SpOn 18.01.2026
16:40 Uhr

»Tatort« heute aus Stuttgart: »Ex-It« mit Lannert und Bootz im Schnellcheck


Was vom Glamour bleibt, wenn die Fotografen weg sind: Der schwäbische »Tatort« leuchtet die Welt einer ehemaligen Internetberühmtheit aus – mit ein bisschen Zärtlichkeit und viel Zynismus.

»Tatort« heute aus Stuttgart: »Ex-It« mit Lannert und Bootz im Schnellcheck

Das Szenario:

Auf dem Boulevard der Dämmerung. Pony Hübner (Kim Riedle) war einst von ihrem Ehemann (Hans Löw), Besitzer eines kleinen Verlags, zu einem Internetstar der ersten Stunde aufgebaut worden. Ein kleines Nipplegate und gelegentliche Catfights mit anderen YouTube-Stars halfen beim Aufstieg. An die neue Insta-Ära hat das einstige It-Girl nie den Anschluss geschafft. Als Pony mal wieder zu viel getrunken hat, wird ihr das Auto samt Kindern darin gestohlen und im Neckar versenkt – die kleine Tochter stirbt, der Sohn verschwindet spurlos. Bei ihren Untersuchung begegnen die Kommissare Bootz (Felix Klare) und Lannert (Richy Müller) einem Paar, das in wonniger Verachtung aneinanderklebt.

Der Clou:

Was vom Glamour bleibt, wenn die Fotografen weg sind. Dieser »Tatort« erzählt von einer Frau, die sich nur in der medialen Spiegelung wahrnehmen kann und die darauf angewiesen ist, dass ihr Mann diese Spiegelung herstellt; auch um den teuren Lifestyle zu finanzieren, der nur über die Vermarktung via Internet und Presse funktioniert. Die Symbiose wird im Film visuell und rhetorisch klug ausgeleuchtet – der grausame Kindstod gerät dabei aber über Strecken zu sehr in den Hintergrund.

Szene mit Kim Riedle und Hans Löw: »Irgendwas zwischen Verleger, Social-Media-Manager und Arschloch«

Szene mit Kim Riedle und Hans Löw: »Irgendwas zwischen Verleger, Social-Media-Manager und Arschloch«

Foto: Benoît Linder / SWR

Der Auftritt:

Hans Löw als abgefeimter Sternchen-Macher. Im Film definiert sich die Figur als »irgendwas zwischen Verleger, Social-Media-Manager und Arschloch«. Löw, der mit Spielpartnerin Kim Riedle auch schon in dem Netflix-Hit »Liebes Kind«  zu sehen gewesen ist, gelingt es, hinter dem Zynismus des Abzockers immer wieder Zärtlichkeit und Wahrhaftigkeit aufblitzen zu lassen.

Das Bild:

Daheim in einem 400-Quadratmeter-Sakrophag. Die Villa des Paares ist vollgestellt mit dem schönsten Dekor – und doch wirkt sie, als existiere sie nur, damit man sich auf den schönen Chaiselongues darin zum Sterben hinlegen kann. In der härtesten Szene geht es ganz konkret um Särge: Da muss die Frau entscheiden, wie die Tochter beerdigt werden soll.

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Der Song:

»I Feel Cream« von Peaches . In einer halsbrecherischen Aktion versucht sich das Ex-Sternchen in einem Klub ausgerechnet zu diesem kinky Track den Schmerz wegzutanzen. »Pet that cat / Suck that fag / Mack that mag«. Wie geht Trauer, wenn man Gefühle nur im Spiegel eines sensationslüsternen Publikums ausleben kann?

Die Bewertung:

6 von 10 Punkten. Als Beziehungsdrama aus der Influencerinnen-Welt ist dieser »Tatort« ein Füllhorn an starken Szenen – als Trauerspiel um den Verlust eines Kindes läuft er ins Leere.

Die Analyse:

Lesen Sie bitte hier weiter!

»Tatort: Ex-It«, Sonntag, 20.15 Uhr, Das Erste

Fotostrecke

Kommissar-Karussell: Alle »Tatort«-Teams im Überblick

Foto: HR