Jan Zimmermann ist tot. Der Internetstar sei in den Abendstunden des 18. Novembers in seiner Wohnung in Königswinter leblos aufgefunden worden, teilte die Polizei Bonn auf SPIEGEL-Anfrage mit. Zuvor hatten bereits verschiedene Medien über seinen Tod berichtet. Von der Polizei hieß es am Montagnachmittag noch, Freunde von Zimmermann hätten sich zuvor Sorgen gemacht, weil sie ihn schon seit Längerem nicht mehr hätten erreichen können. »Wie in solchen Fällen üblich haben wir ein Todesermittlungsverfahren eingeleitet«, erklärte ein Sprecher. Dieses sei rasch abgeschlossen werden. Bei der Obduktion hätten sich keine Hinweise auf Fremdverschulden ergeben.
Zimmermann wurde 27 Jahre alt, er ist einer der berühmtesten deutschen Webstars. Bekannt gemacht hat ihn vor allem der YouTube-Kanal »Gewitter im Kopf« , der heute noch knapp zwei Millionen Abonnenten hat. Zusammen mit seinem besten Freund Tim Lehmann klärte Zimmermann dort über seine Krankheit auf, das Tourettesyndrom. Dabei handelt es sich um eine neurologische Erkrankung, die sich in unwillkürlichen, sich wiederholenden Bewegungen wie dem Zucken des Gesichts, dem Ausstoßen von Lauten oder, wie bei Zimmermann, in Pöbeleien und Gesten äußert – den sogenannten Tics.
Durch den Onlineerfolg von »Gewitter im Kopf« war Zimmermann ungefähr drei Jahre lang so etwas wie Deutschlands bekanntester Tourettepatient. Insgesamt luden Tim Lehmann und er gemeinsam weit mehr als 500 Videos hoch, die oft Comedyeinschläge hatten. Alle Äußerungen vor der Kamera, die Zimmermann aufgrund seines Tourettesyndroms tätigte, schrieb er einer »Gisela« zu. Ende 2022, nach langem Abwägen, ließ sich Zimmermann dann mit einer sogenannten tiefen Hirnstimulation behandeln.
Anfang 2025 gab es ein Comeback
Ab Mitte 2023 erschienen auf »Gewitter im Kopf« zunächst keine Videos mehr. Ein offizielles Comeback des Kanals gab es erst Anfang dieses Jahres. »Seit der erfolgreichen Hirn-OP an Jans Gehirn ist das Tourettesyndrom erfolgreich behandelt worden«, wurde das in der Kanalbeschreibung erklärt. »Nach einer Social-Media-Pause sind wir seit 2025 wieder zurück und machen nun interessanten Content zum Thema Neurodiversität und Reisen!«
SPIEGEL-Autor Pascal Mühle traf Jan Zimmermann und Tim Lehmann dieses Frühjahr für ein Porträt, seinen Artikel finden Sie hier. Bei dem Treffen erzählte das Creator-Duo Mühle, wie es heute auf die Zeit des Hypes zurückblickt, es sprach aber auch über eigene Fehler und daraus resultierende Shitstorms. Bei einem davon hatten es im Jahr 2021 bereits Spekulationen über einen möglichen Tod von Zimmermann gegeben. Damals jedoch erwies sich das Ganze als Promoaktion für ein Musikvideo über einen gestorbenen Großvater.
Im Zuge des Interviews blickten Zimmermann und Lehmann auch auf ihre Anfänge auf YouTube zurück, die auf einen viral gegangenen »Galileo«-Beitrag über Lehmann und seine Krankheit zurückgingen. Zum ersten »Gewitter im Kopf«-Video erzählte Tim Lehmann zum Beispiel: »Wir haben eine Mülltonne als Handystativ benutzt, und ich habe das Video mit Windows Movie Maker geschnitten.«
Netzstar Zimmermann: »Manchmal vermisse ich ›Gisela‹«, sagte er im Frühjahr 2025
Foto: Nadine Schwickart / DER SPIEGEL»Ich glaube, wir haben einen großen Teil dazu beigetragen, dass heute so viele Menschen das Tourettesyndrom kennen«, sagte Jan Zimmermann. Er selbst machte zum Zeitpunkt des Treffens eine Ausbildung in der Justizverwaltung, außerdem reiste er viel. »Manchmal vermisse ich ›Gisela‹«, sagte Zimmermann noch. »Viele Situationen waren mit meinen Tourettesymptomen einfach lustiger. Aber das Positive überwiegt das Vermissen.«
Das erfolgreichste Video von »Gewitter im Kopf« ist bis heute der insgesamt dritte Upload des Duos, ein Vlog aus dem Kölner Zoo . Der Clip hat bis heute 6,2 Millionen Klicks gesammelt. Für deutsche Verhältnisse ist das sehr, sehr viel – und womöglich kommt in diesen Tagen, anlässlich der Nachricht des Tods von Zimmermann, auch noch der ein oder andere Klick hinzu.
