Der wegen Sexualvergehen verurteilte US-Rapper Sean »Diddy« Combs hat der Streamingplattform Netflix vorgeworfen, für ein Dokumentarprojekt über sein Leben gestohlenes Videomaterial verwendet zu haben. Die vierteilige Serie namens »Sean Combs: The Reckoning« bezeichnete er als »blamable Schmutzkampagne«, im Original benutzte er die Worte »shameful hit piece«.
Produziert wurde die Serie von Combs’ einstigem Kollegen und langjährigem Rivalen, dem Rapper Curtis »50 Cent« Jackson. Sie soll laut Ankündigung die Geschichte eines mächtigen Mannes und seines Imperiums erzählen – sowie die Schattenwelt, die sich direkt darunter verbarg, heißt es in einer Mitteilung. Ehemalige Weggefährten, Freunde aus Kindertagen, Mitarbeiter und Künstler kämen zu Wort.
Über einen Sprecher ließ Combs nun ausrichten, dass Filmmaterial, darunter »private Momente, Material aus einem unvollendeten Projekt vor der Anklageerhebung und Gespräche über die Rechtsstrategie«, unrechtmäßig beschafft worden sei. Ein am Montag veröffentlichter Netflix-Teaser für die Serie bestätige, dass sich der Streamingdienst »auf gestohlenes Filmmaterial stützt, dessen Veröffentlichung nie genehmigt wurde«, heißt es in der Erklärung von Combs’ Sprecher.
»Wir verlieren«
In der Serie, die ab Dienstag veröffentlicht wird, ist Combs auch in den Tagen vor seiner Verhaftung zu sehen. Eine Szene aus dem jüngst veröffentlichten Teaser zeigt ihn bei einem Telefonat in einem Hotelzimmer. »Wir verlieren«, sagt er da und verlangt nach »jemandem, der mit uns zusammenarbeiten wird, und der sich mit den schmutzigsten der schmutzigen Geschäfte auskennt«.
Regisseurin Alexandria Stapleton hatte zuvor bereits über die Herkunft des Videomaterials gesprochen. »Es kam zu uns, wir haben das Material legal erworben und verfügen über die erforderlichen Rechte«, wird sie in einer Netflix-Mitteilung zitiert. Auch gegenüber dem »Hollywood Reporter« sagte Stapleton, dass die Aufnahmen »völlig legal« beschafft wurden.
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Combs war Anfang Juli teilweise schuldig gesprochen worden: Geschworene befanden ihn nur im Zusammenhang mit Nötigung zur Prostitution von Frauen schuldig – dem am wenigsten schwerwiegenden Anklagepunkt. Zu den Anklagepunkten der Verschwörung zur Organisierten Kriminalität und des Menschenhandels entschieden die Geschworenen auf unschuldig (mehr dazu, warum das ein klarer Sieg für Combs und sein Team war, erfahren Sie hier ). Im Oktober wurde dann das Strafmaß verkündet: vier Jahre und zwei Monate Haft.
Warum das Urteil gegen den US-Rapper niemanden zufriedenstellen kann, lesen Sie hier .
