Hamburg ringt seit Jahren mit voll belegten Tierheimen – und die Mitarbeiter dort sehen regelmäßig Hunde, die kaum vermittelt werden können. Rund 700 bis 900 Tiere betreut allein der Hamburger Tierschutzverein jedes Jahr, viele davon über lange Zeiträume. Jetzt setzt die Politik einen neuen Hebel an: Wer künftig einen Hund aus einem Hamburger Tierheim übernimmt, soll drei Jahre lang keine Hundesteuer zahlen müssen. Bislang konnten Tierheimhunde lediglich im ersten Jahr ermäßigt werden – statt 90 Euro Steuer pro Jahr fielen 48 Euro an. Eine vollständige Befreiung war nicht vorgesehen. Das soll sich ab 2027 ändern. Die Hamburgische Bürgerschaft beschließt heute auf Initiative von SPD und Grünen einen entsprechenden Antrag und beauftragt den Senat das Hundesteuergesetz entsprechend zu ändern. Die Hoffnung: Die Befreiung soll die Entscheidung erleichtern, gerade schwer vermittelbaren Tieren ein Zuhause zu geben. Denn Interessierte schrecken häufig vor den möglichen Folgekosten zurück. Ältere Hunde verursachen meist höhere Ausgaben – etwa für Medikamente, Spezialfutter oder regelmäßige tierärztliche Behandlung. Für viele Tierheime bedeutet die lange Betreuung solcher Hunde eine dauerhafte Belastung der ohnehin knappen Kapazitäten. Regelungen haben etwa in Berlin zu Erfolgen geführt Andere Bundesländer haben mit ähnlichen Regelungen positive Erfahrungen gemacht. In Berlin etwa sind Halter für fünf Jahre von der Hundesteuer befreit, wenn sie einen Tierheimhund aufnehmen. Tierschutzvereine dort berichten seit Jahren von besseren Vermittlungschancen, insbesondere für ältere oder gesundheitlich vorbelastete Tiere. Auch in Schleswig-Holstein gibt es in mehreren Kommunen Ermäßigungen oder vollständige Befreiungen für adoptierte Tierheimhunde. Die Hamburger Grünen sehen die Maßnahme deshalb als wichtigen Baustein im praktischen Tierschutz. „Gerade ältere oder kranke Hunde verbringen oft mehrere Monate oder sogar Jahre im Tierheim“, sagt Lisa Maria Otte, tierschutzpolitische Sprecherin der Fraktion. Die Befreiung sei ein klares Signal an Menschen, die sich für ein Tier aus dem Tierschutz entscheiden. „Wer einem Hund aus dem Tierheim ein Zuhause gibt, verdient finanzielle Entlastung.“ Die Entscheidung könne zudem helfen, die angespannten Platzverhältnisse in den Hamburger Einrichtungen zu verbessern. Der Senat soll nun prüfen, ob zusätzlich ältere Hunde – also jene, die heute besonders schwer zu vermitteln sind – noch stärker begünstigt werden können. Ebenso soll geprüft werden, ob die Befreiung dauerhaft oder befristet gelten soll. Bis zum 30. Juni 2027 soll die Regierung dazu berichten. Der politische Impuls ist eindeutig: Hamburg will mehr Menschen motivieren, sich für einen Hund aus dem Tierschutz zu entscheiden. Die Botschaft, sagt Otte, sei bewusst deutlich formuliert: „Adopt, don’t shop.“