Welt 09.02.2026
14:53 Uhr

28-jähriger Syrer gesteht vor Gericht IS-Sympathie und gibt Frauen als Grund an


Ein syrischer Flüchtling hat vor dem Landgericht München I gestanden, Vorbereitungen für einen möglichen Anschlag getroffen zu haben. Der 28-Jährige räumt Kontakte in die IS-Szene ein und spricht von Radikalisierung durch Frauen.

28-jähriger Syrer gesteht vor Gericht IS-Sympathie und gibt Frauen als Grund an

Wegen der Vorbereitung eines Sprengstoffanschlags stand ein syrischer Flüchtling vor Gericht. Der 28-Jährige räumte die Vorwürfe der Anklage ein. „Ich habe nie einen konkreten Anschlagsplan gehabt“, ließ der Angeklagte vor dem Landgericht München I über seinen Anwalt erklären. Zur Wahrheit gehöre aber auch, „dass ich nicht weiß, wie weit ich abgedriftet wäre, wenn ich nicht festgenommen worden wäre“. Die Generalstaatsanwaltschaft wirft dem heute 28-Jährigen aus Aleppo vor, Anleitungen zum Bombenbau heruntergeladen und einen Anschlag auf eine Diskothek oder einen ähnlich belebten Ort beabsichtigt zu haben. Er ist unter anderem wegen Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat und vorsätzlichen Besitzes einer verbotenen Waffe angeklagt. Der Syrer war 2015 mit seiner Familie nach Deutschland gekommen. „Für die Frauen waren IS-Kämpfer wie Popstars“ Als die Ehe mit seiner Frau in eine Krise geriet, habe er sich in sozialen Medien ablenken wollen und sei da mit heiratswilligen Frauen mit Sympathien für die Terrororganisation Islamischer Staat (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/islamischer-staat/) (IS) in Kontakt gekommen. „Ich muss heute gestehen, dass ich mich von den Frauen habe mitreißen lassen“, erklärt der 28-Jährige über seinen Anwalt. „Für die Frauen waren IS-Kämpfer wie Popstars, denen sie sich an den Hals werfen wollten“, heißt es weiter. „Es klingt absurd, aber diese Frauen standen regelrecht darauf.“ Einige dieser Frauen hätten sich sogar „entblößt, wenn sie dachten, auf der anderen Seite der Kamera sitzt ein IS-Anhänger“. Darum habe er Anleitungen zum Bau von Sprengsätzen aus dem Internet heruntergeladen und zum Beweis in die Kamera gehalten. Laut Anklage bewahrte er unter anderem neun Flaschen Brenngel und potenziell explosives Kaliumchlorat aus Streichholzköpfen in seiner Wohnung im unterfränkischen Kolitzheim bei Schweinfurt auf. Außerdem wurden ein Butterflymesser und ein Schlagstock gefunden. Sein Plan soll gewesen sein, „eine unkonventionelle Spreng- oder Brandvorrichtung herzustellen, um diese für die Begehung eines Sprengstoffanschlages oder eines Brandanschlages zu verwenden und hierdurch eine Vielzahl von Personen zu töten“, sagte die Vertreterin der Generalstaatsanwaltschaft in ihrer Anklage. Das Geständnis des jungen Mannes ist Teil eines sogenannten Deals von Staatsanwaltschaft und Verteidigung mit dem Gericht. Bei einem umfänglichen Geständnis stellt die Kammer dem Angeklagten eine Strafe von höchstens drei Jahren und vier Monaten in Aussicht.