Welt 06.02.2026
22:42 Uhr

12-Jähriger soll Messerangriff auf Yosef geplant haben – 800 Trauergäste nehmen Abschied


Nach dem gewaltsamen Tod des 14-jährigen Yosef haben die Behörden einen Tatverdächtigen ermittelt: Ein 12-Jähriger soll die Tat begangen haben. Der Verdächtige soll sich gemobbt gefühlt haben. In Dormagen kamen 800 Menschen zu einer Trauerfeier zusammen.

12-Jähriger soll Messerangriff auf Yosef geplant haben – 800 Trauergäste nehmen Abschied
Die Olympischen Ringe sollen in den kommenden beiden Wochen Frieden stiften. (Foto: Pawel Kopczynski/Reuters)

Die Tötung des 14-jährigen Yosef in Dormagen soll nicht im Affekt geschehen, sondern eine geplante Tat gewesen sein. Das erfuhr die Nachrichtenagentur dpa am Freitag aus Sicherheitskreisen. Tatverdächtig ist ein 12-Jähriger. Demnach hatte es zuvor offenbar Streitigkeiten zwischen den beiden Jungen gegeben. Der 12-Jährige soll sich gemobbt gefühlt haben. Es gebe keine Hinweise darauf, dass die Tat rassistisch motiviert gewesen sei, hieß es. Der getötete 14-Jährige stammt aus Eritrea. Der tatverdächtige 12-Jährige – er soll deutscher Staatsbürger sein – befindet sich nach dpa-Informationen in der Obhut des Jugendamtes. Weitere Details nannten Polizei und Staatsanwaltschaft mit Verweis auf Jugend- und Persönlichkeitsschutz nicht, die Ermittlungen laufen weiter. „Lässt uns das Blut in den Adern gefrieren“ Dormagens Bürgermeister Erik Lierenfeld (SPD) sagte, der Tatverdächtige sei zuvor offenbar nicht polizeilich auffällig geworden. Der Kommunalpolitiker geht nach eigenen Worten davon aus, dass der gewaltsame Tod des Jugendlichen die Stadt noch lange beschäftigen werde. „Wir müssen davon ausgehen, dass unsere Stadt durch dieses Ereignis, durch diesen schlimmen Tod von Yosef, nachhaltig traumatisiert sein wird“, sagte er bei einer Pressekonferenz an einem Sportplatz der Stadt. „Dass ein Minderjähriger mutmaßlich diese Tat begangen hat, ist etwas, das uns umso betroffener macht und was uns auch das Blut in den Adern gefrieren lässt“. Der am vergangenen Mittwoch an einem See am Stadtrand von Dormagen tot aufgefundene Yosef starb an Stich- und Schnittverletzungen, wie die Polizei nach der Obduktion der Leiche mitteilten. Yosef war am Mittag des 28. Januars zuletzt lebend gesehen worden. Gegen 17 Uhr entdeckte ein Spaziergänger seine Leiche. Nach Angaben von Reportern, die mit der Mutter des Jungen sprachen, wollte das Kind angeblich nur kurz zum örtlichen Schützenverein gehen. Ermittler hatten dann bis in die Nacht hinein und am Folgetag akribisch Spuren am Fundort gesucht und gesichert. Für eine rassistische oder rechtsextreme Tat gebe es bislang keine Anhaltspunkte, so Staatsanwältin Janne Jakobek. Belohnung von 10.000 Euro ausgelobt Bereits zuvor hatten die Ermittler von einem möglichen Tötungsdelikt gesprochen und die Bevölkerung um Hinweise gebeten. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf und die Stadt Dormagen lobten jeweils eine Belohnung von 5000 Euro für entscheidende Hinweise aus, insgesamt also 10.000 Euro. Der 14-Jährige, der aus Eritrea stammt, lebte seit dem Jahr 2018 in Dormagen in einer städtischen Unterkunft. Yosef habe eine örtliche Schule besucht und sei voll in die Stadtgesellschaft integriert gewesen, zudem war er im örtlichen Fußballverein aktiv. „Yosef war ein äußerst beliebter Junge, der nicht nur im Verein, sondern auch in der ganzen Dorfgemeinschaft hochgeschätzt wurde. Sein strahlendes Lächeln und sein außergewöhnlicher Teamgeist haben ihn zu einem wertvollen Mitglied in unserem Verein gemacht“, hieß es auf der Homepage. „Diese Tat wird eine Wunde hinterlassen“ Am Freitagnachmittag kamen rund 800 Trauergäste auf dem Fußballplatz des FC Delhoven in Dormagen zusammen, um von Yosef (14) Abschied zu nehmen. Viele Trauernden trugen ein Foto vom lachenden Yosef. Dormagens Bürgermeister Erik Lierenfeld (SPD) sprach die Hinterbliebenen an: „Ihr seid nicht allein. Wenn Unrecht geschieht, muss die Gesellschaft zusammenhalten, um zu zeigen: So nicht! Euren Schmerz können wir nicht in Worte fassen. Unsere heile Welt hat heute einen Riss bekommen“, sagt der Bürgermeister. „Für unsere Gemeinschaft in unserer Stadt wird es nicht mehr dasselbe sein, wie vor dieser Zeit. Diese Tat wird eine Wunde hinterlassen, die vermutlich nie ganz geschlossen wird.“ Geistliche mehrerer Kirchen beteten in einem Gottesdienst: „Wir beten für Yosef, der viel zu früh und unerwartet aus dem Leben gerissen wurde. Wir beten für alle Jugendlichen, die Yosef kannten, die Angst haben und sich leer fühlen.“ Dann ertönt ein Lied der Sängerin Rihanna, das Yosef gerne gehört habe: „Shine bright like a diamond.“ (Strahle wie ein Diamant). Schülersprecherin: „Yosef war ein toller Mensch“ Schülersprecherin Luisa aus der neunten Klasse rührte noch mehr Menschen zu Tränen. „Yosef war ein toller Mensch, den man nicht so leicht vergisst. Er hatte immer ein Lächeln im Gesicht. Sein Lächeln hat über den ganzen Schulhof gestrahlt.“ Zeitweise versagte ihr die Stimme. Als Klassensprecher habe er sich noch vor wenigen Tagen Rat bei ihr geholt. Eine Nachbarin erinnerte daran, wie Yosef vor acht Jahren „mit seiner Mama und seiner kleinen Schwester aus Eritrea nach Deutschland kam“. „Sie kamen mit dem Wunsch nach Sicherheit und Frieden“, sagte die Frau. Die Jugendwartin des Hundevereins, in dem er Mitglied war, sagte: „Du warst ein Mensch mit einer unglaublich positiven Lebenseinstellung. Dein wunderbares Lächeln war ansteckend und warm.“ Sein größter Traum sei gewesen, bei den deutschen Jugendmeisterschaften im Hundesport teilzunehmen. Er habe studieren und Arzt werden wollen. Seine Mannschaftskameraden vom Fußballverein FC Delhoven, wo Yosef Torwart war, schossen symbolisch ein Tor für ihn. „Mit ihm gab es nie Streit, er war immer nett und auch nach Niederlagen nie frustriert“, sagten sie. An der Schule, die Yosef besuchte, soll das Psychologen-Team verstärkt werden. Der Schulgemeinschaft werde Betreuung und Beratung angeboten, teilte das NRW-Schulministerium mit. „Die betroffene Schule wird von einem Team von Schulpsychologinnen und Schulpsychologen aus dem Regierungsbezirk und der Bezirksregierung Düsseldorf so lange wie nötig begleitet und unterstützt“, sagte NRW-Schulministerin Dorothee Feller (CDU).