Die Bezeichnungen »Veggieburger« und »Tofu-Wurst« sollen in der EU weiter erlaubt bleiben. Darauf haben sich Unterhändler der Mitgliedstaaten und des Europaparlaments in Brüssel geeinigt. Andere vegetarische Produkte dürften demnach künftig aber nicht mehr mit Begriffen beworben werden, die sich auf Tierarten oder bestimmte Fleischstücke beziehen – etwa »Veggie-Hühnchen« oder »Tofu-Rippchen«.
Der Kompromiss muss noch formell vom Europaparlament und den EU-Staaten angenommen werden. Er ist das Ergebnis langer Verhandlungen und greift den ursprünglichen Vorschlag der EU-Kommission wieder auf, den das Europaparlament deutlich verschärft hatte.
Für die Veggiebranche bedeuten die abgeschwächten Namensänderungen dennoch eine drastische Einschränkung. William Trautmann vom Lobby- und Branchenverband BALPro teilte dem SPIEGEL mit: »Nach der nun getroffenen Entscheidung droht der Branche ein tiefer Einschnitt. Interne Schätzungen von BALPro beziffern die Kosten für den deutschen Markt auf bis zu 250 Millionen Euro.« Der Verband fordere zudem »rechtssichere Auslegungshilfen« und »praktikable Übergangsregelungen« vom Bundeslandwirtschaftsministerium und kündigte an, rechtliche Schritte gegen das Vorhaben zu prüfen.
EVP-Fraktion brachte Vorstoß ins Parlament ein
In der Debatte hatten Befürworter eines strengeren Vorgehens argumentiert, Verbraucherinnen und Verbraucher sowie Landwirte müssten besser geschützt werden. Konkret sollten demnach Begriffe wie »Steak», »Schnitzel», »Burger» und »Wurst» nur noch für Tierprodukte verwendet werden dürfen. Die EVP-Fraktion, zu der auch CDU und CSU gehören, hatte den Vorstoß im EU-Parlament eingebracht. Federführend verantwortlich war die französische Abgeordnete Céline Imart.
Deutsche Unionsabgeordnete stimmten in einer ersten Verhandlungsrunde mit wenigen Ausnahmen zwar gegen ein solches Verbot – eine ausreichende Mehrheit im Parlament gab es trotzdem. Die Ja-Stimmen kamen vor allem von Fraktionen rechts der Mitte. Damit die Vorgaben in Kraft treten können, ist aber eine Mehrheit auch unter den EU-Staaten nötig. Die fehlte.
Gegner – darunter auch Deutschland – warnten vor hohen Umstellungskosten und zusätzlicher Bürokratie. Bundesagrarminister Alois Rainer (CSU) sagte im Oktober, ein Verbot würde »unglaublich hohe Kosten für die Wirtschaft« sowie Bürokratie verursachen. »Ich stehe für Bürokratieabbau, deshalb unterstütze ich diesen Vorschlag nicht.« Wer ein Veggie-Schnitzel kaufe, wisse, dass es nicht aus Fleisch ist.
Auch Verbraucherschützer und Wirtschaftsvertreter lehnten das Vorhaben ab. Deutschland ist nach Angaben von Wirtschaftsvertretern der größte Markt für pflanzliche Alternativprodukte in Europa.
In Deutschland stieg die Produktion vegetarischer oder veganer Fleischalternativen nach Angaben des Statistischen Bundesamts auf 126.500 Tonnen im Jahr 2024. Der Wert der Fleischproduktion lag zugleich deutlich höher als der von Fleischalternativen.
Der Chef des Herstellers Rügenwalder Mühle hatte vor den Folgen eines Verbots gewarnt. Was das für das Unternehmen bedeuten würde, lesen Sie hier .
