Welt 03.02.2026
16:09 Uhr

Angst vor Spionage – deutsche Skeleton-Piloten fuhren im Weltcup mit B-Ware


Die deutschen Skeleton-Piloten sind bei den Olympischen Spielen Medaillen-Kandidaten, obwohl es in dieser Saison bisher nicht so gut lief. Dies hat einen Grund: Der Bundestrainer bremste seine Athleten beim Material – aus Furcht vor der Konkurrenz.

Angst vor Spionage – deutsche Skeleton-Piloten fuhren im Weltcup mit B-Ware

Der Eiskanal ist traditionell bei Olympischen Winterspielen ein deutscher Medaillen-Garant. Bei den vergangenen Winterspielen in Peking gesellten sich auch die Skeleton-Piloten zu den erfolgreichen Rodlern und Bobfahrern. Christopher Grotheer raste 2022 zu Gold, Axel Jungk wurde Zweiter. Bei den Damen triumphierte Hannah Neise. Zwei Goldmedaillen – ein Kunststück, dass die Skeletonis gerne bei den Olympischen Winterspielen in Mailand und Cortina d’Ampezzo (verlinkt auf https://www.welt.de/sport/olympia/article69006d384876ac87d158c3de/olympia-2026-zeitplan-eroeffnungsfeier-sportarten-alles-zu-den-winterspielen-in-mailand-cortina.html) wiederholen würden. Ab dem 12. Februar werfen sich die Piloten im neu gebauten Eiskanal von Cortina auf ihre Schlitten. „Ich bin optimistisch. Also bei den Herren wird es schwer, das zu wiederholen, das sage ich ganz ehrlich. Da ist die Favoritenrolle anders verteilt als vor vier Jahren. Aber wir haben noch ein wenig was in petto, was wir jetzt zu Olympia rausholen. Und das war jetzt bei den letzten Testfahrten sehr, sehr, sehr positiv“, sagt Bundestrainer Christian Baude zu WELT. Der 43-Jährige will, dass Sportler und Material erst zum absoluten Saisonhöhepunkt auf Topniveau sind. Dafür hat er auch schwächere Ergebnisse bei den bisherigen Weltcup-Rennen bewusst in Kauf genommen. „Wir haben eigentlich alles zurückgehalten bis zu Olympia. Auch wenn einige nervös geworden sind, dass eben die Leistungen im Winter nicht ganz so waren, wie wir es uns gerne vorgestellt hätten. Aber ich habe das gesagt, dass wir uns bewusst zurückhalten. Um eben dann bei Olympia einen draufsetzen zu können“, sagt Baude. „Das machen alle so“, sagt der Bundestrainer Seine Athleten haben die optimierten Schlitten nur im Geheimen im Training getestet, sind diese aber nicht bei den Weltcup-Rennen gefahren – aus Angst vor Spionage. Rund um die Rennen sei es üblich, Fotos von den Schlitten der Konkurrenz zu machen, um bei der Materialschlacht vorn zu liegen. „Wenn ich sehe, der hat irgendwas anderes an seinem Schlitten und das funktioniert, dann baue ich das nach. Das machen alle so“, sagt Baude. Beim Training in Cortina werden die Deutschen auf ihren Olympia-Schlitten fahren, da die Gegner zu wenig Zeit haben, bis zum Rennen ihre Schlitten nachzurüsten: „Wenn du dir unsere Geräte vom Weltcup anschaust, gegen die, die man jetzt hier fahren, wird man einen riesengroßen Unterschied sehen.“ Schlitten, Kufen, Helm und Anzug – das Team hat an allem bis zur Perfektion gefeilt, im Eiskanal zählt jede Hundertstel. Vor allem bei Olympia. Die Weltcup-Rennen haben die Deutschen nicht verschenkt, aber eben auch nicht das Optimum herausgeholt. „Natürlich wollen die Athleten auch Weltcup-Siege einfahren“, sagt Baude. Sie seien zwischendurch nervös gewesen, dann mussten sie eingebremst und Zurückhaltung angemahnt werden: „Aber ich glaube, wenn sie wissen, dass es hier jetzt ums Große und Ganze geht, dann sind die alle fein damit. Im Endeffekt zählt nur Olympia.“