SpOn 19.05.2026
16:48 Uhr

»Married At First Sight« : Britischer Sender Channel 4 nimmt Reality-Show nach Missbrauchsvorwürfen aus dem Programm


Drei Frauen berichten nach ihrer Teilnahme an einer britischen Reality-Serie von sexueller Gewalt. Der Sender weist die Vorwürfe zurück, entfernte die Show jedoch aus dem Programm.

»Married At First Sight« : Britischer Sender Channel 4 nimmt Reality-Show nach Missbrauchsvorwürfen aus dem Programm

Der britische Sender Channel 4 hat nach Missbrauchsvorwürfen die Dating-Show »Married at First Sight« (auf Deutsch: Hochzeit auf den ersten Blick) vorerst aus seinem Programm genommen. Im Raum stehen Vorwürfe der sexuellen Gewalt. Alle früheren Staffeln der Sendung sind sowohl aus dem Streamingangebot als auch aus den linearen Diensten entfernt worden, wie der Sender mitteilte.

Das Konzept: Singles lernen sich in Sendung am Hochzeitstag kennen

Am Montagabend hatte ein Bericht der BBC  für Aufsehen gesorgt. Zwei Frauen geben darin an, während der Dreharbeiten der Sendung vergewaltigt worden zu sein, eine dritte schilderte sexuelles Fehlverhalten.

In der von der Produktionsfirma CPL produzierten Show werden Singles von einem Expertenteam einander zugeordnet und lernen sich erst am Tag ihrer »Hochzeit« kennen. Die dort geschlossenen Ehen sind rechtlich nicht bindend, aber die Zuschauer verfolgen, wie die Paare in die Flitterwochen fahren, zusammenziehen und ihren Alltag als Paar gestalten – begleitet von fast täglichen Dreharbeiten. Die BBC bezeichnet das Format als »gewagtes soziales Experiment«, weil Singles sich bereit erklären, völlig Fremde zu »heiraten«, denen sie bei dieser inszenierten Hochzeit zum ersten Mal begegnen.

»Im April wurden Channel 4 schwerwiegende Vorwürfe gegen eine kleine Anzahl ehemaliger Teilnehmer vorgelegt, Vorwürfe, die diese Personen nach unserem Verständnis bestreiten«, heißt es in der Stellungnahme des Senders . Bereits im April sei eine externe Untersuchung zum Wohlbefinden der Teilnehmer in Auftrag gegeben worden. Zumindest bis zum Ergebnis der Untersuchung und auch um Spekulationen zu vermeiden, habe man die Sendung aus dem Programm genommen.

Channel 4: Haben »schnell und angemessen« gehandelt

Eine namentlich genannte Teilnehmerin schilderte der BBC, ihr »Match« sei während der Dreharbeiten beim Sex zu weit gegangen und habe eine Grenze überschritten. In einer Erklärung wies der Teilnehmer laut BBC »jegliche Vorwürfe des sexuellen Fehlverhaltens« zurück. Laut dem Sender soll das Produktionsteam einige Tage nach dem Vorfall informiert worden sein. Kurz darauf wurde das Paar BBC zufolge wegen Bedenken über eine potenziell ungesunde Beziehung aus der Show genommen.

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Im Raum stehen im Zuge der Vorwürfe auch mögliche Versäumnisse bei den Schutz- und Betreuungsmaßnahmen. Channel 4 sei der Ansicht, dass bei Bedenken hinsichtlich des Wohlergehens der Teilnehmer schnell und angemessen gehandelt wurde, sagt Geschäftsführerin Priya Dogra laut der Stellungnahme des Senders. »Gegenteilige Behauptungen« weise man »entschieden zurück«. Auch Anwälte der Produktionsfirma erklärten demnach, man habe angemessen gehandelt.

atz / dpa