Welt 04.01.2026
09:02 Uhr

38.000 Haushalte im eiskalten Berlin noch immer ohne Strom


Nach einem Kabelbrand in Berlin-Lichterfelde sind 7000 Haushalte wieder am Netz, rund 38.000 bleiben bei Minustemperaturen weiter ohne Strom. Laut Senatorin Giffey wurden Hoch- und Mittelspannungskabel gezielt mit Brandsätzen beschädigt.

38.000 Haushalte im eiskalten Berlin noch immer ohne Strom

Rund 7000 vom Stromausfall betroffene Haushalte in Berlin werden seit den frühen Morgenstunden wieder mit Elektrizität versorgt. „Bis zum 4. Januar 3.23 Uhr konnten wir in mehreren Stufen rund 7000 Haushalte und 150 Gewerbe insbesondere im Bereich Lichterfelde wieder versorgen“, teilte Stromnetz Berlin in der Nacht auf seiner Webseite mit. Damit sind noch rund 38.000 Haushalte und mehr als 2000 Gewerbekunden nicht wieder am Netz. Stromnetz Berlin geht weiterhin davon aus, dass erst am Donnerstagnachmittag wieder alle betroffenen Haushalte mit Strom versorgt werden können. Der Stromausfall dauert seit Samstagfrüh an. Am Samstag hieß es, dass 10.000 Haushalte in Lichterfelde im Laufe des Tages wieder mit Elektrizität zu Hause rechnen könnten – das hatte zunächst offenbar nicht geklappt. THW hilft bei Großeinsatz nach Stromausfall in Berlin Nach dem großen Stromausfall im Südwesten Berlins ist auch das Technische Hilfswerk (THW) im Einsatz. Ehrenamtliche Einsatzkräfte aus allen zwölf Berliner Ortsverbänden und aus Brandenburg seien in den Bezirk Steglitz-Zehlendorf beordert worden, sagte ein Sprecher. Ein Teil steht zum Beispiel am S-Bahnhof Zehlendorf bereit, um Bürgern Hilfestellung zu geben. Das kann ein Anruf sein, eine kurze Aufladung des Handys oder eine Information. Spezialisten des THW bringen außerdem mobile Stromaggregate in das Gebiet. „Damit können wir eine Notversorgung von bestimmten Gebäuden sicherstellen, etwa Seniorenheime“, erläuterte der Sprecher. Die Stromaggregate unterschiedlicher Größe dienten auch als Notfall-Reserve, sollten entsprechende Anlagen etwa von Krankenhäusern ausfallen. Wieso die Reparatur so lange dauert Unterschiedliche Technologien, eine staubfreie Umgebung: Die Arbeiten nach dem Stromausfall im Südwesten Berlins sind komplex. „Wir haben einen akuten, sehr, sehr großen Schaden“, sagte Berlins Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) am Samstag in der RBB-„Abendschau“. Demnach wurden fünf Hochspannungskabel bei dem Brand am frühen Samstagmorgen zerstört, zudem einige Mittelspannungskabel. Man brauche Plusgrade, um sie zu reparieren. Es seien Brandsätze direkt unter den Kabeln platziert worden. „Die Kraft, mit der eine kontinuierliche Hitzeentwicklung und ein kontinuierlicher Brand erfolgt ist, war größer als die Kraft, die eine Kugelbombe hätte auslösen können“, sagte die Senatorin in der RBB-„Abendschau“. Und weiter: „Eine Kugelbombe hätte unseren Leitungen, so wie sie gesichert sind, nichts anhaben können.“ Ein Stromnetz-Sprecher sagte der dpa, dass derzeit an zwei Stellen gearbeitet werde: Zum einen werde die beschädigte Kabelbrücke am Teltowkanal repariert, zum anderen werde an einer provisorischen Lösung für die betroffenen Haushalte gearbeitet. Aktuell gehe man davon aus, dass die provisorische Lösung schneller fertig sei. Dafür sollen zwei Leitungen, die bisher nicht miteinander verbunden waren, zusammengeführt werden. Das sei allerdings sehr kompliziert, weil hier zwei verschiedene Kabeltechnologien im Einsatz seien: Ein Kunststoffkabel trifft auf ein Ölkabel. Für die Verbindungen der beiden Technologien brauche es speziell ausgebildete Experten, Plusgrade, eine rund 14 Meter lange, tiefe Baugrube und eine möglichst staubfreie Umgebung. Stromnetz Berlin habe viele Unterstützungsangebote bekommen, doch für diese technologische Herausforderung sei eben etwas Zeit nötig. Das Berliner Stromnetz hat laut Giffey eine Länge von etwa 35.000 Kilometern. 99 Prozent davon seien bereits unter der Erde. „Wir reden über ein Prozent, das noch oberirdisch verläuft. Es ist unser Ziel, auch dieses eine Prozent unter die Erde zu bringen“, sagte Giffey. Man werde aber immer verletzliche Stellen im Netz haben. „Unsere Kabel sind sehr gut gesichert“, sagte die Senatorin. Der großflächige Stromausfall im Südwesten Berlins mit zehntausenden betroffenen Haushalten ist nach Angaben von Giffey vorsätzlich mit Brandsätzen verursacht worden. Es handle sich „eindeutig“ um eine „Vorsatzhandlung“, sagte Giffey am Sonntag in der Bundeshauptstadt. Die betroffene Brücke am Teltowkanal, an der fünf Hochspannungs- und zehn Mittelspannungskabel zerstört worden seien, sei „mit Brandsätzen versehen worden“.