Welt 02.02.2026
15:55 Uhr

25-jähriger Täter verschwand sechs Tage vor der Tat aus seiner Unterkunft


Vor der tödlichen Tat im Hamburger U-Bahnhof Wandsbek-Markt hatte der 25-Jährige offenbar ohne feste Unterkunft gelebt. Ihm zugewiesene Wohnplätze hatte er nicht mehr genutzt. Zuvor war der Mann wiederholt wegen Konflikten und Regelverstößen aus öffentlichen Unterkünften verwiesen worden.

25-jähriger Täter verschwand sechs Tage vor der Tat aus seiner Unterkunft

Der 25-Jährige, der am vergangenen Donnerstag sich und eine 18-Jährige im Hamburger U-Bahnhof Wandsbek-Markt getötet hatte, könnte in den Tagen vor der Tat auf der Straße gelebt haben. In einer ihm Mitte Januar zugewiesenen Unterkunft im Hamburger Stadtteil Hammerbrook übernachtete er nur ein einziges Mal. Danach verliert sich seine Spur. Sechs Tage später kam es zur Tat. Wie WELT erfuhr, war dem Mann ab dem 22. Januar ein Zimmer in einer Unterkunft in der Friesenstraße 14 in Hammerbrook zugewiesen worden. „Dieses Angebot wurde von ihm, nach aktuellem Erkenntnisstand, nach einmaliger Übernachtung nicht weiter wahrgenommen“, sagte Wolfgang Arnhold, der Sprecher der Hamburger Sozialbehörde. Zuvor war Ariop A. an verschiedenen Standorten öffentlich-rechtlicher Unterbringung untergebracht: Vom 3. Juli 2024 bis 14. Mai vergangenen Jahres in der Wohnunterkunft Rodenbeker Straße im Stadtteil Bergstedt und vom 15. Mai letzten Jahres bis 21. Januar diesen Jahres in der Wohnunterkunft Holstenhofweg. Schon einmal hatte er laut Sozialbehörde die ihm zugewiesenen Unterkünfte ausgeschlagen: Von Mitte Mai bis Anfang Juni 2025 soll er mehrere Nächte in der Not-Unterkunft Pik As für obdachlose Männer in der Eiffestraße in Hamm verbracht haben. Wie der Sprecher der Sozialbehörde mitteilte, verstieß Ariop A. sowohl an der Rodenbeker Straße als auch am Holstenhofweg wiederholt gegen die Hausordnung der Unterkünfte. Dies habe „zur Verweisung aus der jeweiligen Unterkunft“ geführt. Die Verstöße umfassten „insbesondere nächtliche Ruhestörungen sowie verbale Konflikte. Am Standort Holstenhofweg eskalierte ein Konflikt zu einer körperlichen Auseinandersetzung mit einem Mitbewohner.“ Arnhold betonte, dass der Mann trotz der Verweise nicht in die Obdachlosigkeit entlassen worden sei, sondern ihm stets ein alternatives Unterbringungsangebot gemacht wurde. Dies sei in diesen Fällen so geregelt. Laut Sozialbehörde liegen aktuell keine Erkenntnisse vor, dass der Mann durch den öffentlichen Gesundheitsdienst psychiatrisch behandelt wurde. 25-Jähriger kam aus dem Flüchtlingslager Kakuma Der 25-jährige Mann mit südsudanesischer Staatsangehörigkeit reiste Mitte Juni 2024 im Rahmen eines Resettlementprogramms aus dem Flüchtlingslager Kakuma nach Deutschland ein und wurde am 3. Juli 2024 nach Hamburg verteilt, wo er eine Aufenthaltserlaubnis erhielt. Am Donnerstagabend hatte er auf dem U-Bahnhof Wandsbek-Markt die ihm mutmaßlich fremde 18-jährige Fatemeh Z. gepackt und war mit der jungen Frau vor eine einfahrende U-Bahn gestürzt. Beide starben. Die Hintergründe der Tat liegen noch im Dunkeln. Die Mordkommission ermittelt wegen eines Tötungsdelikts. Zwei Tage vor der Tat soll er in einem Bordell auf der Hamburger Reeperbahn randaliert haben. Dabei soll er auch Polizisten angegriffen haben. Die Polizei leitete ein Verfahren wegen Widerstands und gefährlicher Körperverletzung ein. Er wurde erkennungsdienstlich behandelt. Danach soll der Mann wieder auf freien Fuß gekommen sein.