SpOn 03.01.2026
14:58 Uhr

»Wicked«-Komponist Stephen Schwartz will nicht mehr im Kennedy Center auftreten


Immer mehr Musiker weigern sich, nach der Übernahme durch Trump-Getreue im Washingtoner Kulturzentrum zu performen – jetzt auch Oscargewinner Stephen Schwartz. Er sei allerdings gar nicht gebucht gewesen, behauptet die neue Leitung.

»Wicked«-Komponist Stephen Schwartz will nicht mehr im Kennedy Center auftreten

»Auf keinen Fall würde ich da jetzt noch einen Fuß hineinsetzen«, schrieb Stephen Schwartz am Freitag laut US-Medium »Newsday« in einer Mail. Der 77-jährige Broadway- und Kino-Komponist, der unter anderem die Musik zum Hit-Musical »Wicked« schrieb, ist der bisher prominenteste Künstler, der sich weigert, künftig noch im Kennedy Center in Washington, D.C., aufzutreten.

Das bedeutende Kunst- und Kulturzentrum, dem ikonischen US-Präsidenten John F. Kennedy gewidmet, einem Demokraten, wurde im vergangenen Jahr im andauernden Kulturkampf seiner Regierung von US-Präsident Donald Trump übernommen, in dem er sich selbst zu einem der Vorsitzenden des Zentrums machte. Als neuen Präsidenten installierte Trump den ehemaligen US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, einen konservativen Hardliner, der treu auf Trumps Linie ist. Ziel der Übernahme ist es offenbar, die als linksliberal geltende Kulturinstitution auf die reaktionären Werte der MAGA-Bewegung einzunorden. Dagegen regt sich Protest aus der Musik- und Kulturszene.

Umbenanntes Kennedy Center in Washington: »Nicht mehr unpolitisch«

Umbenanntes Kennedy Center in Washington: »Nicht mehr unpolitisch«

Foto: Bonnie Cash / UPI Photo / IMAGO

Nach eigener Aussage sollte Schwartz im kommenden Mai als Gastgeber einer Gala im Kennedy Center auftreten. Am Freitag erklärte er, dass er für die Veranstaltung nicht mehr zur Verfügung stehe. In einer Erklärung gegenüber der »New York Times« verwies Schwartz auf seine langjährige Zusammenarbeit mit dem Kennedy Center und sagte, dass es »als unpolitischer Ort für die freie künstlerische Entfaltung von Künstlern aller Nationalitäten und Ideologien gegründet wurde«.

Doch damit sei es nun vorbei. »Es ist nicht mehr unpolitisch, und dort aufzutreten, ist mittlerweile zu einer ideologischen Aussage geworden«, sagte er. »Solange das so bleibt, werde ich dort nicht auftreten.«

Schwartz gewann für seine Musik zum Animationsfilm »Pocahontas« sowie einen Song für den Film »The Prince of Egypt« insgesamt drei Oscars. Für seinen »Wicked«-Soundtrack gewann er 2024 einen seiner insgesamt drei Grammy Awards. Das Musical wurde gerade erfolgreich in zwei Teilen fürs Kino verfilmt , die Hauptrollen spielen Cynthia Erivo und Pop-Sängerin Ariana Grande.

Der »New York Times« sagte Schwartz, dass er Ende 2024 von Francesca Zambello, der künstlerischen Leiterin der Washington National Opera, gebeten worden sei, im Mai dieses Jahres an der Gala im Kennedy Center teilzunehmen. Zambello bestätigte das gegenüber der Zeitung. Schwartz selbst gab jedoch zu, dass seine letzte Kommunikation zu dem Thema aus dem vergangenen Februar stammt. Seitdem wurde das Leitungsgremium des Centers von der Trump-Regierung weitgehend ausgetauscht, zuletzt votierte es dafür, Trumps Namen zur offiziellen Bezeichnung des Kennedy Centers hinzuzufügen.

Roma Daravi, Vizepräsidentin für Öffentlichkeitsarbeit des Kennedy Centers, erklärte in einer Stellungnahme, dass die Schwartz-Teilnahme »nie diskutiert oder bestätigt wurde«, zudem habe es nie einen Vertrag »mit der aktuellen Führung des Trump Kennedy Centers« gegeben. Ruppiger im Ton wurde Grenell, der auf X schrieb, dass »die Berichte über Stephen Schwartz völlig falsch sind« und erklärte, dass der Komponist »nie unter Vertrag genommen wurde und ich seit meiner Ankunft nie ein einziges Gespräch über ihn geführt habe«.

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Das Kennedy Center hatte laut »New York Times« seit vergangenem Frühjahr auf seiner Website  mit der Schwartz-Teilnahme an der Gala geworben, am Freitagabend sei sein Name jedoch nicht mehr aufgeführt gewesen. »Erleben Sie in diesem spannenden Konzert, wie die Verbindungen zwischen Musiktheater und Oper lebendig werden!«, bewirbt die National Opera ihre Gala.

Mehrere andere Künstler haben im vergangenen Monat öffentlich ihre Abkehr von der neuen Leitung des Kennedy Centers zum Ausdruck gebracht. Der Jazzmusiker Chuck Redd sagte sein Weihnachtskonzert ab, das er seit fast zwei Jahrzehnten dort veranstaltet hat, das Jazzseptett The Cookers zog sich von zwei Silvesterkonzerten zurück. Die Tanzkompanie Doug Varone and Dancers und die Folksängerin Kristy Lee gaben ebenfalls bekannt, ihre geplanten Veranstaltungen abgesagt zu haben.

bor