Ein 17-jähriger Radfahrer ist bei einem Unfall in Hamburg-Bergedorf lebensgefährlich verletzt worden. Ein abbiegender Linienbus sei am Dienstagmittag mit dem Jugendlichen zusammengestoßen, teilte die Polizei mit. Die 56 Jahre alte Fahrerin war demnach von der Wentorfer Straße aus nach links abgebogen. Dabei sei das Heck des Busses mit dem Radfahrer kollidiert, der auf dem Weg in Richtung Bergedorfer Innenstadt unterwegs gewesen sei. Der Radfahrer erlitt den Angaben zufolge eine lebensgefährliche Kopfverletzung und mehrere Brüche. Er sei von einem Notarzt ins Krankenhaus gebracht worden. Sein Zustand sei weiterhin kritisch, hieß es. Die Ermittlungen zur Unfallursache dauern an. Die Polizei bittet Zeugen des Unfalls um Hinweise. Zahl verunglückter Radfahrer deutlich erhöht In Hamburg hat sich die Zahl der verunglückten Radfahrer in den vergangenen gut zehn Jahren deutlich erhöht, während das individuelle Risiko nur leicht schwankte. Zwischen 2010 und 2023 stieg die Zahl der im Straßenverkehr verunglückten Fahrradfahrer von 2160 auf 4037, ein Plus von rund 87 Prozent. Setzt man die Unfälle ins Verhältnis zur wachsenden Zahl der Radfahrenden, bleibt die Unfallquote aber seit Jahren relativ stabil bei etwa sechs Unfällen je 100 Radfahrerinnen und Radfahrer. Gleichzeitig meldet die Polizei für 2023 insgesamt deutlich weniger Schwerverletzte im Straßenverkehr und weniger verunglückte Radfahrende als 2022 – 58 Radfahrerinnen und Radfahrer weniger, auch dank verstärkter Maßnahmen wie mehr Kontrollen und Infrastrukturumbauten. Bei den tödlichen Fahrradunfällen zeigt sich dagegen ein klarer Negativtrend. Nachdem Hamburg zwischen 2020 und 2022 jeweils nur drei getötete Radfahrende verzeichnete, sprang die Zahl 2023 laut Verkehrssicherheitsbilanz der Polizei auf neun Todesopfer, darunter fünf bei Abbiegeunfällen. 2024 starben bereits zehn Menschen auf dem Rad, und 2025 liegt die Zahl mit elf getöteten Radfahrenden schon im Herbst so hoch wie seit mehr als einem Jahrzehnt nicht mehr – trotz insgesamt rückläufiger Unfallzahlen mit Radbeteiligung. Auffällig ist, dass besonders Kollisionen mit abbiegenden Lkw und Bussen sowie Unfälle an Kreuzungen eine zentrale Rolle spielen. Widerspruch zum Ziel der „Vision Zero“ Politisch steht Hamburg damit im Widerspruch zum selbst ausgegebenen Ziel der „Vision Zero“, also langfristig keine Toten und Schwerverletzten mehr im Straßenverkehr zu haben. Nach jedem tödlichen Unfall kündigt der Senat Detailanalysen und punktuelle Maßnahmen an, etwa geschützte Radwege („Protected Bike Lanes“), farblich abgesetzte Radfurten, vorgezogene Haltelinien, Bodenleuchten an Kreuzungen sowie Abbiegeassistenten für Lkw und Linienbusse. Kritiker in Opposition und Verbänden bemängeln allerdings, dass diese Schritte nicht ausreichen: Sie fordern ein schnelleres, flächendeckendes Netz baulich getrennter Radwege und eine bessere Erfassung spezifischer Unfalltypen wie Dooring-Unfälle, um die auffällig hohe Zahl schwerer und tödlicher Fahrradunfälle nachhaltig zu senken.