Welt 13.01.2026
08:38 Uhr

„Auf Staat verlassen können“ – Beamtenbund-Chef verteidigt Forderungen nach 300 Euro mehr im Monat


Der Tarifkonflikt für den öffentlichen Dienst hat bereits zu Warnstreiks geführt. Nun drohen weitere Arbeitsniederlegungen. Für den Beamtenbund-Chef ist klar, warum „der Staat ins Stocken gerät“: zu wenig Personal, zu viel Bürokratie und zu viele Aufgaben.

„Auf Staat verlassen können“ – Beamtenbund-Chef verteidigt Forderungen nach 300 Euro mehr im Monat

Der Beamtenbund dbb kündigt im aktuellen Tarifkonflikt um den öffentlichen Dienst (verlinkt auf https://www.welt.de/wirtschaft/article691b247e5be12c0b0e0c3022/verdi-fordert-sieben-prozent-mehr-lohn-fuer-oeffentlichen-dienst-der-laender.html) ausgeweitete Warnstreiks an, falls die Arbeitgeber kein „verhandlungsfähiges Angebot“ machen. „Wenn nicht, dann werden wir unsere Streikmaßnahmen deutlich ausweiten“, sagte dbb-Chef Volker Geyer bei der dbb-Jahrestagung in Köln. An diesem Donnerstag und Freitag findet in Potsdam die zweite Verhandlungsrunde für die mehr als 900.000 Tarifbeschäftigten der Länder statt. Nach einem ergebnislosen Auftakt treffen die Spitzen der Gewerkschaften Verdi und dbb erneut mit den Arbeitgebern zusammen. Die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) hatte die Forderungen nach sieben Prozent mehr Einkommen, mindestens aber 300 Euro mehr aber als unbezahlbar abgelehnt. Verhandlungsführer Andreas Dressel nannte sie „astronomisch“. Wo gestreikt werden könnte Geyer hielt dem entgegen, astronomisch seien nicht die Forderungen. Astronomisch seien Überstundenberge, Überlastung und Personalmangel. Nun müssten die Arbeitgeber reagieren. Ein Ergebnis müsse dann auch inhaltsgleich und zeitgleich auf die Beamtinnen und Beamten übertragen werden. „Wenn Unsicherheiten wachsen, dann wollen die Menschen keine Ausreden. Sie wollen sich auf den Staat verlassen können“, erklärte er. Genau dafür gebe es den öffentlichen Dienst. „Er ist das Rückgrat dieses Landes. Aber dieses Rückgrat wird seit Jahren überlastet: zu wenig Personal, zu wenig Mittel, zu viel Bürokratie, zu viele Aufgaben. Und dann wundern wir uns, wenn der Staat ins Stocken gerät?“ In Berlin hatte es bereits Arbeitsniederlegungen in Kitas, Schulen und Bezirksämtern gegeben. Auch teils der Straßendienst im Winter oder die Universitätskliniken könnten von Warnstreiks betroffen sein. Nicht verhandelt wird lediglich für Hessen, hier gilt ein anderer Tarifvertrag.