SpOn 03.02.2026
09:51 Uhr

»Reporter ohne Grenzen« berichtet über Angriffe auf Journalisten in Ostddeutschland


Die Organisation »Reporter ohne Grenzen« mahnt vor einer steigenden »Feindseligkeit« gegenüber Journalisten. Für manche Einsätze in den ostdeutschen Bundesländern sei der Schutz durch Sicherheitsdienste notwendig.

»Reporter ohne Grenzen« berichtet über Angriffe auf Journalisten in Ostddeutschland

Die Stimmung gegenüber Journalisten in Ostdeutschland wird zunehmend feindseliger, das beklagt die Organisation »Reporter ohne Grenzen«. Insgesamt 15 Angriffe auf Reporter gab es demnach im vergangenen Jahr in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, wie aus dem am Dienstag veröffentlichten Bericht »Nahaufnahme: RSF-Report zur Lage der Pressefreiheit in Deutschland«  hervorgeht.

In Berlin gab es 20 dokumentierte Angriffe, laut den Autoren des Reports unter anderem deshalb, weil in der Hauptstadt zahlreiche Medienhäuser ansässig sind. Sachsen liegt mit neun Vorfällen an zweiter Stelle. In Sachsen-Anhalt wurden fünf Attacken dokumentiert, in Thüringen gab es laut Bericht einen belegten Vorfall. Bundesweit hat »Reporter ohne Grenzen« 55 Angriffe auf Journalisten und Redaktionen dokumentiert, im Vorjahr waren es 89. Die Organisation geht aber von einer hohen Dunkelziffer aus. Die meisten Attacken waren physische Angriffe, wie Tritte oder Schläge. Zudem wurden drei Sachbeschädigungen an Redaktionsgebäuden und sechs Cyberattacken erfasst.

Schutz durch Sicherheitsdienste und Polizei nötig

Für ihre Analyse hat die Organisation zudem weitere Studien ausgewertet. Demnach sind besonders Lokaljournalisten in Sachsen und Thüringen bei Recherchen im rechtsextremen Milieu »extremer Feindseligkeit« ausgesetzt. Zwei Drittel der Befragten berichteten »von körperlichen Angriffen, bis hin zu an die Privatadresse verschickten Gewalt- und Todesdrohungen«. Durchgeführt wurde diese Studie durch das »European Centre for Press and Media Freedom« und den Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger.

Laut einem Forschungsprojekt der TU Dresden seien Berichte über rechtsextreme Montagsproteste in Ostdeutschland für Pressevertreter »nur unter erheblichem Risiko« möglich gewesen. Reporter seien dafür auf Schutz durch private Sicherheitskräfte oder die Polizei angewiesen. Nur noch wenige Journalisten würden sich »ohne ein solides Schutzkonzept zu Aktivitäten der rechtsextremen Szene« begeben.

Razzia nach Attacke auf Journalisten in Berlin

Der Report erwähnt unter anderem einen Angriff auf zwei Journalisten in Berlin, nachdem diese im vergangenen August vom Christopher Street Day in Bautzen berichtet hatten. Dort hatte es rechte Gegenproteste gegeben. Im September gab es deshalb eine Razzia in acht Wohnungen von mutmaßlichen Mitgliedern der rechtsextremen Gruppe »Deutsche Jugend voran« in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern.

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fwu/dpa/AFP