Leben und Kunst – für die fragilen Künstler war das in dem aktuellen Opern-»Tatort« zuweilen eins. In einer rückblickenden Szene sahen wir, wie ein in seinem Begehren zurückgewiesener Countertenor scharfe Munition in eine Pistole steckte, um sich auf der Bühne von der unwissenden Sopranistin, die ihn verschmäht hatte, erschießen zu lassen. Die Szene war Teil eines Librettos, das ein Death-Metal-Musiker verfasst hatte.
Doch der Sänger war nur einer von drei Toten. Bei der Aufklärung der Todesfälle stolperten Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Schenk (Dietmar Bär) durch die Kulissen und Requisiten der Kölner Oper und sprachen vor allem mit den Arbeiterinnen und Arbeitern in den Gewerken. Darunter auch die patente Hausmeisterin – die, wie sich später herausstellte, die leibliche Mutter des Countertenors war. Sie war es auch, die hinter den beiden anderen Todesfällen stand.
In unserer Kritik schrieben wir: »Dieser Tatort ist robust sarkastisch im Angang und emotional überschäumend im Abgang. Das Drehbuch stammt von Wolfgang Stauch, Regie führte Torsten C. Fischer. Das Duo verantwortete bereits einige besonders raffinierte Fälle mit Schenk und Ballauf, die in abgehalfterten Künstlermilieus spielten. Etwa den um den Seifenopernschauspieler und Veterinärsdarsteller, bei dem verschiedene Versionen des Jazz-Evergreens ›Autumn Leaves‹ in die Handlung eingeflochten waren. Bei aller Lust am bösen Witz nehmen Stauch und Fischer auch diesmal ihren musikalischen Stoff ernst. Das Libretto zur Death-Metal-Oper samt schwierigen Countertenor-Passagen schrieb Stauch mit dem Filmkomponisten Daniel Hoffknecht. Die meiste Musik stammt aber aus Haydns Oratorium ›Die Schöpfung‹, das trotz der Mordermittlungen von Chor und Orchester geprobt wird. Besonders die erste Hälfte ist behände und mit knackigen Dialogen inszeniert. … Bühnentod und echter Tod sind zuweilen übereinander gelagert. Singend stirbt es sich nun mal am schönsten.«
Wir gaben 8 von 10 Punkten. Was sagen sie zu dem Krimi?
Auf den Köln-»Tatort« folgt am nächsten Sonntag ein Fall aus Stuttgart. Auch der wurde von Drehbuchautor Stauch verfasst. Es geht darin um ein früheres It-Girl, eine verblasste Internetberühmtheit, deren Sohn entführt worden ist. Titel: »Ex-it«
Weitere Köln-»Tatorte« sind ebenfalls schon abgedreht. In einem geht es um den Raubmord in einer Biobäckerei. Arbeitstitel: »Die guten Leute«.
