»Ich will hier weg, ich will zu meinem Papa!« Diese Worte am Schluss des zweiten Frankfurter »Tatorts« mit neuem Team hallten noch lange nach. Sie wurden von einem Mädchen gesprochen, das viele Jahre als vermisst gegolten hatte, aber von einem ihr eigentlich fremden Mann aufgezogen worden war. Die leibliche Mutter (Maren Eggert), die in ihrer Verzweiflung Kommissarin Maryam Azadi (Melika Foroutan) und den Kollegen Hamza Kulina (Edin Hasanović) angetrieben hatte, das verlorene Kind zu suchen, musste diesen brutalen Satz hinnehmen.
Was für ein Glück, was für ein Schmerz: Ihre Tochter war am Leben, aber sie fühlte sich nicht mehr als ihre Tochter.
Der Krimi folgte der Spur der Vermissten durch ein Labyrinth, in dem Licht nicht immer Erkenntnis oder Erlösung bedeutete. Ein Teil der Handlung spielte in einer Sekte, deren Mitglieder glaubten, sich allein durch die Kraft der Sonne ernähren zu können. Die Kinder der Sekte wurden bei Fehlverhalten in einen dunklen Raum gesperrt. Auch das vermisste Mädchen hatte hier gelebt, bevor sie der Mann, den sie jetzt ihren Vater nannte, dort herausholte.
In unserer Kritik schrieben wir: »Die erste Folge litt noch ein wenig darunter, dass zu viel erklärt werden musste über das neue Team und ihre spezifische Arbeit an sogenannten Altfällen. Um die Bedeutung der Cold-Case-Arbeit zu erhöhen und ihre Dringlichkeit darzustellen, ging es ausführlich um das Trauma des bosnischstämmigen Ermittlers Kulina, der seinen Bruder beim Genozid von Srebrinica verlor, der 1995 von Serben an muslimischen Bosniaken begangen wurde. In der aktuellen Folge kommen die Hintergrundinformationen über das Ermittlungsduo wie nebenbei in die Handlung. Etwa als wir erfahren, dass Azadi einen Sohn hat, mit dem sie nach einem besonders düsteren Ermittlungstag einen kurzen Telefoncheck auf Persisch macht. Auf einmal schleicht sich hier eine große Zärtlichkeit in die Nacht. Es gibt derzeit wohl kein deutsches TV-Revier, in dem weniger geschwafelt und mehr verkörpert wird, als in dem Frankfurter.«
Wir gaben 10 von 10 Punkten. Was halten Sie von dem Krimi?
Um die Produktion schlanker und mobiler zu halten, ist man in der ARD jetzt zum Teil dazu übergegangen, gleich zwei Sonntagskrimis hintereinander abzudrehen. So ist es auch beim Frankfurter »Tatort«. Im Anschluss an die Folge »Licht« entstand im letzten Frühjahr auch noch eine Folge mit dem Titel »Fackel«. Es geht darin um einen weit zurückliegenden Brand in einem Sozialbau, der nie aufgeklärt wurde. Der Fall wird im nächsten Jahr ausgestrahlt.
