antiker Welt und Neuzeit. Als WELT-Redakteur gehörte die frühe Kirchengeschichte zu seinem Arbeitsgebiet.